Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Alles auf Anfang: Wie es für den Beethovenchor nach dem abgesagten Konzert weitergeht

In der Corona-Zeit hat Dirigent Tristan Meister Erfahrungen mit digitalen Chorproben gesammelt.
In der Corona-Zeit hat Dirigent Tristan Meister Erfahrungen mit digitalen Chorproben gesammelt.

Was für ein Pech für den Beethovenchor Ludwigshafen: Nachdem das Konzert im Frühjahr zu Beethovens Geburtstag ausfallen musste, wollten die Sänger am heutigen Mittwoch mit einer Herbstserenade im Theater im Pfalzbau auftreten. Die fällt nun ersatzlos aus. Die Probenarbeit sei trotzdem nicht umsonst gewesen. Davon ist Chorleiter Tristan Meister überzeugt.

Auf dem Programm für das Konzert heute Abend standen „Songs from the Bavarian Highlands“ des englischen Komponisten Edward Elgar, „Zigeunerlieder“ von Johannes Brahms und die „Hymne au soleil“ der impressionistischen Komponistin Lili Boulanger. „Dieses Konzert können wir nicht nachholen. Es würde programmatisch nicht passen und wir können den Begleitern und Solisten, die wir dafür engagieren, auch keine verlässliche Planung bieten“, sagt Dirigent Tristan Meister.

Viele Maßnahmen ergriffen

Zusammen mit dem Chor hat der Musiker sich seit dem Frühjahr auf die veränderten Bedingungen eingestellt. Die Sänger waren aus dem bisherigen Probenraum in der Rheinschule ausgezogen, um in größeren Räumen die Abstände zwischen den Chormitgliedern einhalten zu können. Der Gemeindesaal der benachbarten Herz-Jesu-Kirche war zu klein, also zogen sie in die Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Meister und die Sängerinnen und Sänger haben viel versucht, um weiterhin musizieren zu können. Es wurde abwechselnd in der halben Besetzung gesungen und digital geprobt. Der Chor hat dafür gesorgt, dass jeder Sänger drei Meter vom nächsten entfernt ist, es gab namentliche Sitzpläne. Mit all diesen Maßnahmen wurde in Kauf genommen, dass das Gemeinschaftserlebnis Singen leidet.

Andere Atmosphäre auf Abstand

„Mit diesen Abständen ist es anders. Sonst kann man auf seine Nachbarn hören, den Klang abstimmen – so singt praktisch jeder für sich“, erklärt Meister. Doch das war immer noch besser, als gar nicht zu singen. „Alle waren dankbar, dass wir einen Probenbetrieb wieder eingerichtet haben. Für viele ist das Singen ein wichtiger Teil ihres Lebens“, berichtet der 30-Jährige. Deshalb seien die Proben wichtig, in denen man Musik erleben und sich weiterentwickeln könne. Die Konzerte seien wichtig, aber eher als Krönung der zuvor geleisteten Arbeit zu sehen .

Zu den Präsenzproben sollten nur Sänger kommen, die sich dabei auch wohl fühlen. Es gebe einige Chormitglieder, die zu verschiedenen Risikogruppen gehören und sich aus verständlichen Gründen zurückhalten. So habe sich für die Herbstserenade eine verminderte Besetzung mit 38 Sängern ergeben. Die hätten sich auf der riesigen Pfalzbau-Bühne, die 40 Meter tief ist, verteilt. Im 1200 Plätze großen Zuschauerraum wäre nach den vorigen Corona-Bestimmungen Platz für 250 Zuhörer gewesen, erzählt Meister. „Geringer als dort könnte das Infektionsrisiko wohl nirgendwo sein.“

Trotz allem optimistisch

Im Gespräch klingt Meister nicht wütend oder verbittert. „Ich bin eigentlich ein optimistischer Mensch und denke, dass es irgendwann wieder weitergeht“, sagt er. Als hauptberuflicher freier Musiker ist er ebenso vom Lockdown betroffen wie die Solisten und Begleiter, die er für die Herbstserenade verpflichtet hatte. Für sie will er versuchen, zumindest ein Ausfallhonorar zu erwirken. Die Absage kam so kurzfristig, dass die Künstler mit den Vorbereitungen schon einige Arbeit geleistet haben.

Meister selbst hätte im November drei Konzerte mit verschiedenen Ensembles aufgeführt. „Meine Kollegen und ich verstehen die wegen der Pandemie nötigen Einschränkungen“, sagt er. „Aber wir fühlen uns von der Politik alleingelassen. Das betrifft nicht nur Künstler, sondern auch andere Branchen, die sich angestrengt haben und viel investiert haben, um weiter arbeiten zu können, etwa die Gastronomie.“

Wie es nun weitergeht? Eigentlich stand der nächste Konzerttermin schon fest: im März wollte der Beethovenchor zusammen mit der Staatsphilharmonie das Dvorák-Requiem aufführen, in großer Besetzung mit großem Orchester. „Im Moment scheint das utopisch“, sagt Meister. Voraussichtlich werde der Chor aber noch im November wieder mit Proben via Internet beginnen.

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