Ludwigshafen
Käufer fürs „Metropol“-Projekt gesucht
Am Bauzaun um die prominenteste Baustelle der Stadt werben bunte Plakate um Mieter für den Hochhauskomplex „Metropol“ . Doch bisher gibt es nur eine riesige Baugrube, Baupläne und Baurecht. Im vergangenen Sommer ist die für den Hochhauskomplex gegründete Baugesellschaft pleite gegangen, nachdem die Geldgeber für das Millionen-Projekt die Notbremse gezogen hatten. Der ursprüngliche „Metropol“-Investor Günther Tetzner ist seitdem draußen aus dem Projekt.
Der vom Gericht bestellte vorläufige Insolvenzverwalter Tobias Wahl aus Mannheim hat sich in den vergangenen Monaten einen Überblick über das vorerst gescheiterte Bauprojekt verschafft. Nach seinen Angaben gibt es einen Hauptgläubiger der „Metropol“-Projektentwicklungsgesellschaft, dies sei der Finanzierer des Bauprojekts – eine Art Fonds aus dem Finanzsektor. Der Finanzier hat für die Planung, Projektentwicklung und die umfangreichen Tiefbauarbeiten viel Geld zur Verfügung gestellt. Unter anderem musste ein Teil des Tiefbunkers unter dem Berliner Platz abgetragen werden, um Platz für die Bodenplatte zu schaffen. Ein teueres und aufwendiges Unterfangen.
Welche Summe bisher in das „Loch“ investiert wurde, ist nicht bekannt. Hinter vorgehaltener Hand ist unter Kommunalpolitikern von einem zweistelligen Millionenbetrag die Rede. Der Insolvenzverwalter sagt dazu nichts. Klar sei aber, dass der Kreditgeber ein großes Interesse daran habe, dass es mit dem Projekt weitergeht und er möglichst viel von seinem Geld wiedersieht.
Es soll Interessenten geben
Deshalb will der Insolvenzverwalter das baureife Projekt an einen neuen Investor verkaufen. Neben dem Grundstück und der Baugrube gebe es fertige Baupläne, Baugenehmigungen und Verträge mit Mietern. „Es gibt Interessenten“, sagt Tobias Wahl. Doch der Anwalt will sich nicht in die Karten schauen lassen. Er sagt lediglich, dass er von möglichen Investoren kontaktiert worden sei und dass auch ein Immobilienmakler mit einem Exposé auf weitere Interessenten zugegangen sei. „Wir wollen einen Investor finden, der weiterbaut“, sagt Wahl. Der Insolvenzverwalter will in den kommenden Monaten Angebote von potenziellen Investoren sichten.
Auf die Frage, ob es momentan überhaupt noch einen Markt für einen knapp 70 Meter hohen zweiteiligen Hochhauskomplex gibt, antwortet der Insolvenzverwalter kurz und bündig: „Es geht um ein genehmigtes Projekt, das zum Verkauf steht. Das, was geplant und genehmigt ist, biete ich an. Ich bin wirklich zuversichtlich, dass wir jemanden finden.“
Entscheidung bis Spätsommer
Die Skepsis und Ablehnung in großen Teilen der Stadtbevölkerung und der Politik gegenüber den bisherigen „Metropol“-Plänen kennt der Mannheimer. Doch als Insolvenzverwalter sei er dazu verpflichtet, beim Verkauf des Projekts möglichst viel Erlös im Sinne der Gläubiger zu erzielen. Und dies gehe am besten, wenn das Gesamtprojekt verkauft werde. Wahl rechnet damit, dass im „Spätsommer dieses Jahres“ eine Entscheidung fallen wird.
Ludwigshafener Kommunalpolitiker hoffen unterdessen, dass sie Einfluss auf die Baupläne nehmen können, wenn der Insolvenzverwalter einen neuen Investor findet. In Sachen „Metropol“ habe die Stadt Ludwigshafen derzeit kaum Einflussmöglichkeiten, heißt es seit der Insolvenz immer wieder von Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD). Erst, wenn es Interessenten mit neuen Pläne gebe, habe die Stadt wieder ein Mitspracherecht. Sie stehe im Austausch mit dem Insolvenzverwalter. Tobias Wahl bestätigt Gespräche mit der Stadt, betont aber auch, dass es sich um ein genehmigtes Projekt handele.
Weiterhin Skepsis
„Dass das Metropol-Projekt 1:1 realisiert werden wird, glaube ich nicht“, sagt Ortsvorsteher Christoph Heller (CDU). Die bisherigen Pläne sahen zwei Gebäudekomplexe vor – ein kleineres Gesundheitshaus und ein 19-stöckiges Büro- und Hotelhochhaus. Eine Hotelkette hatte als Ankermieter einen Mietvertrag für die erste bis neunte Etage unterschrieben. Die darüberliegenden neun Geschosse sollten als Büroflächen vermietet werden – insgesamt 7400 Quadratmeter.
Doch seit Investor Tetzner das Gebäude vor rund zehn Jahren plante, haben sich die Voraussetzungen geändert: So sei der Bedarf an Büroflächen geringer – nach der Corona-Pandemie boome das Homeoffice weiterhin, gibt der Ortsvorsteher zu bedenken. Die von Tetzner geplante Dimension sei angesichts der Krise in der Bauwirtschaft und der steigenden Baukosten derzeit schwer zu stemmen. Hinzu kämen auch noch gestiegene Zinsen für Kredite. Heller hofft, dass sich vielleicht doch noch ein Rathaus – in deutlich kleinerer Form als das „Metropol“ – in der Baugrube auf dem Berliner Platz entstehen könnte.
Sicher ist: Die Ludwigshafener werden noch eine ganze Weile mit dem „Loch“ am Südpol der Innenstadt leben müssen. „Sichern Sie sich die besten Aussichten“, steht auf einem riesigen Werbeschild am Rand der Baugrube, das den Hochhauskomplex in einer Computeranimation zeigt. Er wäre fast so hoch wie das zum Abriss freigegebene Ludwigshafener Rathaus – wenn er denn jemals Realität werden sollte.
Chronik: Das „Metropol“-Projekt
Frühjahr 2014: Investor Günther Tetzner, Chef der Timon Bauregie (Ettlingen), kauft im Februar die „Tortenschachtel“ von einer britischen Gesellschaft für angeblich rund eine Million Euro. Er kündigt den Abriss und einen Neubau an, da eine Sanierung zu teuer wäre. Laut Tetzner stehen gewerbliche Interessenten Schlange. Der Baustart wird mehrfach verschoben. Die Pläne werden geändert. Der Komplex soll höher werden. Ein Deal mit einem Investor scheitert. Das Projekt liegt auf Eis. Neue Geldgeber werden gesucht. Im Mai 2021 geht es mit dem Abriss des Tiefbunkers weiter – sonst wäre die Baugenehmigung verfallen. Als Termin für die Fertigstellung wird Ende 2024 genannt. Ab Frühsommer 2022 ruht der Betrieb auf der Baustelle wieder. Im Juli stellt die Projektentwicklungsgesellschaft Insolvenzantrag.