Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Melancholie und Lebensfreude: Avi Avital im BASF-Feierabendhaus

Zwischen Folklore, Jazz und Klassik zu Hause: Avi Avital.
Zwischen Folklore, Jazz und Klassik zu Hause: Avi Avital.

„Between Worlds – Zwischen den Welten“ lautet der Titel eines 2014 erschienenen Albums Avi Avitals. Es war auch das Motto eines Konzerts, das der israelische Mandolinist mit seinem „Between Worlds“-Ensemble im Ludwigshafener BASF-Feierabendhaus gegeben hat.

Folklore, Jazz und Klassik gehen im Spiel dieses zehnköpfigen Ensembles eine harmonische Verbindung ein, die zugleich ihre volkstümlichen Wurzeln betont. Die Besucher dieses Konzerts erleben eine Reise durch spanische, osteuropäische und jiddische Kulturräume und machen auch auf jener umkämpften Halbinsel Station, nach der die Krimtataren benannt sind. Das Spektrum reicht von poetischen Balladen bis zu leidenschaftlichen Tänzen; Melancholie und Lebensfreude mischen sich in diesen neuarrangierten Stücken, die einen Bogen von Isaac Albéniz und Manuel de Falla bis zu Béla Bartók und Igor Strawinsky schlagen, auf völlig organische Weise.

Zwar sitzt Avi Avital in der Mitte des Ensembles und ist auch als leitender Akteur zu beobachten. Dennoch spielt sich die Mandoline nur stellenweise in den Vordergrund; häufig ist sie als Begleitinstrument wahrzunehmen. Das zarte Zirpen der Mandoline wird durch einen Lautsprecher verstärkt. Auf diese Weise setzt Avital im Konzert dann doch immer wieder Akzente, die das Klangbild entscheidend prägen.

Aus Nordindien, Ägypten, der Türkei, Rumänien und Andalusien stammt die Musik, die der zeitgenössische Komponist David Bruce in seiner Suite „Cut the Rug“ verarbeitet hat. Im Spiel des „Between Worlds“-Ensembles wird die Tradition der Sinti und Roma sowie des spanischen Flamenco auf ebenso eigenwillige wie authentische Weise zum Leben erweckt. Jedes Instrument wird dabei nacheinander und behutsam in Szene gesetzt.

Sensibles Spiel

Dank der akustischen Klangverhältnisse können sich neben Geigen und Flöte auch Harfe und Cello entfalten. Die wehmütige Melodie einer Klarinette schwebt über dem Bordunton im Kontrabass, Amir Wahba streut feine perkussive Aperçus ein. Alles, was tönt, tritt aus der Stille. Das Geheimnis der Klangwerdung lässt sich im sensiblen Spiel dieses Ensembles aufspüren. Nichts wirkt aufgesetzt, gekünstelt oder starr. Der Lebendigkeit dieser Musik entspricht der improvisatorische Charakter dieser Arrangements, die so originell wirken wie sie ihre Wurzeln nicht verleugnen.

Nach der lyrischen Einleitung durch Harfe, Flöte und Klarinette in Enrique Granados spanischen Tänzen flechten die Instrumentalisten ein filigranes Gewebe aus lyrischen Fäden, die dann wieder beiseite gezogen werden, um den Blick freizugeben auf Szenen voller Ausgelassenheit und Lebensfreude. Das alles wirkt im Spiel dieses Ensembles luftig, schwerelos und unaufdringlich, aber alles andere als gefällig.

Zwischen Erschütterung und Fröhlichkeit

Auf einmal bringt die Mandoline mit Strawinskys italienischer Suite barocke Anmutung zum Ausdruck und zünden die Musikerinnen und Musiker mit drei Stücken aus Bartóks „Mikrokosmos“ feurige Rhythmen, die den rustikalen Charme einer dörflichen Tanzveranstaltung suggerieren. Einer der Höhepunkte dieses Ludwigshafener Konzerts ist ein Medley mit Klezmer-Musik, das der israelische Klarinettist Gilad Harel mit glühender Hinwendung zu jenen traditionellen Weisen der mittelalterlichen Juden und mit virtuoser technischer Beherrschung präsentiert. Das Singen und Schluchzen, das in diesen Liedern der zur ständigen Flucht gezwungenen aschkenasischen Siedler zum Ausdruck kommt, erschüttert im einen Moment, um im nächsten überschäumender Fröhlichkeit Platz zu machen.

Mit dem nach einem katalanischen Weihnachtslied geschriebenen „Song of the Birds“, den der Cellist Pablo Casals einst populär gemacht hat, verabschieden sich Avi Avital und seine Begleiter von ihrem restlos begeisterten Publikum. Die nächtlichen Vogelstimmen, die die Instrumentalisten auf Flöte, Klarinette und Pfeifen produzieren, sind als Friedens- und Versöhnungsaufrufe gedacht, und sie entbehren ihrer Wirkung an diesem Abend nicht.

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