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Dienstag, 24. Mai 2016 Drucken

Rhein-Pfalz-Kreis

Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett

Mit „Mord & Blutwurst“ begeistern die Krimi-Grazien in Birkenheide – Kulturwochenende mit Lesung, Ausstellung und Musik

Sekt-Klatsch: Heidi Moor-Blank, Ingrid Reidel und Simone Erhardt ( Foto: KUNZ)

Birkenheide. Der Heimat- und Kulturverein (HKV) hat am Wochenende die Kunst- und Kulturtage im Dorfgemeinschaftshaus auf die Beine gestellt. Ein Höhepunkt am Samstag war die Lesung der Krimi-Grazien „Mord & Blutwurst“. Bei einem schwarzhumorigen Programm mit Spielorten in der Pfalz und garniert mit passenden Pfälzer Spezialitäten lauschten die Zuhörer spannenden Mordgeschichten – ohne dabei den Appetit zu verlieren.

 

Eröffnet wurden die kulturreichen Tage am Freitagabend mit einer Vernissage des Künstlers Manuel Wagner. Wagner studiert in Mannheim Kommunikationsdesign und hat den künstlerischen Zweig für sich entdeckt. „Die Ausstellung ist ein kleines Experiment für mich. Ich habe vorher noch nicht so viel mit Farbe gearbeitet“, erzählte der 25- Jährige. Er testet wie konkrete und abstrakte Figuren zusammenwirken und arbeitet dafür gern mit der Technik des Holzschnitts. Wagner erklärte, dass „jeder etwas anderes mit der Ausstellung assoziiert“, die eine ungewohnte Sicht auf den Menschen bieten will.

Der Vorsitzende des HKV Rainer Reiß erzählte, dass dank den Bekannten des jungen Künstlers das erste Mal eine so junge Altersklasse bei der Veranstaltung vertreten war. Am Sonntag konnte man abschließend bei Caféhaus-Musik von Salonissimo drei Profis aus dem Nationaltheater Mannheim lauschen.

Und dazwischen? Da hieß Reiß die Gäste am Samstagabend bei einer Krimilesung willkommen. Der Kontakt zu den „drei adretten Damen“, die die Lesung hielten, wurde über die aus Birkenheide stammende Simone Erhardt geknüpft. Sie ist eine der drei Autorinnen, die unter Krimi-Grazien firmieren, und bekannt für ihren schwarzen Humor. Die zweite im Bunde ist aus Weinheim: Ingrid Reidel schreibt, seit sie eine Urne im Haus ihrer Großeltern fand, tiefgründige Krimis. Auch Heidi Moor-Blank aus Landau lässt gern mal Blut fließen. Die drei haben sich über den Verein „Mörderische Schwestern“ – ein Netzwerk mit dem Ziel von Frauen geschriebene deutsche Kriminalliteratur zu fördern – kennengelernt.

Am Samstag standen die drei gut gekleideten Damen in ihren besten Jahren mit einem munteren Drehorgelspieler auf der Bühne: An einem Tisch wurde gehäkelt und Sekt getrunken, bis die Erste mit den Worten „Habt ihr das schon gehört?“ begann, den neuesten Tratsch auszupacken. Prompt holte sie ihr Skript hervor und fing an zu lesen.

Den Einstieg bildeten drei schaurig-humorvolle Geschichten, die davon handeln, dass sowohl der Genuss von Alkohol als auch der von Wasser tödlich enden kann. Dann erfuhr das Publikum, dass Kartoffeln nicht nur in ungekochter Form zum Verhängnis werden können. In den „messerscharfen“ Krimis des Dreiergespanns wird sogar Kuchen gefährlich. Und die nächste Krimigeschichte löste auf, was es mit dem Liebstöckel auf den Zuschauertischen auf sich hatte: Nachdem eine Frau von ihrem virtuos kochenden Ehemann gemästet wird und die Angst zu platzen bald größer als ihre Liebe ist, steht seine Urne am Herd: „Um ihn um Rat zu fragen, grad beim Liebstöckel, tu ich mir schwer.“

Nach den ersten mit viel schauspielerischem Talent vorgetragenen Krimis war Pause. Der HKV servierte kostenlos Blutwurst, Kartoffeln, Feige in Spirituosenform und Donauwelle. All das kam dem Publikum doch irgendwie bekannt vor ...

„Ist jemand geplatzt?“ – passend zum Verdauungsschnaps folgte in der zweiten Hälfte das Stück „Wem die Feige schadet“. Es gab noch ein paar Tote, bis zum Abschluss Bill Ramseys Lied erklang: „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“. Die letzten Worte des Damen-Trios: „Wir hoffen, dass Ihnen das Essen bekommt.“

Das Publikum genoss den kurzweiligen Abend, dafür sprach der Applaus. Auch Paul Kiefer, stellvertretender Vorsitzender, war begeistert. Er bedauerte nur, dass das Fußball-Pokalspiel am gleichen Abend war, sonst wären bestimmt mehr als die rund 20 Besucher gekommen. (stib)

 

 

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