Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Oberliga: Wie ein Neuzugang Arminia Ludwigshafen helfen soll

Viel erlebt: In der Hinrunde spielte Björn Weisenborn (links) noch beim FK Pirmasens.
Viel erlebt: In der Hinrunde spielte Björn Weisenborn (links) noch beim FK Pirmasens.

Der FC Arminia Ludwigshafen steht in der Oberliga auf einem Abstiegsplatz. Da braucht es jeden Punkt, sichere Tabellenregionen zu erreichen. Ein erfahrener Winterneuzugang soll dabei helfen.

Nach der 2:6-Pleite in Diefflen steht der abstiegsgefährdete Oberligist FC Arminia Ludwigshafen am Samstag, 14 Uhr, gegen den Tabellenzweiten SV Gonsenheim unter Zugzwang. Im Winter hat der FCA einen Hoffnungsträger verpflichtet, der reichlich Regionalliga- und Oberliga-Erfahrung mitbringt.

Gemeint ist Björn Weisenborn, der vom Ligarivalen FK Pirmasens nach Ludwigshafen transferiert wurde. „In der Vorrunde habe ich festgestellt, dass Beruf und Oberligafußball in Pirmasens nicht ideal zu verbinden sind. An Trainingstagen saß ich den ganzen Tag im Büro am PC und abends mit Hin- und Rückfahrt zweieinhalb Stunden im Auto“, nennt der Verteidiger den Grund für seinen Wechsel. Es habe verschieden Optionen in der Region gegeben, den Zuschlag bekam die Arminia. Dort fühlt er sich wohl. „Ich habe selten in einer Mannschaft gespielt, in der so viel Leben ist, und die sich auch außerhalb des Platzes so gut versteht“, erklärt der 29-jährige Weisenborn.

Namhafte Stationen

Und erlebt hat er viel in seiner Laufbahn. Karlsruher SC, 1. FC Kaiserslautern, SV Waldhof und Wormatia Worms waren namhafte Stationen in der Jugend. Danach spielt er in Worms, ebenso im westfälischen Wiedenbrück Regionalliga, bei Viktoria Griesheim, Bayern Alzenau, Anker Wismar, TSG Pfeddersheim und TuS Mechtersheim, wo er Kapitän war, Oberliga. Danach folgte der FKP, jetzt die Arminia. Fast 200 Partien in Regional- und Oberliga stehen zu Buche. Wahrscheinlich wären es mehr, wenn er nicht so häufig von Verletzungen, etwa Probleme mit Leiste und Schambein, zurückgeworfen worden wäre.

„Bis zum Alter von 24 oder 25 Jahren habe ich vom Fußball gelebt, oft zweimal täglich trainiert und parallel ein Fernstudium absolviert“, berichtet der heutige Verwaltungswirt, der bei der Pfälzischen Pensionsanstalt in Bad Dürkheim arbeitet. In Wiedenbrück lebte er mit drei Mitspielern in einer WG. Die Schwierigkeiten bedienen ein Klischee, das Menschen in einer Wohngemeinschaft zugeschrieben wird. „Beim Abwasch und der Müllentsorgung hat sich nicht jeder an den Plan gehalten. Vier Fußballer unter einem Dach – das war chaotisch“, blickt Weisenborn zurück. Sein Fazit damals: Nie wieder in eine WG. Insgesamt sei es aber eine interessante und schöne Zeit gewesen, wenn auch mitunter weit weg von zu Hause.

Unfreiwillig beidfüßig ausgebildet

Dabei stand es anfangs in den Sternen, ob er überhaupt Fußballspielen kann. „Als kleiner Junge bin ich an Morbus Perthes erkrankt, das ist eine orthopädische Kinder-Erkrankung“, sagt Weisenborn. Da die Hüfte betroffen war, konnte er sich eine Zeit lang nur an Krücken fortbewegen. Eine schwierige Phase im Leben des kleinen Björn. „Meine Eltern haben sich sehr darum gekümmert, dass ich beim Sport bleibe“, ist der Abwehrspieler dankbar. Weil er den rechten Fuß wegen der Erkrankung nicht belasten konnte, schulte er den linken mit dem Ergebnis, dass er heute beidfüßig ist. Im E-Juniorenalter konnte er beim SV 1911 Bad Dürkheim wieder spielen und wechselte später zur VfR Grünstadt.

Anders als in Pirmasens spielt Björn Weisenborn mit der Arminia gegen den Abstieg. In Diefflen sei der FCA defensiv nicht stabil gestanden und habe seine spielerischen Fähigkeiten nicht einbringen können. „Bei meinen vorherigen Klubs hieß es immer, dass wir unterbinden müssen, dass die Arminia ihre Offensivqualitäten ausspielt, und man über schnelles Umschaltspiel zu Toren kommen könne“, erinnert sich der Verteidiger, der früher auch auf den offensiven Außenbahnen aufgelaufen ist. Trainer Andreas Brill bezeichnet ihn als guten Typen. „Björn hat eine prima Einstellung und eine super Mentalität. Er ist klar in seinen Ansichten, kann flexibel eingesetzt werden und deutet an, dass er vorausgehen will“, charakterisiert der Coach die Neuverpflichtung.

Brill hat das Spiel in Diefflen mit der Mannschaft analysiert und nennt das schlechte Zweikampfverhalten, die vielen einfachen Patzer und die zu großen Abstände zwischen den Mannschaftsteilen als Gründe für die 2:6-Packung. Außerdem habe der FCA in sechs Partien bei den Saarländern nur einen Punkt geholt. Dennoch wolle er nichts schönreden. Der samstägliche Gegner Gonsenheim ist eine noch größere Hausnummer. Der SVG ist Tabellenzweiter und Regionalliga-Aspirant. Das Hinspiel verlor die Arminia sang- und klanglos 0:7, musste eine Rote Karte für Wal Fall und eine Ampelkarte für Kevin Urban akzeptieren. „Das wird eine Herausforderung, ich bin aber weiter positiv. Wir müssen unsere Qualität auf den Platz bringen“, fordert Brill.

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