Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Pfalztheater gastiert mit der Operette „Die lustige Witwe“ im Pfalzbau

Graf Danilo ist ein absoluter Womanizer, bis er seiner Jugendliebe Hanna begegnet.
Graf Danilo ist ein absoluter Womanizer, bis er seiner Jugendliebe Hanna begegnet.

Mit einem Klassiker des Operetten-Repertoires gastiert das Pfalztheater aus Kaiserslautern am Wochenende zwei Mal im Ludwigshafener Pfalzbau: Franz Lehárs „Die lustige Witwe“. Die Regie von Francois de Carpentries und Karine van Hercke macht aus der vermeintlichen leichten Muse große Kunst, die durchaus auch zum Nachdenken anregt,

Für das Kaiserslauterer Dreispartenhaus hat diese Inszenierung eine besondere, wenn auch fast schon tragische Bedeutung. Die Premiere im vergangenen Dezember war die letzte, die noch im Großen Haus gezeigt werden konnte – ehe ein Wasserschaden den Spielbetrieb sprichwörtlich absaufen ließ. Diese Saison zeigte man in der Westpfalz große Produktionen in einem Zelt, die Rückkehr ist für die kommende Spielzeit vorgesehen. Ein Glücksfall für Künstler wie Publikum also, dass man in den Pfalzbau ausweichen kann.

Die 1905 uraufgeführte Operette „Die lustige Witwe“ ist Franz Lehárs bekannteste und erfolgreichste Bühnenkomposition – auch heute noch so dauerhaft präsent in den Spielplänen der Theater wie sonst vielleicht nur noch „Die Fledermaus“ von Johann Strauß aus dem Jahr 1874. Während man Lehár dem „Silbernen Zeitalter“ der Operette zuordnet, steht Strauß für die „Goldene“ Epoche des Genres.

Auskomponierte Weltflucht

Man kann die Operette – vor allem jene Werke, die wie „Die lustige Witwe“ nach der Jahrhundertwende entstanden sind – auch als auskomponierte Weltflucht verstehen. Es ist ein Tanz auf dem Vulkan – auf einem Vulkan, der dann kurze Zeit später mit dem Ersten Weltkrieg ausbrechen und eine ganze Epoche in den Abgrund reißen sollte. Die Menschen suchten damals Unterhaltung, in einer Zeit, die bleiern schwer auf ihnen lastete – und Lehár bot ihnen diese Unterhaltung auf einem musikalisch ganz außergewöhnlich hohem Niveau.

Nichts ist schwerer, als die leichte Muse, heißt es ja gemeinhin völlig zu recht – und das gilt auch für die szenische Umsetzung. Sehr schnell verrutscht der Regiezugriff in Klamauk. Oder aber – das andere Extrem – in die provokative Dekonstruktion. Die Kaiserslauterer Regie von Francois de Carpentries und Karine van Hercke, die auch für die Kostüme verantwortlich ist, versteht die Operette zunächst einmal als das, was sie sein will: Unterhaltung. Eine radikale Aktualisierung beziehungsweise Politisierung findet nicht statt.

Zerbrechlicher Zustand des Nichtfertigen

Das Bühnenbild von Thomas Dörfler zeigt drei Säle, in denen sich eine feierwütige Gesellschaft so richtig austoben kann. Allerdings ist alles in einem zerbrechlichen Zustand des Nichtfertigen, wie Günther Fingerle bei der Premiere im vergangenen Jahr in der Sprechrolle des Njegus kurz vor Beginn der Vorstellung berichtet. Es ist eine Welt im Zerfall, im Zustand des Ruinösen, wenn sich Kulissen-Teile anscheinend zu lösen beginnen. Die Illusion ist fragwürdig, aus dem großen Spaß-Traum könnte es ein böses Erwachen geben.

Die Handlung spielt in den 1920er Jahren. Der große Knall, die große Katastrophe hat bereits stattgefunden. Und nach all dem Schrecken, der hinter ihnen liegt, sehnen sich die Menschen nach Ablenkung, nach Unterhaltung. Es wird getanzt, geküsst, geliebt (mitunter unter Ausschluss der Öffentlichkeit, aber unter lautem Stöhnen) und getrunken. Ein Paradebeispiel für diesen Lebensstil ist Graf Danilo. Er ist ein absoluter Womanizer, genießt dies auch und verbringt Nacht für Nacht im Maxim. Da muss die Arbeit in der Botschaft eben mal ruhen.

Wertlos, sinnlos, nutzlos

Die Wiederbegegnung mit seiner Jugendliebe Hanna – eben jene lustige und reiche Witwe, die der Operette ihren Namen gibt – aber wirft ihn völlig aus der Bahn. Sein bisheriges Leben scheint ihm wertlos, sinnlos, nutzlos. Über allem steht nun das Glück an der Seite Hannas. Aber bis es so weit ist, muss er ziemlich tief sinken, zahlreiche Flaschen Champagner leeren und sprichwörtlich am Boden liegen.

Aus seiner Macho-Ecke kommt Danilo einfach nicht heraus. Er schafft es nicht, Hanna seine Liebe zu gestehen. Eine echte Liebe, die nichts mit den Tändeleien im Maxim zu tun hat. Da kann es dann nur noch die Musik retten: „Lippen schweigen“, das weltbekannte Liebesduett im Finale. Alles wird gut. Schließlich sind wir in der Operette.

Termine

Samstag, 15., und Sonntag, 16. Juli, jeweils 19.30 Uhr, im Theater im Pfalzbau.

x