Seltene Berufe
Beim Vergolden ist Geschick und Geduld gefragt
Als der junge Werner Lauth sich Anfang der 1980er-Jahre erkundigte, was man als Rahmenbauer und Vergolder können muss, war die lapidare Antwort: „Alles!“ Heute erzählt Meister Lauth das mit Schmunzeln. Beim RHEINPFALZ-Besuch in seiner Werkstatt in der Mundenheimer Straße in Süd zeigt er, wie umfangreich und vielfältig die Anforderungen dieses Berufs sind. Eine Wand in der Galerie Lauth steht ganz im Zeichen der Rahmen. An der oberen Reihe zeigt Lauth Beispiele, die er selbst gebaut hat. Sie zeigen, dass Gestaltung und Techniken der Bilderrahmen sich ebenso über die Jahrhunderte entwickelt haben, wie die Kunst, die damit gerahmt wird.
„Wenn sie sechs Wochen lang jeden Tag an symmetrischen, identischen Verzierungen geschnitzt haben, wird das für die Psyche sehr anstrengend“, sagt Lauth und zeigt auf einen Rahmen, den er im Stil der Renaissance geschnitzt und vergoldet hat. Das Schnitzen dauerte ein dreiviertel Jahr, das Vergolden vier Wochen. Daneben hängt sein Meisterbrief, in einem marmorierten Rahmen, dessen Ecken mit Goldornamenten verziert sind und dessen Oberseite eine goldene Vase mit Girlanden zeigt. Rechts davon ein Rahmen, bei dem ein Teil der Vergoldung schwarz überdeckt wurde, so dass das darunter liegende Gold durch Radierung wieder freigelegt wurde und filigrane Ranken bildet.
Kein verbindliches Lehrbuch
Lauth, geboren 1962 in Ludwigshafen, hat ab 1982 die Lehre zum Vergolder in München und seine Meisterprüfung 1992 in Hamburg gemacht. Den Bezug zu Bildender Kunst und gerahmten Bildern hatte er durch die von seinem Großvater gegründete Galerie Lauth, die er heute führt. Der Beruf ist selten, acht Lehrlinge gehörten zu Lauths Jahrgang. Zwar gebe es einen Rahmen, der Inhalte der Ausbildung vorgibt, aber ein verbindliches Lehrbuch oder Kompendium gebe es nicht, sagt Lauth. Auch nach der Ausbildung sei es wichtig, sich weiter zu bilden und Erfahrungen zu machen. Lauth ging dafür als Geselle nach Florenz. Inzwischen hat seine Meisterwerkstatt in Ludwigshafen schon knapp 30 Lehrlinge ausgebildet, lange war Lauth Mitglied der Prüfungskommission in Hamburg.
Die Ausbildung zum Vergolder ist die gemeinsame Basis für drei Spezialisierungen: Rahmenbauer, Fassmaler (es geht dabei um goldene „Fassungen“ bei Holzfiguren) und Kirchenmaler, erklärt Lauth. Blattgold wird von Goldschlägern hergestellt, die das weiche Gold auf etwa einen zehntausendstel Millimeter Dicke hämmern. „Man kann mit einem Dukaten einen Reiter mit Pferd vergolden“, sei ein Sprichwort der Vergolder-Zunft, sagt Lauth.
Sorgfalt nötig
Bis aber Gold aufgetragen wird, ist sorgfältige Vorbereitung nötig. Ist der Rahmen gebaut, muss er glatt geschliffen, die Holzporen verfüllt, noch mal geglättet und mehrere Grundierungen aufgetragen werden, bevor das Gold aufgetragen wird. Dazu gehört viel Erfahrung. „Je nach Körnung der Füllkreide und der Härte des Wassers können die Ergebnisse variieren, das zu kontrollieren braucht viel Erfahrung“, sagt Lauth. Er nimmt ein zur Demonstration vorbereitetes Stück Rahmen. Das Blattgold ist in einem kleinen Heftchen auf Folie. Lauth nimmt einen Pinsel und tupft sich damit über die Stirn. Auf Nachfrage erklärt er: Damit werden elektrostatische Ladungen entfernt und die aufgenommene winzige Menge Hautfett mache den Pinsel „griffiger“ für das Blattgold.
Erst wird die Grundierung mit Wasser benetzt, dann das Gold mit dem Pinsel aufgetragen. Die Goldfolie bleibt haften, hat aber Falten und Knitter. Zum Glätten nimmt Lauth ein Werkzeug, das aus einem geschliffenen und glatt polierten Achat besteht. Damit reibt er so lange über das Gold, bis es vollkommen gleichmäßig und glatt aussieht. Natürlich muss Lauth als Rahmenbauer sich in Kunstepochen und -stilen bestens auskennen. Nur dann kann er passende Rahmen bauen, aber auch originale alte Rahmen restaurieren. Die neuen Rahmen können auch künstlich älter gemacht werden, mit Patina, Nachdunkelung und winzigen schwarzen Sprenkeln, dem „Fliegendreck“.
Viele Museen als Kunden
Lauths Kunden sind Museen aus ganz Deutschland, öffentliche Einrichtungen und auch Kunstsammler, die hochwertigen Bildern einen würdigen Rahmen geben wollen. Auch Privatleute, die alte Erbstücke wieder herstellen lassen, kommen zu Lauth. Die Galerie bietet alle Dienstleistungen rund um Bildende Kunst. Dazu gehört das Restaurieren von Bildern und Rahmen, Spezialglasfassungen zum Schutz der Werke, Gutachten zu den Werken, Kunsttransporte, auch das Organisieren von Ausstellungen und die Repräsentation von Künstlern bietet die Galerie Lauth an.
In seiner Freizeit macht Werner Lauth Musik in einer Rockband. Deren Bassist ließ sein Instrument von Lauth künstlich altern. Jetzt sieht der Bass aus, als habe er Jahrzehnte harter Bühnenzeiten hinter sich. Und wenn er noch Zeit hat, hört sich Lauth im Deutschlandfunk den Podcast „Tatort Kunst“ an, wo es um echte Kriminalfälle rund um die Kunst geht.
Die Serie
Kaffeeriecher, die im Auftrag von Friedrich dem Großen illegale Röstereien aufspüren sollten; Uhrzeitverkäufer im England des frühen 20. Jahrhunderts – solche Berufsbilder gehören der Vergangenheit an. Aber es gibt immer noch eine Menge außergewöhnlicher, kurioser Beschäftigungen, auch in Ludwigshafen. Eine Auswahl stellen wir in dieser Serie vor. Wenn Sie einen Vorschlag haben, können Sie ihn uns per E-Mail senden an: redlud@rheinpfalz.de.
Den vorherigen Teil der Serie, in dem es um Gasspürer ging, lesen Sie hier.