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Freitag, 18. Januar 2019 Drucken

Ludwigshafen: Kultur Regional

Einfach bravourös

Severin von Eckardstein im Mannheimer Zeughaus

Von Gabor Halasz

Als Offenbarung in Sachen Beethoven hat sich der Kammermusik-Abend in den Reiss-Engelhorn-Museen erwiesen. Mit seiner Aufführung der drei letzten Klaviersonaten (E-Dur op. 109, As-Dur, op. 110 und c-Moll, op. 111) setzt Severin von Eckardstein Maßstäbe: pianistische, musikalische und interpretatorische. Sein Konzert gehört zu den Höhepunkten dieser Saison in unserer Region – Beethoven in Superlativen.

Es fällt schwer, sich eine überzeugendere Lesart, eine authentischere und ästhetisch vollendetere Darstellung der drei späten Sonaten ihres Schöpfers vorzustellen – dieser klingenden Denkmäler abendländischer Kultur. Diesmal stimmte alles: Die drei Gipfelwerke (die möglicherweise auch als Einheit verstanden und unter einer Opuszahl zusammengefasst hätten werden können) entfalteten ihre ganze erhabene Größe.

Es begann bei von Eckardsteins spielerischer Bravour. Zugegeben: Virtuose Instrumentalisten sind heute in der jüngeren Generation, zu der der 40-Jährige zählt, alles andere als selten. Hierzulande ist der deutsche Pianist, geboren in Düsseldorf, verhältnismäßig weniger bekannt, obwohl er Sieger und Preisträger renommierter Wettbewerbe ist, Partner prominenter Dirigenten, Orchester und kammermusikalischer Mitspieler in exklusiven Konzertsälen. Was er im Florian-Waldecksaal zeigte, erschien absolut außergewöhnlich. Mehr haben auch die meist gefeierten Spitzenstars der internationalen Pianistenelite nicht zu bieten.

Es ging dabei nicht vorrangig um spektakuläre Tastenakrobatik – auf die sich von Eckardstein auch versteht. Wichtig war zunächst der volle pastose, schattierungsreiche Klavierklang, waren die majestätisch dröhnenden Forte- und Fortissimo-Passagen, die sich mit unerhört subtilen, gleichsam entmaterialisierten Piano-Klänge unmittelbar abwechselten.

Zudem verstand es von Eckardstein meisterlich, das Klavier nicht nur zum Klingen, sondern auch zum Singen zu bringen: selbst auf hohem Niveau alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Die langsamen Sätze bestachen durch ein betörendes Höchstmaß der Intensität und Wärme des Ausdrucks. Sie wurden Beethovens Vortragsangabe zum letzten Satz der E-Dur-Sonate allesamt gerecht: „Gesangvoll und innigster Empfindung“. Ihnen standen in der c-Moll-Sonate die majestätischen Töne und lapidaren, schroffen Akzente des ersten Satzes entgegen.

Unwiderstehlich gefesselt wurde der Zuhörer, last not least, von der gedanklichen Dichte der Wiedergaben. Beethovens mehrstimmige Strukturen legte der Pianist in aufregender Prägnanz frei, so in der c-Moll-Sonate und ganz besonders in der Fuge des As-Dur-Werks.

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