LUDWIgshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Gärtnern im Wohnblock: Schnecke am Pak Choi

Alexander und Franziska Kleinmagd und ihr Hochbeet.
Alexander und Franziska Kleinmagd und ihr Hochbeet.

Ein junges Ehepaar hat zwar keinen eigenen Garten, aber eine Idee. Die beiden haben im Vorgarten ihres Wohnblocks ein Hochbeet errichtet und darin Gemüse gezüchtet. Im vergangenen Jahr haben sie zum ersten Mal geerntet. Den Anstoß für das Gärtnern im Kleinformat hat die Pandemie gegeben.

Franziska Kleinmagd und Alexander, ihr Ehemann, freuen sich, dass ihr Vermieter ihnen freie Hand lässt. Das Paar wohnt seit sechs Jahren im ersten Stock eines Mehrfamilienhauses im Musikerviertel. Der Grund für ihre Freude: Sie dürfen den Vorgarten unter ihrem Fenster nach eigenen Vorstellungen gestalten und pflegen. Der Platz sieht ganz schön verwegen aus. Doch das ist gewollt. Kein Unkraut wuchert, doch was hier wächst und gedeiht, hält sich weder an eine einheitliche Form noch an Größe. Auch wachsen die Pflanzen nicht unbedingt dicht an dicht. Diese naturnahe Gestaltung sei gewollt und mit dem Vermieter abgestimmt, sagen die beiden.

Ihr Hochbeet haben Franziska und Alexander aus Euro-Paletten gezimmert. „Wir haben die Muttererde aus der Gartenstadt besorgt – über Kleinanzeigen“, erläutert Franziska. Die Idee des „Urban Gardening“, des Gärtnerns auf freien Flächen in der Stadt, habe sie angesprochen. „Wir betreiben das nicht, um ein paar Euro zu sparen, sondern weil es Spaß macht“, versichern die Wahl-Ludwigshafener, die aus Konstanz am Bodensee hierhergezogen sind. Franziska ist Maschinenbau-Ingenieurin, Alexander Sachverständiger für Elektrotechnik und Explosionsschutz. Beide arbeiten vorwiegend zu Hause am Computer. Lediglich Alexander verlässt schon mal sein Homeoffice, weil er einen Kunden besuchen muss.

Das Heimbüro biete, neben allgemein bekannten Vorteilen, auch die Möglichkeit, sich besser um die Gemüsepflanzen zu kümmern. Ein Teil der Pflanzen steht noch in der Sonne an zwei offenen Fenstern, an denen Pflanzstäbe und Sisalschnüre auffallen – offenbar Rankhilfen für den einen oder anderen Kletterkünstler. Man könne noch nicht alles ins Freie pflanzen, sagt Franziska, „denn für Tomaten, Auberginen und Paprika ist es noch zu früh“.

So gedeihen in dem Hochbeet, das mit einem Glasfenster – ebenfalls über eine Kleinanzeige erworben – bedeckt ist: Salat, Kohlrabi, Karotten, Gurken. Und Pak Choi, ein Verwandter des Chinakohls. Der allerdings, sagt Franziska, und zeigt auf das gezackte Überbleibsel eines Blattes, „hatte Besuch von einer Schnecke bekommen“. Die auch Chinesischer Senfkohl genannte Pflanze ist größer als die Hochbeetkulturen. Sie gedeiht in einem Tontopf außerhalb der Palettenkonstruktion, die letztendlich auch das Ergebnis von Corona ist. Denn durch die Pandemie sei Zeit gewesen, das Kleingartenprojekt umzusetzen. Die erste Ernte konnten die Kleinmagds tatsächlich im März 2020 einfahren. Ein Jahr später hat sich nicht viel verändert.

Stichwort: Urban Gardening

Unter urbanem Gartenbau (Urban Gardening) versteht man die meist kleinräumige, gärtnerische Nutzung städtischer Flächen innerhalb von Siedlungsgebieten. Im Vordergrund stehen die umweltschonende Produktion und ein bewusster Konsum der landwirtschaftlichen Erzeugnisse. In Ludwigshafen gibt es seit 2012 ein derartiges Projekt, den Hack-Museumsgarten. Hier sollen Bürger „dem Stadtraum, der Natur und der Kunst Neugierde, Aufmerksamkeit und Zuwendung“ schenken, so die Stadtverwaltung. Ursprünglich als einjähriges Projekt geplant, verwandeln jährlich etwa 200 Hobbygärtner die frühere Betonwüste Hans-Klüber-Platz mit Kräutern, bunten Staudenpflanzen, Nasch-Obst und Gemüse in Hochbeeten, Kisten oder Kübeln in eine grüne Oase.
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