Ludwigshafen
Corona: Gesundheitsamt besorgt über Mutationen
Seit vergangener Woche ist vorgeschrieben, dass fünf Prozent aller positiven Corona-Abstriche in Laboren auf Mutationen untersucht werden. Hintergrund: In England hat sich eine hochansteckende Variante verbreitet. Auch in Südafrika und Brasilien haben sich noch gefährlichere Mutationen des Virus gebildet. Die Bundesregierung und Virologen befürchten ein Übergreifen auch auf Deutschland.
„Uns ist hier noch nichts davon bekannt. Aber es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis ein mutiertes Virus hier bei uns auftauchen wird“, meint Alexander Weber. Er leitet die Abteilung Gesundheit bei der Kreisverwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises, zu der auch das Gesundheitsamt gehört, das für Ludwigshafen, Frankenthal, Speyer und den Landkreis zuständig ist. Falls das britische Virus sich hier ausbreiten würde, wären die Folgen dramatisch, verdeutlicht Weber. „Untersuchungen der Fallzahlen zeigen, dass die Corona-Fallzahlen mit dieser Variante um das Sechs- bis Achtfache steigen. Das würde hier einen Inzidenzwert von über 1000 bedeuten.“
Abstriche werden untersucht
Um die aktuelle Lage beurteilen zu können, müssen nun Virus-Proben genauer analysiert werden. Abstriche von Infizierten nehmen Hausärzte und die Fieberambulanz des Klinikums Ludwigshafen. Die Ärzte schicken die Proben in Labore, das zweitgrößte Krankenhaus in Rheinland-Pfalz ist technisch in der Lage, im eigenen Hauslabor die Virus-Sequenz zu analysieren. Die Ergebnisse werden dann an das Gesundheitsamt übermittelt. Die Verantwortlichen wie Weber sind beunruhigt. Die Fallzahlen bei den Corona-Infektionen sinken zwar wegen des Lockdowns und der damit verbundenen Einschränkungen für die Bevölkerung. „Aber die Zahlen sinken zu langsam“, sagt Weber.
Im Gegensatz zum ersten Lockdown im Frühjahr während der ersten Corona-Welle sei der Rückgang der Infektionen deutlich langsamer. Warum das so ist? Die Experten im Gesundheitsamt gehen davon aus, dass es trotz aller aktuellen Beschränkungen noch zu viele Kontakte zwischen Menschen gibt. Auch die Auswertungen der Bewegungsdaten von Mobilfunkanbietern würden eine größere Mobilität der Bevölkerung belegen. Bei der Kontaktnachverfolgung hat das Gesundheitsamt mittlerweile auch Unterstützung durch die Stadtverwaltung Ludwigshafen. Zehn Mitarbeiter arbeiten im Shell-Haus mit und etwa zehn weitere im Rathaus.
Lage weiter ernst
Die aktuellen Inzidenzwerte in der Vorderpfalz sind zwar etwas gesunken, doch der Blick in die Krankenhäuser zeige, dass die Lage weiterhin sehr ernst sei. „Wir dürfen nicht nur auf den Inzidenzwert blicken, sondern müssen auch auf die Belegung in den Krankenhäusern sehen. Denn es geht uns darum zu verhindern, dass unser Gesundheitssystem in die Knie gezwungen wird“, meint Landrat Clemens Körner (CDU). Dies werde auch bei der „Elefantenrunde“ mit den Oberbürgermeistern von Ludwigshafen, Speyer und Frankenthal in der kommende Woche im Mittelpunkt stehen, wenn es um die Frage gehe, ob die Ausgangsbeschränkungen verlängert werden sollen.
Zwei Drittel der Todesfälle in Heimen
Die Kreisverwaltung hat die Anzahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Corona seit Dezember ermittelt: Insgesamt 305 Tote sind in die Zeitraum in der Vorderpfalz registriert worden, davon alleine über 200 in Pflegeheimen. In Ludwigshafen gab es 85 Todesfälle in Pflegeheimen, im Landkreis 87, in Speyer 22, in Frankenthal waren es 17. Die Zahlen zeigen, dass etwa zwei Drittel der Corona-Todesfälle in den vergangenen Wochen in den Heimen stattfanden.
„Dies zeigt, wie wichtig es ist, die Bewohner zu impfen“, sagt Alexander Weber. Es sei allen Beteiligten nicht ausreichend gelungen, die Heime als „vulnerablen Bereich“ ausreichend zu schützen. „Das Ausmaß der Todesfälle in den Heimen ist erschreckend und belastet uns sehr“, sagt Weber. Seit einigen Tagen gebe es die Hoffnung, dass sich durch die Impfungen die Lage in den Heimen verbessern werde. Landrat Körner hat kein Verständnis dafür, dass die Todesfälle in den Alters- und Pflegeheimen von Jüngeren achselzuckend zur Kenntnis genommen werden: „Das ist eine Frage der Menschlichkeit. Wir müssen die Älteren schützen.“