Hinrundenbilanz RHEINPFALZ Plus Artikel Holprige Rundumerneuerung der Eulen Ludwigshafen

Ende Juni wird das Trainerduo der Eulen Ludwigshafen gesprengt. Frank Müller (Zweiter von rechts) wird kommende Saison Cheftrain
Ende Juni wird das Trainerduo der Eulen Ludwigshafen gesprengt. Frank Müller (Zweiter von rechts) wird kommende Saison Cheftrainer des Drittligisten TuS Dansenberg. Zuvor will er mit dem Team, im Bild Hendrik Wagner (Zweiter von links), Marc-Robin Eisel (rechts) und Coach Ceven Klatt (links) in die Bundesliga aufsteigen.

Handball: Nach vier Jahren in der Bundesliga spielen die Eulen Ludwigshafen wieder im Unterhaus. Die Mannschaft findet schwer in die Saison. Das hat viele Gründe. Denn zahlreiche Dinge sind neu. An der Spitze steht ein neuer Cheftrainer. Ceven Klatt löste Ben Matschke ab, der nach sechs Jahren zum Bundesligisten HSG Wetzlar ging. Die Truppe fängt sich und steht nach 19 Spieltagen auf dem achten Tabellenplatz – ein verzerrtes Bild.

Die Rückschläge kamen in einer gewissen Regelmäßigkeit. Spieler verletzten sich, fielen wegen Corona-Infektionen aus, überraschend hagelte es zu Saisonbeginn Niederlagen gegen Durchschnittsmannschaften. Die Eulen Ludwigshafen haben in der aktuellen Zweitliga-Saison mit Widrigkeiten zu kämpfen. Und dennoch: Der Bundesliga-Absteiger mischt immer noch mit im Rennen um den Aufstieg.

Das war so nicht zu erwarten. Obendrein kam zu den ganzen Rückschlägen eine wegweisende Personalie. Die Eulen gingen mit einem neuen Trainer in die Saison. Ben Matschke übernahm Bundesligist HSG Wetzlar. 2015 wurde Matschke Cheftrainer der Eulen. Er stieg 2017 mit der Mannschaft in die Bundesliga auf. Vier Jahre spielte Ludwigshafen dort, auch begünstigt durch die Corona-Pandemie. Doch ausgerechnet in der Abschiedssaison von Matschke stieg der Verein wieder in die Zweite Liga ab.

Matschke kontaktiert den Nachfolger

Matschke war es auch, der seinen Nachfolger erstmals kontaktierte. Als klar war, dass er geht, bildete sich ein Trainerfindungsteam. Drei Kandidaten standen in der engeren Auswahl, darunter Ceven Klatt. Ihn rief schließlich Matschke an.

Klatts neue Mission begann mit Rückschlägen. Er musste in der Vorbereitung auf einige verletzte Akteure verzichten. Das brachte seinen Plan durcheinander. „Ich will eine aggressive Abwehr spielen lassen“, sagte Klatt. Um das einzustudieren, fehlte das Personal. Noch immer ist die neue Variante nicht zu 100 Prozent einstudiert. Noch immer feilt Klatt an Feinheiten.

Eulen zeitweise auf einem Abstiegsplatz

Dem personellen Engpass geschuldet stolperten die Eulen Ludwigshafen in die Saison. Zeitweise stand die Mannschaft sogar auf einem Abstiegsplatz. Aus der Ruhe brachte das offiziell niemand. Denn als das fehlende Personal sukzessive zurückkam, agierte die Mannschaft erfolgreich. Acht Spiele in Folge blieben die Eulen ohne Niederlage. Plötzlich war das Team auf Tuchfühlung zur Tabellenspitze. Einen Platz im engen Kreis der Top-Teams kann der Klub festigen, sollten die drei – wegen Corona – ausgefallenen Spiele in Dormagen, Bietigheim und zu Hause gegen Hamm/Westfalen gewonnen werden. Bislang ist nur die Partie gegen Hamm terminiert.

Ceven Klatt hat jedenfalls schon einen wesentlichen Grund für die Leistungsschwankungen ausgemacht. „Wir sind unserem Ziel, eine Heimmacht zu sein, nahe gekommen, weil wir wirklich viele gute Auftritte zu Hause hatten. Wenn ich einen Wunsch für das neue Jahr hätte, dann der, dass wir auswärts öfter das Gesicht zeigen wie zu Hause. Da hätte ich doch gerne eine kleinere Diskrepanz zwischen auswärts und zu Hause“, analysierte Klatt.

Eulen spielen oft nicht konstant genug

Diese Wechselhaftigkeit wiederum führte dazu, dass die Eulen Ludwigshafen oft zu inkonstant spielten. Und so verlor die Mannschaft bei Gegnern, die vom Papier eher vermeintlich schwächer besetzt sind – unter anderem in Aue, Dessau oder Hagen. „Für uns ist jedes Spiel schwer in der Zweiten Liga. Wenn irgendwo fünf bis zehn Prozent fehlen, dann wird es schwer“, sagte der 38 Jahre alte Klatt.

Das aber ist ein mentale Geschichte. Doch die Psyche musste sich erst einmal an die neuen Gegebenheiten gewöhnen. Da war der Abstieg. „Das hat schon etwas gedauert“, sagte Mittelmann Jan Remmlinger, „aber letztendlich musste jeder sich selbst damit auseinandersetzen. Zum Trainingsauftakt zur neuen Saison sollte jeder damit abgeschlossen haben.“

Nun, ganz so schnell ging es doch nicht. Auch Ceven Klatt hatte das bemerkt. Er betonte, dass die Spiele in der Zweiten Liga anders seien als die in der Bundesliga. Dass die Eulen nicht mehr der Außenseiter sind, sondern häufig der Favorit. „Es war für alle eine neue Situation, eine neue Liga, ein neuer Trainer und neue Abläufe“, sagte Klatt: „Das ist alles ein Lernprozess. Aber ich sehe Fortschritte im Vergleich zum Saisonbeginn.“

Anstrengendes Jahr für den Kopf

Maximilian Haider ist Vizekapitän der Eulen. Der 25 Jahre alte Kreisläufer spielt seit 2017 in Ludwigshafen. „Wir hatten noch nie so ein anstrengendes Jahr für den Kopf. Es war ein unfassbar schwieriges Jahr“, sagte Haider nach dem 34:26-Sieg Ende Dezember gegen den TV Emsdetten. „Da war der Abstieg in letzter Sekunde. Wir kannten das nicht. Wir wussten nicht, wie wir damit umgehen sollen. Wir wussten auch nicht, wie man damit umgeht, wenn der Trainer nicht mehr an der Seitenlinie steht, der sonst immer dort steht“, kommentierte Haider.

Doch alle Spieler seien reifer geworden. Sie haben aus den Rückschlägen lernen können. „Wir haben gelernt, mit neuen Situationen im Klub umzugehen. Wir mussten lernen, mit einem neuem Trainer umzugehen. Das ist eine Riesenumstellung. Manche kannten nur Ben Matschke“, betonte Haider. Auch er gehörte zu denjenigen, die nur unter Ben Matschke gespielt hatten. Haider aber ist ein äußerst intelligenter und redegewandter Spieler. Mit Kapitän Gunnar Dietrich bildet er ein harmonisierendes Team. Es folgten Aussprachen nach dem durchwachsenen Start. Viel wurde geredet. „Jeder hat seine Probleme zurückgestellt. Wir sind näher zusammengerückt. Wir haben immer einen Prozess im Team. Wir haben es so geschafft, dass wir am Ende der Runde den besten Handball spielen. Daran glaube ich auch diese Saison“, betont Haider.

Meyer-Sieberts Debüt am 6. Februar gegen Dormagen

Zumal die Mannschaft noch einmal verstärkt wurde. Julius Meyer-Siebert wurde bis 2023 vom Bundesligisten Leipzig ausgeliehen. Der 21 Jahre alte Junioren-Nationalspieler kam Anfang Januar und soll Nachfolger von Hendrik Wagner werden. Der Shooting-Star der Eulen geht nach der Saison zur HSG Wetzlar. Meyer-Siebert hat jedenfalls die Klasse, ihn zu ersetzen. Am Sonntag, 6. Februar, wird Meyer-Siebert im ersten Spiel des neuen Jahres gegen Dormagen seine Premiere geben. Gut möglich, dass der Schlussakt am 11. Juni ein Triumphmarsch wird – mit dem direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga.

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