FUSSBALL
Torreiches Spiel des FCA gegen Eisbachtal wäre keine Überraschung
Kennen Sie Sven Demandt? Den Älteren sagt der Name sicherlich etwas, denn der heute 58-Jährige war Stürmer, spielte in der Bundesliga für Fortuna Düsseldorf und Bayer Leverkusen sowie eine Etage tiefer für Hertha BSC Berlin und lange für den FSV Mainz 05, wo er Kultstatus genoss. In den beiden obersten Spielklassen erzielte er in 456 Partien 148 Tore. 1989 war er Torschützenkönig in der Zweiten Liga. Das Besondere: Demandt war vor dem gegnerischen Kasten extrem cool und unaufgeregt, was ihm den Spitznamen „Kühlschrank“ und die Sympathien der Fans einbrachte.
Einen „Kühlschrank“ hat auch der FC Arminia. Matteo Monetta hat zwar bei weitem nicht die Statur des bulligen Demandt, ist aber vor des Gegners Tor genauso abgezockt, cool und locker. Ein Beispiel dafür ist das 4:3-Siegtor am vorigen Spieltag in Pfeddersheim. „Als mir Marcel Bormeth den Ball zugespielt hat, wusste ich genau wie die nächsten fünf Sekunden ablaufen, weil ich diese Situation schon viele Male durchlebt habe“, sagt der am Samstag 39 Jahre alt werdende Monetta. Wenn er alleine auf den Torwart zuläuft, dann rutscht dem Routinier nicht das Herz in die Hose wie manch jungem Spieler. „In einer solchen Lage fühle ich mich wohl. Wichtig ist, konzentriert zu bleiben“, beschreibt Monetta den Moment.
Eiskalt vor dem Tor bleiben
Wenn ihm der Torwart entgegenkommt, verursacht das bei dem Italiener keinen erhöhten Pulsschlag. Er kennt die Abläufe und tut das, was er schon zigfach zuvor in einer solchen Situation gemacht hat. Er lupfte den Ball zum 4:3 cool über den Keeper. „Genau dasselbe Tor habe ich 2006 in Sandhausen erzielt“, erinnert sich Monetta. Damals gehörte er einer Auswahl von Spielern aus Hoffenheim, Sandhausen und Walldorf an, die in einem Vorbereitungsspiel auf WM-Teilnehmer Costa Rica traf, gegen den Deutschland wenig später in die Weltmeisterschaft startete. Sein Rezept: „Übung macht den Meister. Mit vielen Wiederholungen holt man sich Sicherheit und wird von nichts mehr überrascht“, sagt der Torjäger.
Matteo Monetta ist ein echter Straßenfußballer. „Ich bin in Walldorf neben einem Fußballplatz aufgewachsen. Da war immer was los. Auch auf einem Bolzplatz lernt man viel, weil sich manches wiederholt. Vieles macht man irgendwann intuitiv“, verdeutlicht der klassische Neuner. Der ausgebildete Restaurantfachmann arbeitet derzeit als Koch im Familienbetrieb. Sein Vater und Bruder führen das Clubhaus von Regionalligist Astoria Walldorf. Bei der Arminia spielt er seit zwei Jahren und ist seit dieser Runde spielender Co-Trainer von Chefcoach Andreas Brill. Eine erfolgreiche Partnerschaft, die in der kommenden Saison fortgesetzt wird.
„Auf den Körper achten“
Wer mit 39 Jahren noch Oberliga spielt, der muss mehr dafür tun als ein 22-Jähriger. „Auf den Körper achten, ihn pflegen. Um nach einem Spiel den Akku aufzuladen, dauert länger als früher. Ich nutze das erste Training meist zum Auslaufen, bin da vermehrt in der Rolle des Co-Trainers. Aber zwei Einheiten brauche ich schon, um samstags spielen zu können“, verrät Monetta, der sich riesig über die Meisterschaft seines Lieblingsvereins SSC Neapel gefreut hat. „Mal wieder ein Team aus dem oft belächelten Süden Italiens und der erste Titel seit 33 Jahren. Das macht einen Napoli-Fan stolz“, betont Monetta.
„Matteo hat eine unglaubliche Erfahrung und schon alles erlebt. Er ist extrem clever, hat einen Torreicher und eine hohe Akzeptanz“, charakterisiert Brill seinen Assistenten, der sich unter anderem um das Aufwärmprogramm und selbstredend um Torabschlüsse kümmert. 23 Saisonspiele, mit neun Treffern bester Schütze des FCA und zudem sechs Torvorlagen. Zahlen, die für ihn sprechen und nahezu identisch mit der herausragenden Vorjahresausbeute sind. Einen persönlichen Wunsch hat Monetta noch: „In all den Jahren, in denen ich Fußball spiele, habe ich zweistellig getroffen. Es wäre super, wenn mir das wieder gelingen würde.“ Am Samstag hat er Geburtstag, da könnten ihm die Kollegen ja ein Geschenk machen. Vielleicht wieder mit einem Schnittstellenpass, dem ein Lupfer folgt.