Ludwigshafen
Die Königin des Stadtradelns
Der Tag von Maria-Isabel Kreutzenbeck beginnt früh und ist ziemlich durchgetaktet. „Und das nicht nur momentan, während des Stadtradelns“, sagt die angehende Studentin, die im Frühjahr dieses Jahres ihr Abitur an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Ernst Bloch in Oggersheim absolviert hat und beim Stadtradeln in alter Verbundenheit zu ihrer Schule für deren Team an den Start geht.
Um 5.30 Uhr klingelt der Wecker
Um 5.30 Uhr, allerspätestens um 6 Uhr klingelt der Wecker. Eine halbe Banane und drei Walnüsse müssen reichen, bevor es aufs Rad geht. Vorher allerdings wird noch der Familienhund Gassi geführt. „Ich liebe den Sonnenaufgang und bin ein Morgenfan“, sagt sie und strahlt im Gespräch mit der RHEINPFALZ mit der Sonne um die Wette. Ihr Tagesablauf ist bis kommenden Sonntag immer derselbe. Am Vormittag fährt sie ihre ersten 100 Kilometer – selbstverständlich ohne jeglichen Elektromotor. Eine Flasche mit Wasser und zwei Äpfel, die hat sie immer dabei. „Und natürlich mein Handy, um einerseits die Kilometer fürs Stadtradeln zu tracken und andererseits meinen Eltern den Standort durchzugeben, falls ich doch mal einen Platten habe.“
Den hatte sie glücklicherweise noch nicht. Auch ihr Körper ließ sie bisher nicht im Stich. Die Beine lockert sie mit einer Faszienrolle aus, der anfänglich meckernde Po hat sich mittlerweile auch an die Belastung gewöhnt. „Der ist jetzt abgehärtet. Außerdem haben mir meine Eltern eine richtig gute Radhose geschenkt.“
Singen beim Seilspringen
Inzwischen hat sie fast die gesamte Vorderpfalz erradelt. Am liebsten sei sie auf dem Rheinradweg unterwegs, um Kilometer zu sammeln, erzählt die sympathische Sportskanone. Speyer, Germersheim, Wörth – kein Weg ist ihr zu weit. Und bläst doch mal der Wind etwas kräftiger – den mag sie nämlich so gar nicht – ändert sie die Richtung. Wenn die 19-Jährige dann am Mittag nach Hause kommt, freut sie sich aufs „Spätstück“, wie sie ihr „Frühstück“ umgetauft hat. Und nach ein paar Stunden der Regeneration und einer erneuten Gassirunde geht es für die zielstrebige Oggersheimerin nochmals aufs Rad. „Aber nur für eine kleine Runde“, sagt sie augenzwinkernd. Klein, das bedeutet bei Kreutzenbeck immer noch mindestens 30 Kilometer. Bis Sonntag wird sie weiter fleißig in die Pedale treten. Vielleicht, so hofft sie, findet sich noch jemand, der ihre Aktion so klasse findet und sie für den guten Zweck unterstützten möchte.
Dass sich der Spätsommer von seiner besten Seite zeigt, darüber ist das Multitalent froh. Mit einem herzhaften Lachen erinnert sie sich an jenen Mittwoch vor einer Woche, als es wie aus Kübeln goss. Einmal, aber nur ganz kurz, überlegte sie, ob sie es denn ausnahmsweise lassen solle mit dem Radfahren. Es war vielleicht der Bruchteil einer Sekunde, als ihr dieser Gedanke im Kopf herumspukte. Und schon saß sie auf ihrem Drahtesel. „Und was soll ich sagen? Es war bisher die coolste Fahrt von allen.“
Musikstudium in Mainz
Maria-Isabel Kreutzenbeck ist nicht das erste Mal beim Stadtradeln dabei. Schon im Vorjahr konnte ihr als Mitglied des Teams „Igslo“ keiner das Wasser reichen. 1588 Kilometer radelte sie damals, das hat sie längst getoppt. Ein Motivationstief, das kennt die 19-Jährige nicht. Meist hört sie beim Radfahren auf einem Ohr Musik und singt selbst mit. Nicht ohne Grund studiert sie ab Oktober in Mainz Musik – klassischen Gesang, Querflöte, Klavier -, Sport und später als drittes Fach noch Mathematik auf Lehramt fürs Gymnasium.
Zwei, drei Stunden Sport am Tag
Die junge Oggersheimerin ist eine Allrounderin, kickte beim FFC Oggersheim und in Niederkirchen, spielte zuvor Handball bei der TG Oggersheim. Zwei, drei Stunden Sport am Tag gehören bei ihr immer dazu. Entweder läuft sie, springt 45 Minuten Seil am Stück und singt dabei oder schwingt sich eben aufs Rad. Musik, nein, die macht sie nicht nur nebenbei. Sie ist Mitglied in der Mannheimer Bläserphilharmonie, mit der sie 2019 in China auf Konzertreise war, und singt als Sopranistin im Landes- und Bundesjugendchor. Zum Gesangsunterricht in Freinsheim fährt sie – wie soll es auch anders sein – jedes Mal mit dem Rad. Bei Wind und Wetter. „Da bin ich schneller als jedes Auto“, meint sie lächelnd.
Eisbecher als Belohnung
Auf eine Etappe des Stadtradelns freut sich Kreutzenbeck am meisten: auf die gemeinsame Radtour von Ludwigshafen nach Worms mit dem Team „Igslo“ am Samstag. Als Belohnung nämlich wartet in der Nibelungenstadt ein Besuch des „Vannini“ und ein riesengroßer Eisbecher. Den hat sie sich nach dieser Mammutleistung wahrlich verdient.
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Weitere Infos im Netz unter www.stadtradeln.de/ludwigshafen.