Ludwigshafen
Hochstraße Süd: Hälfte der Bauwerke abgerissen – jetzt wird’s richtig kompliziert
„Es läuft. Wir sind im Plan. Es klappt sehr gut. Sie erleben eine gut gelaunte Oberbürgermeisterin.“ Das sagte Jutta Steinruck (SPD) am Mittwoch bei der wöchentlichen Videokonferenz mit Medienvertretern. Die Hälfte der zehn Bauwerke ist inzwischen abgetragen, berichtete Projektleiter Georgios Astyrakakis auf RHEINPFALZ-Anfrage. Er vertrat den im Urlaub weilenden Tiefbauspartenchef Björn Berlenbach, der Steinruck bei den Gesprächen üblicherweise zur Seite steht.
Direkt an Gleisen und Hochleitungen gelegen
Nahezu drei Viertel der Arbeiten liegen demnach hinter der Abrissfirma Moß, da die ersten fünf Bauwerke insgesamt größer waren als es die folgenden sind. Zunächst wurden ab 11. Juni die Bauwerke 154, 156 und 157 im Bereich Mundenheimer Straße/Faktorhaus abgetragen. Danach folgten die mächtigen Bauwerke 168 und 167 in Höhe des Platanenhains. Vermutlich ab Dienstag zerbeißen die Bagger in Richtung Berliner Straße die Bauwerke 158 und 161, bevor es im Schlussspurt an die Bauwerke 159, 205 und 162 geht.
Knifflig sind die letzten Abschnitte deshalb, weil sie unmittelbar an den Gleisen und Hochleitungen der Bahn liegen, die geschützt und gesichert werden müssten – unter anderem mit Staubschutzmatten und Sicherungsposten. Astyrakakis zufolge beträgt der Abstand zwischen der Pilzkonstruktion und den Schienen gerade mal einen Meter. „Die großen Bauwerke sind weg, aber die kleineren sind kompliziert“, meinte er. Um die Arbeiten fortsetzen zu können, sei daher die Zustimmung der Deutschen Bahn zwingend, mit der die Firma Moß bereits seit Längerem in Kontakt stehe. Mit dem Okay werde in Kürze gerechnet.
„Stehen nicht unter Zeitdruck“
Sobald es vorliegt, die restlichen Schuttberge abgetragen, die den Untergrund stabilisierenden Baggermatratzen verlegt und alle Stütztürme verschoben sind, kann voraussichtlich ab 1. September zunächst mit dem Abriss des 65 Meter langen Bauwerks 158 begonnen werden, der etwa zwei Wochen in Anspruch nehmen wird. Dessen Asphalt ist bereits abgefräst. Das Entfernen des Belags steht beim anschließenden, etwa 93 Meter langen Bauwerk 161 hingegen noch aus. Bei den weiteren Arbeiten sei Vorsicht geboten, um den Zeitplan nicht doch noch zu gefährden. „Bevor ein nachhaltiger Schaden an den Gleisen entsteht, machen wir lieber etwas langsamer. Wir stehen absolut nicht unter Zeitdruck. Wenn Bahnen und Züge ausfallen würden, hätte die gesamte Region ein noch größeres Problem“, sagte Steinruck.
Kostenlose Alternative für Dauerparker
Die knapp 200 Dauerparker des Q-Parkhauses direkt an der Baustelle an der Dammstraße können vom 1. bis 14. September gegen Vorlage ihres Parkausweises kostenlos ins Walzmühle-Parkhaus in der Yorckstraße ausweichen. Das Q-Parkhaus ist in dieser Zeit wegen der Bauarbeiten nicht befahrbar. Betroffene seien darüber informiert worden, die Kapazitäten in dem von der städtischen Marketinggesellschaft Lukom betriebenen Walzmühle-Parkhaus seien ausreichend, versicherte die OB. Die nach Westen hin schmaler werdende Dammstraße wird nach Astyrakakis’ Angaben ab Dienstag für insgesamt sechs Wochen komplett gesperrt, weil der Platz unter anderem für das Rangieren der Bagger und die Schutt abfahrenden Lkw benötigt werde. „Wir sind guter Dinge, dass der Abriss bis Anfang Oktober zu schaffen ist“, bilanzierte Steinruck am Mittwoch.
Grünes Licht für Nahverkehr am 14. September
Der seit 22. November vergangenen Jahres gesperrte Berliner Platz soll am 14. September wieder für den Nahverkehr freigegeben werden. Am 21. September ist eine Sondersitzung des Stadtrats anberaumt, bei der es um den Ersatzneubau geht, der 2025/26 stehen soll. 15 Millionen Euro kostet der reine Abriss der Pilzhochstraße. Von einem dreistelligen Millionenbetrag ist die Rede mit Blick auf das Gesamtvorhaben. Die einsturzgefährdete Südtrasse ist seit über einem Jahr für den Verkehr gesperrt.
Stadt will Finanzpaket schnüren
Im Hintergrund laufen unterdessen die Vorbereitungen für den Abriss der ebenfalls maroden Hochstraße Nord. Ihr Abriss soll mindestens acht Jahre dauern. Am Montag hat der Stadtrat erste Leitungsverlegungen am Bücken-Nordkopf genehmigt, die 2,4 Millionen Euro verschlingen. Auf Kosten von 530 Millionen Euro wird der Nordabriss geschätzt. Die 1,8 Kilometer lange Trasse soll auf einer Strecke von 860 Metern tiefergelegt werden. Die Stadt möchte beide Projekte mit den Zuschussgebern Bund und Land in einem Paket verhandeln.
Hochstraße Süd (B 37) und Nord (B 44) verbinden die Vorderpfalz und Nordbaden über die Konrad-Adenauer- und die Kurt-Schumacher-Brücke miteinander. Über 100.000 Fahrzeuge passieren die überregional bedeutenden Verkehrsachsen normalerweise täglich.