Mannheim
Eine „Goldbrücke“ über den Neckar
Die Industriestadt zwischen Rhein und Neckar hat es der Künstlerin Nina Nielebock angetan. Als sie zum ersten Mal auf der Kurpfalzbrücke stand, löste das bei ihr ein Kopfkino aus. „Es ist ein so wunderschöner und schlichter Ort, der trotz des täglichen Verkehrs auch eine besondere Ruhe ausstrahlt“, beschreibt die 39-Jährige das, was sie hier sieht und spürt. Sie stieß 2016 zum Kulturverein Industrietempel, der 1989 gegründet wurde, um außergewöhnliche Orte mit außergewöhnlichen Projekten zu bespielen. Sie brachte sich bereits zwei Mal mit Licht- und Toninstallationen in Luftschächten ein, bevor ihr vor zwei Jahren die Idee mit der Goldbrücke kam. Gerade als sie zutiefst von der Debatte über die Flüchtlingskrise berührt gewesen sei, kam ihr die Idee, eine Art goldenes Kunstwerk als Metapher für die Beziehung zwischen Menschen zu erschaffen. Gold stehe seit Menschengedenken für das Leben, positive Kraft und Werte, die zudem unvergänglich seien. Werte, die darüber hinaus durch den verbindenden Charakter einer Brücke symbolisiert würden. Jeden Tag gingen hier auf der Kurpfalzbrücke Menschen mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen von einem Ufer zum anderen. Menschen, die Mannheim zu dem machen, was es ist: Ein Ort, an dem sie alle sich täglich begegnen und unabhängig von ihrer Herkunft zu Hause fühlen können.
Lieber kein Blattgold
Gleichzeitig legt die Künstlerin Wert darauf, diese Metapher dem Betrachter mit Hilfe einer zurückhaltenden Sprache zu vermitteln. „Deshalb wollte ich nicht mit Blattgold arbeiten“, sagt sie. Das wäre zu viel Pomp gewesen, der ja ohnehin vergänglich sei. Menschliche Werte hingegen seien das genaue Gegenteil, weil sie auf Ideen beruhten. Nicht das komplette Geländer, sondern lediglich die Handläufe mit goldfarbenem Lack bemalt sie. Auch das soll den dezenten Charakter der Botschaft unterstreichen, die Thomas Reutter vom Kulturverein Industrietempel so beschreibt: „In Zeiten einer polarisierten Gesellschaft, in der sich immer mehr Menschen immer weiter voneinander entfernen, möchten wir sprichwörtlich eine goldene Brücke bauen“.
Noch bis Freitag hat die Künstlerin auf der Kurpfalzbrücke den Pinsel geschwungen. „Wir werden ständig von Passanten angesprochen“, freut sich Nielebock über die Resonanz, die ihrer Arbeit zuteil wird. Die Reaktionen reichten von lustigen Bemerkungen, bis zu tiefgründigen Gesprächen. Die Mannheimer seien ein sympathisches Völkchen. „Einmal hat mich tatsächlich jemand gefragt, ob ich Zeit dazu hätte, seinen Gartenzaun zu streichen“, bemerkt sie und lacht.
Am Samstag, 4. September, 19 Uhr, findet die Vernissage und mit ein wenig Glück auch vor einem goldenem Sonnenuntergang statt. Thomas Reutter wird eine Rede über „Von Gräben und Brücken“ dazu halten. Musik kommt von der Mannheimer Blues-Sängerin Mareike Berg und von DJ Kuba aus Tübingen.