Ludwigshafen / Frankenthal
Drei Partner wollen Fernwärmenetz massiv ausbauen
Wenn man den Prognosen auf der Pressekonferenz am Mittwoch im „Freischwimmer“, Gründerzentrum und Event-Location im früheren Hallenbad Nord, folgt, kennt das Pilotprojekt, das TWL, BASF und Frankenthaler Stadtwerke gemeinsam anpacken, nur Gewinner – allen voran das Klima, weil der großangelegte Ausbau der Fernwärmegewinnung einen wesentlichen Beitrag fürs Erreichen der Klimaneutralität in der Vorderpfalz leistet. Zum zweiten werde der Rhein entlastet, in den derzeit das ganze Jahr über mindestens 20 Grad warmes Abwasser aus der BASF-Kläranlage auf Frankenthaler Gemarkung fließt – 300.000 Kubikmeter, Tag für Tag. Und nicht zuletzt profitieren die Kunden. Sie sollen grünen Strom aus grüner Fernwärme zu einem attraktiven Preis bei minimalem Aufwand beziehen können.
Bis zur Realisierung dieser Vision ist es noch ein weiter Weg. TWL-Vorstand Dieter Feid rechnet im besten Fall in vier Jahren mit dem Anschluss an das neu zu installierende Fernwärmenetz in Frankenthal und Ludwigshafen. Die Kosten schätzen er und sein Vorstandskollege Thomas Mösl auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Das komplexe Pilotprojekt in der Metropolregion wird vom Bund gefördert, in einzelnen Phasen mit 40 Prozent.
Machbarkeitsstudie beauftragt
In einem ersten Schritt haben die drei Partner eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, mit den Ergebnissen zu zwei grundlegenden Fragen rechnen sie zum Jahresende: Wie kann das Infrastrukturprojekt finanziert werden? Und wie soll die etwa zehn Kilometer lange Trasse (die dann längste auf Stadtgebiet) von der Kläranlage auf der Höhe von Mörsch hinein nach Frankenthal und weiter nach Ludwigshafen verlaufen? Von dieser Trasse sollen Leitungen abzweigen in noch zu definierende Wohnviertel. Sie enden in den Haushalten, die für die Abnahme eine aktenkoffergroße Einheit mit einem Anschluss für den Zu- und Ablauf brauchen, mehr nicht.
„Wir erwarten grünes Licht für unsere Pläne, andernfalls würden wir den enormen organisatorischen Aufwand nicht betreiben“, geben sich die beiden TWL-Vorstände, der Geschäftsführer der Stadtwerke Frankenthal, Volkmar Langefeld, und Tilman Hezel, Senior Vice President für die Infrastruktur am BASF-Stammsitz, vorsichtig optimistisch. Frankenthal beträte mit dem Energieträger Neuland, „das wäre der perfekte Einstieg in ein Fernwärmenetz“ für die Stadt“, erklärt Geschäftsfeldentwicklerin Johanna Philippi.
Fernwärme in jedem vierten Gebäude
Stand heute versorgen die TWL 22 Prozent der Gebäude in Ludwigshafen mit Fernwärme; bundesweit liegt diese Quote bei 14 Prozent. Der überwiegende Rest heizt konventionell mit Öl und Gas. Mit dem geplanten kleinen Park mit mehreren Abwasserwärmepumpen an der BASF-Kläranlage könnten perspektivisch rund 18.000 Haushalte mit einer Heizleistung von etwa 50 Megawatt versorgt werden. Der CO2-Ausstoß könnte im Vergleich zur Versorgung durch fossile Träger um rund 60.000 Tonnen pro Jahr gesenkt werden.
Die Kläranlage nördlich der A6 ist vor 50 Jahren in Betrieb genommen worden. Dort werden die Abwässer der BASF, von Ludwigshafen, Frankenthal und Bobenheim-Roxheim aufbereitet. Der nicht heruntergekühlte Auslauf münde direkt in den Rhein. „Eine Vergeudung einer Energiequelle und eine Belastung für Flora und Fauna im Fluss“, bedauert Ludwigshafens Umweltdezernent Alexander Thewalt (parteilos), der sich spontan zu der Pressekonferenz hinzugesellt hat.
Ungekühlt in Rhein eingeleitet
Seit 1992 wird der anfallende Klärschlamm verbrannt, die gewonnene Fernwärme wird in die Pfingstweide, die Justizvollzugsanstalt in Frankenthal und die benachbarte Robert-Schuman-Schule abgeführt. Der dabei anfallende Dampf kann durch Wärmepumpen auf Fernwärmeniveau hochtransferiert werden, erläutert BASF-Projektleiter Peter Schmittel. Neben dem warmen Abwasser, das bisher unverwertet in den Rhein eingeleitet wird, wäre dieser eine zweite Quelle zur Wärmegewinnung. „Faktisch ist das warme Wasser in der Leitung das Trägermedium, das an Knotenpunkten ausgekoppelt und in die abnehmenden Haushalte geführt wird“, erklärt Zoltan Meszaros, Erzeugungs-Bereichsleiter bei den TWL, das physikalische Prinzip.
Bis es soweit ist, sind eine Menge vorbereitender Arbeiten notwendig, beginnend mit der Machbarkeitsstudie über die Erschließung von Märkten bis letztlich hin zu Straßenbauarbeiten, um Fernwärmeleitungen zu verlegen. „Co2-neutrale Wärme zu einem vernünftigen Preis – aus Kundensicht ist das am Ende ein tolles Produkt“, beschreibt Feid den Mehrwert.