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Mittwoch, 22. Mai 2019 Drucken

Ludwigshafen: Lokalsport

Marcel Reif im Interview: „Der FCK muss nehmen, was kommt“

Jahrzehntelange Misswirtschaft haben den FCK dahin geführt, wo er jetzt steht: kurz vor dem Abgrund.

Jahrzehntelange Misswirtschaft haben den FCK dahin geführt, wo er jetzt steht: kurz vor dem Abgrund. (Foto: Kunz)

Nahezu täglich geisterte ein Horrorszenario über den 1. FC Kaiserslautern durch die Presse. Es wurde öffentlich über Rauswürfe debattiert. Sponsoren knüpften ihren Einstieg an Personen. Der FCK wurde zum Spielball einzelner Interessen. Das Herz des Star-Reporters Marcel Reif schlägt für den FCK. Er saß einst in einem FCK-Gremium. Das aber hat er wieder verlassen. Den Grund dafür und weitere Argumente, wie der FCK zu retten ist, verrät Reif im Interview.

Herr Reif, wie ist denn Ihre Gemütslage, wenn Sie aus der Ferne die Situation beim FCK beobachten?

Eigentlich sollte ja Herr Littig gehen, dann blieb er, weil er eigene Sponsoren hatte. Dann war der andere raus. Der kam dann aber wieder, obwohl er gefordert hatte, dass Herr Littig rausfliegt. Dann sollte eigentlich auch Herr Bader gehen, jetzt wieder nicht. Glauben Sie mir, ich habe den Überblick verloren.

Ist es ein Krimi, ein Trauerspiel, eine Glosse oder eine Posse, was da in Kaiserslautern passiert?

Da ich mit dem Herzen dranhänge, ist es ein Trauerspiel.

Das einzig Positive, was aus diesem Trauerspiel gezogen werden kann, ist, dass der FCK bundesweit noch so von Interesse ist, dass darüber en Detail berichtet wird.

Das hat seine Vor- und Nachteile. Man darf aber nicht damit zufrieden sein, dass überhaupt über den FCK berichtet wird. Das schadet irgendwann dem Renommee. So verschleudert man den Ruf als seriöser Klub.

Das Bild, das der Verein aber seit vielen Jahren abgibt, ist doch jämmerlich. Wie kommt ein Klub da wieder heraus, zumal auch verschiedene Medien gezielt von Interessengruppen instrumentalisiert wurden und bewusst teilweise ein falsches Bild vom FCK gezeichnet wird?

Genau, das weiß ich. Und ich weiß, dass der Klub zerrieben wird in Einzelinteressen. Wie kommt man da raus? Es muss eine Vereinsführung installiert werden, die ausschließlich die Interessen des Vereins vertritt. Es braucht außerdem einen Investor. Und der muss gut sein. Es kann sein, dass es dieser Investor aus Luxemburg ist. Ich kenne ihn aber nicht. Doch ohne einen Investor wird es nicht gehen. Die Alternative wird sein, dass der FCK irgendwo in der fünften Liga kickt. Doch dafür ist das Stadion etwas überdimensioniert.

Wer will denn in so einen Klub investieren, der so eine desolate Außendarstellung hat?

Jemand, der genug Geld hat, um etwas Herz sprechen zu lassen und nicht nur auf die nackten Zahlen schaut. Denn dann würde es schwierig. Es ist ein Wechsel auf die Zukunft. Es ist eine Hoffnungsgeschichte. Es muss gut gehen. Das ist entscheidend. Eine neuerliche Kollekte wird nicht mehr funktionieren. Die Fans haben genug gegeben. Sie kann man nicht mehr anpumpen. Außerdem hat diese Summe auch nicht gereicht.

Sie saßen einst im Teufelsrat. Warum haben Sie aufgehört?

Es kam vor nicht all zu langer Zeit der Moment, da schrieb mir jemand, ob ich denn nicht mithelfen könnte. Ich habe nicht einmal gefragt, in welche Richtung. Ich sagte nur, ich habe meine Erfahrung mit dem letzten Aufsichtsrat und dem Teufelsrat gemacht und was da so alles ins Leben gerufen wurde. Ein Geschwätz am Stück war das alles. Rausgekommen ist: Ich war der einzige, der einmal einen Termin beim Südwestrundfunk wahrgenommen hatte. Ich dachte mir, dass muss man doch machen. Ich war der einzige vom FCK, der da war. Die anderen kamen nicht. Sie sprechen nicht mehr mit dem Südwestrundfunk, hieß es. Das war vor zwei Jahren. Und da habe ich beschlossen: Ich bin raus.

Ein Finanzdienstleister bestimmt beim FCK, wer Sponsor wird, ein Investor, welche Personen im Amt bleiben dürfen. Hat der FCK seine Seele verkauft?

Ich habe die Papiere nicht gesehen. Ich kann das nur aus der Ferne beurteilen. Aber, wenn das so sein sollte, dann ist es ein massiver Eingriff in die Vereinspolitik. Wenn es so ist, abgesehen von den ganzen legalistischen Fakten, dann muss der Verein das wohl oder übel akzeptieren. Wenn jemand richtig investiert, dann wird er auch mitreden können und wollen. Ihre Formulierung „Seele verkauft“ klingt romantisch und traditionell. Was ist die Seele? Die Seele ist momentan in der Dritten Liga, mit der Hoffnung, die Insolvenz zu vermeiden. Es ist so, wie bei einem Medikament: Entscheidend ist die Dosis.

Dann braucht der FCK ein sehr starkes Medikament, eine sehr hohe Dosis, um überleben zu können.

Das ist die Gefahr. Wenn es eine kleine Aspirin ist, um Kopfschmerzen zu beheben, dann ist es ok. Aber wenn es eine massive Sache ist, dann musst du starke Medikamente nehmen. Starke Medikamente haben Nebenwirkungen. Diese Medikamente dürfen nur von Ärzten verschrieben werden.

Und der Chefarzt fehlt offenbar beim FCK. Derjenige, der die Medikamente und die Dosis verordnet und den Therapieplan erstellt.

Das ist die Aufgabe eines Aufsichtsratschefs, eines Aufsichtsrates, der sagt, was oder was nicht getan werden kann. Aber nochmals: Aus der großen Distanz wirkt das alles auf mich wie das hilflose Schnappen nach der Wurst.

Der 1. FC Kaiserslautern scheint zum Spielball bestimmter Personen geworden zu sein. Eine Chance oder eine Gefahr?

Beides. Das ist die Problematik. Du bist nicht mehr Herr des Verfahrens, sondern du musst nehmen, was kommt und hoffen, dass es gut geht. Oder man lehnt ab. Doch dann muss eine Alternative da sein, die dem Druck standhält und die investiert. Wenn alles schief geht, ist nichts mehr da. Das ist das große Risiko. Aber das ist der Preis für jahrzehntelange Misswirtschaft, immer wieder falsche Entscheidungen. Und nun gibt es keine andere Chance, als dass jemand massiv in den FCK investiert. Ich kenne die Investoren, die zurzeit in der Diskussion sind, nicht. Deshalb kann ich nicht beurteilen, ob ein Investor besser ist oder ein Investor schlechter ist. Ich behaupte nicht, dass alle gleich sind. Ich kenne den Investor einfach nicht. Ich kann dazu nichts sagen. Doch wenn es seriös ist und einen Sinn ergibt, dann wunderbar, dann wünsche ich meinem alten Klub alles erdenklich Gute.

Wie kann der FCK sein ramponiertes Image nun wieder verbessern?

Nur sportlich. Am besten geht es, wenn wieder über Fußball geredet wird und der FCK sich in höheren Sphären bewegt, aber das ist ja die Krux. Geld schießt Tore. Aber wenn der 1. FC Kaiserslautern keine konkurrenzfähige Mannschaft hat, um dahinzukommen, wo der Verein hingehört, dann wird es nunmal schwer. Ich rede da jetzt nicht von der Bundesliga. Image und Schlagzeilen bekommt man als Fußballverein nur über das Sportliche.

Der neue Investor will mit dem FCK wieder in die Bundesliga. Ist das realistisch?

Dass sich ein Klub wie der FCK die Bundesliga als Ziel setzt, halte ich ja noch für okay. Nur dann muss der Investor sagen, wie viel er bereit ist zu investieren. Denn das wird viel sein, sehr, sehr viel. Wenn er dazu bereit ist, wird es seine Zeit brauchen, aber eine Rückkehr in die Bundesliga ist nicht ausgeschlossen.

 

Auf der folgenden RHEINPFALZ-Seite findet Ihr alle Informationen zum 1. FC Kaiserslautern.

 

 

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