Leute in Lu Mit den Stars bestens bekannt

 ESC-Fans: Karl Jakob (links) und Siegfried Doppler.
ESC-Fans: Karl Jakob (links) und Siegfried Doppler.
ESC-Legenden: Katja Ebstein, Ralph Siegel und Nicole.
ESC-Legenden: Katja Ebstein, Ralph Siegel und Nicole.
Lena feiert 2010 ihren Sieg beim ESC in Oslo.
Lena feiert 2010 ihren Sieg beim ESC in Oslo.
Doppler und Jakob mit Michael Schulte beim ESC in Lissabon, der dort Platz 4 holte.
Doppler und Jakob mit Michael Schulte beim ESC in Lissabon, der dort Platz 4 holte.

Der Eurovision Song Contest (ESC) in Rotterdam ist wegen Corona ausgefallen. Besonders traurig ist das für Siegfried Doppler und Karl Jakob aus Ludwigshafen. Beide sind Präsidiumsmitglieder eines der größten ESC-Fanclubs. Seit 1963 brennt ihre Leidenschaft für den Liederwettbewerb. Die beiden Friesenheimer saßen dabei auch schon in der Jury.

Der Wohnzimmertisch von Karl Jakob (67) und Siegfried Doppler (69) ist übersät mit „Euro-Voice“-Ausgaben. So nennt sich die dreimal jährlich erscheinende Club-Zeitschrift der rund 950 Mitglieder zählenden „OGAE-Germany“. Der deutsche Fanclub des Gesangswettbewerbs wurde 1987 gegründet. Lena Meyer-Landrut oder Michael Schulte zieren die Titelseiten. Die Zeitschrift ist gespickt mit Berichten über den ESC, die Schnappschüsse der Stars hat Doppler gemacht.

Hautnah wirken die Aufnahmen, doch selten ist ein Selfie der Friesenheimer mit den Stars dabei: „Wir halten uns eher im Hintergrund“, sagt Jakob . Für die „OGAE-Germany“ begleiten sie jeden ESC vor Ort, erleben und dokumentieren das zweiwöchige Spektakel von den Partys im Vorfeld bis zum Geschehen hinter die Bühne und der Feier nach dem Siegerentscheid. Alljährlich gibt es ein Treffen von 220 OGAE-Mitgliedern in einem Münchener Wirtshaus. ESC-Stars wie Katja Ebstein, Ralph Siegel oder Carolin Reiber gehörten dabei zu den Stammgästen, erzählt Jakob.

Schon als Jugendliche Fans

Doch für was steht die Abkürzung OGAE? „Wir sind die 'Organisation Générale des Amateurs de l'Eurovision Deutschland'“, erklärt der für die Mitgliederverwaltung zuständige Doppler das französische Wortungetüm, das auf die Ursprünge des ESC hindeutet. „Bis 2001 hieß der Wettbewerb ja auch in Deutschland 'Grand Prix Eurovision de la Chanson'“, betont Kassenwart Jakob.

Weder Doppler noch Jakob erlebten den ersten „Grand Prix“ 1956, für den Deutschland mit Freddy Quinn und Walter Andreas Schwarz gleich zwei Sänger nach Lugano schickte. Doch die Fans kennen die ganze Geschichte des Wettbewerbs. „Damals nahmen nur sieben Länder teil“, berichtet Jakob. Deshalb waren zwei Interpreten pro Nation zugelassen, um die Eurovision-Sendezeit zu füllen. „Die Teilnahme war nie auf Europa begrenzt“, räumt Jakob zugleich mit einem weitläufigen Missverständnis auf: Denn Eurovision ist lediglich der Name der 1954 in Genf gegründeten Einrichtung zum Austausch von Fernseh- und Hörfunkprogrammen. „Im Rahmen der Eurovision war von Anfang an die EBU der Song Contest-Veranstalter“, erklärt Doppler. „Das steht für 'European Broadcast Union'“. Zu dieser Rundfunkunion gehören zwar mehrheitlich europäische Radio- und Fernsehstationen, aber auch andere Staaten sind Mitglieder, die am ESC teilnehmen können. Über 180 Millionen Zuschauer weltweit erreiche der ESC, sagt Jakob.

Bei der Tante vor dem Fernseher

„Unser erster Grand Prix war 1963“, erinnert sich der gebürtige Landauer Doppler. Er kannte Jakob noch nicht, beide verfolgten als Jugendliche das Spektakel im Fernsehen. „Er in der Südpfalz und ich im Hemshof bei einer Tante, die einen Fernseher hatte“, erzählt Jakob. Beide wurden Fans des Liederwettbewerbs. „Kennengelernt haben wir uns 1981 beim Kegeln im Felix-Bowling-Center“, erzählt Doppler. Als Industriekaufmann bei der BASF zog er nach Ludwigshafen. „Damals war der Grand Prix nicht so populär und es gab noch kein Internet“, betont Jakob. Für den Hemshöfer war es daher schwer, Gleichgesinnte zu treffen: „Ich dachte, ich wäre der einzige auf der Welt.“ Umso größer war die Freude für Jakob, als er Doppler kennenlernte, der noch dazu 1980 Mitglied der deutschen Jury war.

„Ich hab ihn schon sehr dafür bewundert“, sagt Jakob. Zumal Doppler ein weiteres Mal 1982 in der Jury saß, als Nicole mit „Ein bisschen Frieden“ den ersten Platz für Deutschland holte und ihren Produzenten Ralph Siegel zum „Mister Grand Prix“ machte. Aber wie kommt man in die Jury? „Ich war 1980 Kandidat bei Dieter Thomas Hecks Sendung 'Pyramide'“, offenbart Doppler. Während der zweitägigen Proben saß er mit dem Moderator zusammen. „Wir haben über mein Hobby gesprochen“, erzählt Doppler. Er sagte Heck, wie gerne er in der deutschen Jury sitzen würde. Und Heck ließ das Wunder geschehen. Auch Jakob wurde später zum Juror: 1984 in Luxemburg.

ESC in Oslo bleibt unübertroffen

Der Lieblings-ESC der beiden? „Eindeutig der mit Lena Meyer-Landrut in Oslo 2010“, sagen beide. Sie sind heute noch begeistert von der authentischen Ausstrahlung der Gewinnerin. Dem OGAE habe Lena einen sprunghaften Mitglieder-Zuwachs beschert.

Und was halten die beiden Lebenspartner von den Corona bedingten ESC-Ersatzveranstaltungen im TV? „Mein Herz hätte schon geblutet, wenn gar nichts gewesen wäre“, sagt Jakob. „Aber ganz ehrlich: Ben Dolic als deutscher Beitrag hätte uns gar nicht gefallen.“ Auch wenn die Friesenheimer altersbedingt kürzer treten und nicht mehr zum ESC reisen wollen, bleiben sie ihm an der Mattscheibe treu. „Wir bleiben Fans – bis zum letzten Atemzug“, sagt Doppler.

Im Netz

Eine umfangreiche Datenbank zur ESC-Geschichte findet sich unter www.ogae.de.