Ludwigshafen
Freischwimmer richtet Fokus auf Fortbildung
Wo hat man diese markante Metallkonstruktion schon mal gesehen? Das wird sich so mancher Passant fragen, der am früheren Hallenbad Nord in der Pettenkoferstraße vorbeiflaniert. Drinnen beherbergt es mit dem „Freischwimmer“ und der „Lucation“ in der Regie des angrenzenden Gemeinschafts-Müllheizkraftwerks (GML) zwei Kultur- und Eventlocations. Auf der Wiese vor dem denkmalgeschützten Kubus ist eine transparente Pyramide aufgestellt worden, die in ihrer strengen und nüchternen Geometrie mit dem Flachbau harmoniert. Das war einer der Gründe, warum sich Freischwimmer-Geschäftsführer Jozua Knol schnell mit Hackmuseumsdirektor René Zechlin einig war, die Skulptur keine zwei Kilometer entfernt von ihrem bisherigen Standort aufstellen.
Die Pyramide stand bis zur Schließung des Rathauscenters nämlich auf der Terrasse vorm Stadtratssaal. An dieser erhöhten Stelle fiel sie zwar nicht so stark ins Auge wie das Lichttor darunter, aber Besuchern des Stadtmuseums oder des Stadtratssaals ist sie durchaus in Erinnerung. Nun hat sie Zechlin der Innovationsschmiede als Leihgabe überlassen. „Allemal besser als sie in einem Depot zustauben zu lassen“, meint Knol, der das Kunstwerk abends anstrahlen lässt.
Alternative zum Großraumbüro
Nach zwei Pandemiejahren, die in der Bilanz ihre Spuren hinterlassen haben, blickt der vor Ideen sprudelnde 63-Jährige optimistisch nach vorn. Die Büroflächen in der oberen Etage sind mittlerweile komplett vermietet. Die Coworking-Arbeitsplätze (die dort eingerichtet worden sind, wo sich Badegäste einst umgezogen haben) seien zu 60 bis 70 Prozent besetzt, Tendenz steigend. Unter anderen ließen sich dort Mitarbeiter des zweitgrößten Nachhilfeportals in Deutschland nieder, aber auch des Vereins Schutzraum, einer Beratungsstelle für Männer und junge Väter in Krisensituationen. „Sie schätzen die Rückzugsräume, die wir bieten“, erhält der Vermieter auf Zeit als Rückmeldung. Die Alternative zum Großraumbüro, das historische Ambiente, das in vielen Details sichtbar bleibt, die gläsernen Außenwände, die den Blick freigeben auf das grüne Innenkarree – der Freischwimmer bietet schon eine aparte Atmosphäre.
Nicht nur zum Arbeiten, auch zum Feiern, wie Firmen entdeckt haben, die die Location für ihre Events, Kongresse, Präsentationen, Schulungen oder Workshops buchen. Im März hatte die FDP ihren Bezirksparteitag dort abgehalten und auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing zu Gast. Fast jeden zweiten Tag beherbergten er und seine Mitarbeiterin ein Unternehmen, berichtet Knol. Bei diesem Betreuungsaufwand rechne es sich allmählich, eine weitere Festanstellung in Betracht zu ziehen.
Förderverein wird aktiv
Im kulturellen Bereich sind BASF-Konzerte mittlerweile fester Bestandteil im Terminkalender des 2017 gestarteten Freischwimmers. Die GmbH ist eine hundertprozentige Tochter der Technischen Werke Ludwigshafen (TWL). Am 13. April gastiert dort Leopold, am 28. April Ameli in the Woods und am 8. Mai June Cocó. Gastspiele in besonderer Umgebung gibt auch eine rechtsrheinische Institution. Nach gelungener Premiere im Vorjahr hat das Mannheimer Theater Oliv auch in diesem Jahr im Freischwimmer drei Aufführungen aus der Klassik- und Jazzsparte angemeldet. Ein Ende vorigen Jahres gegründeter Förderverein feilt an literarischen Formaten.
Nachdem diese Standbeine gestärkt sind, konzentriert sich Knol auf neue Projekte. So will er endlich in die Weiterbildung einsteigen und seinen Akademie-Gedanken im Freischwimmer mit Leben füllen. Dafür entwickelt Knol mit drei Coaches aus Berlin Workshops zu den Themen Agilität, Transformation und Design Thinking. Mit einer Kickoff-Veranstaltung am 24. Mai wollen sie neue Arbeitsformen umreißen und mit Unternehmern aus der Region ins Gespräch kommen, wie sie diese mit dem Knowhow der Experten passgenau implementieren könnten – idealerweise mit Seminaren und Fortbildungen im Freischwimmer.
Neue Kooperationen
Knol schaut aber gewissermaßen auch über den Beckenrand in der Pettenkoferstraße hinaus. „In direkter Nachbarschaft grenzt der Ebertpark an, die Friedenskirche liegt in Sichtweite, das Feierabendhaus ist fußläufig zu erreichen. Da liegt es doch auf der Hand, über Kooperationen nachzudenken“, schaut er sich in der Freizeit- und Kulturszene vor der Haustür um. In welche konkreten Projekte diese Auswahl münden könnte, dazu schweigt sich der umtriebige Eventmanager noch aus. Doch in seinem Kopf dürfte schon die eine oder andere Idee spuken. Kultur und Business zu kombinieren – dieser Wunsch habe ihn ein Berufsleben lang angetrieben. Im Innovations- und Kulturzentrum „Freischwimmer“ will er ihn sich bis ans Ende seines Berufslebens erfüllen.
Zur Sache: Zeitsprung durchs Hallenbad
Gemeinsam mit dem Ende dieses Jahres ausscheidenden Geschäftsführer des Gemeinschafts-Müllheizkraftwerks (GML), Thomas Grommes, hat Freischwimmer-Geschäftsführer Jozua Knol einen Band herausgebracht, in dem sie 65 Jahre Hallenbad Nord Revue passieren lassen. Unter dem Titel „Zeitsprung“ finden sich auf 71 Seiten zahlreiche Bilder und kurze textliche Einordnungen. „Das Hallenbad Nord wurde gründlich geplant, begeistert begrüßt, lange geliebt, kurzzeitig vergessen und ist nun in neuer Form zurück – als einer der außergewöhnlichsten Orte der Stadt“, schreiben die Autoren in ihrem Vorwort zu der Zeitreise. In knappen Einführungen wird die Entstehung und die Umwidmung des Bads rekonstruiert. Historische und Momentaufnahmen illustrieren die Nutzung einst in Badehose und Bikini sowie heute als Arbeitsstätte und Ausstellungsfläche. Der „Zeitsprung“ kostet 15 Euro. Nähere Infos per Mail an hello@freischwimmer.lu oder im Netz unter www.freischwimmer.lu.