Landau
Wieder großer Andrang vor dem Impfbus in Landau
7.30 Uhr. Ein Bus kommt. Gut 100 Leute erwarten ihn sehnsüchtig auf dem Bahnhofsvorplatz in Landau. Man könnte meinen, die Deutsche Fußballnationalmannschaft sei gerade zur Autogrammstunde gekommen. Doch der rote Bus ist der Impfbus des Landes Rheinland-Pfalz, der auf seiner Tour am Donnerstag Halt in Landau macht. Hier gibt’s die Erst-, Zweit- oder Drittimpfung ohne Termin. Etwa um 8.15 Uhr gibt’s den ersten Pieks des Tages. Die Schlange erstreckt sich mittlerweile über den gesamten Platz. Über 300 Wartende dürften es sein.
Eine der ersten, die sich am Donnerstagmorgen eine Spritze holt, ist Elisabeth Lichtenthaeler. Die 25-jährige Studentin hat im Sommer in der Apotheke gearbeitet und deshalb früh ihre ersten beiden Impfungen bekommen. Jetzt will sie die dritte Spritze. Da ihr Hausarzt in der Nähe von Frankfurt sitze, habe sie sich für den Impfbus entschieden, „und, weil man hier ohne Termin und ohne großen Aufwand vorbeikommen kann, wenn man früh genug da ist“, sagt sie.
„Es wurde auch unfreundlich“
Früh genug heißt für sie: Kurz nach 6 Uhr. Selbst da hätten schon einige Leute auf dem Platz gewartet. „Kaum war der Bus da, haben sich Leute, die nicht so früh da waren, vorgedrängelt. Es wurde auch unfreundlich“, berichtet die Studentin. „Da hätte man sich vorher mehr Information gewünscht – dass irgendwo steht, wo man sich anstellen muss. Dann wäre das organisierter gelaufen.“
Organisierter läuft es im Bus: Formular ausfüllen, Arztgespräch führen, den richtigen Impfstoff auswählen, impfen lassen, 15 Minuten warten und abmelden – alles wie im Impfzentrum also. Eine ältere Dame lobt die Durchführung: „Ich war innerhalb von einer Minute geimpft.“
Mutter und Tochter warten in der Kälte
Da sich die dritte Impfung vom Ablauf von den vorherigen nicht unterscheidet, hatte die Dame keine Fragen an den Arzt. Sie ist dennoch ein Sonderfall. „Bei mir fehlen eigentlich noch ein paar Tage, bis die sechs Monate vorbei sind. Aber ich muss meinen leukämiekranken Mann pflegen“, sagt sie. Der Arzt habe sofort Verständnis dafür gezeigt. Die meiste Zeit habe die Registrierung und das Einkleben des Impfnachweises in den Impfpass gebraucht. Die Stühle, auf denen die Impfwilligen ihre Wartezeit nach dem Impfen verbringen können, bleiben in der Regel leer. „Da die Abmeldung etwas dauert, sind die 15 Minuten danach meist sowieso schon vorbei“, sagt eine DRK-Ehrenamtliche.
Doch nicht nur Drittimpfungen gibt’s im roten Bus. Eine Mutter hat sich mit ihrer Tochter auf den Weg zum Bahnhof gemacht. In der Kälte warten die beiden, bis die Tochter ihre Zweitimpfung bekommt. Man stelle sich vor, sie würden sich mit Termin und Organisation in einem Impfzentrum impfen lassen. Warten in einer warmen Halle. Aber wer will das schon bei sommerlichen -1 Grad Celsius am Morgen? Vielleicht gibt es ja bald ein Umdenken und die Zentren in Wörth und Neustadt erwachen aus ihrem Winterschlaf.
„Sie geben hier wirklich ihr bestes“
Die Tochter brauche ihre Zweitimpfung heute. Da sie Infusionen bekomme, müsse sie zwei Tage danach geimpft werden, verrät die Mutter. Ihr bleibe also keine andere Option. „Wir waren eine Stunde vorher da. Wir wussten ja schon, wie es abläuft, von der Erstimpfung im Bus. Ich finde das eine gute Gelegenheit. Sie geben hier wirklich alle ihr Bestes“, lobt die Mutter die vielen Helfer, die großteils ehrenamtlich arbeiten.
Zur Mittagszeit ist die Schlange nur noch halb so lang. Dass diese sich überhaupt so lange streckt, hängt aber nicht mit dem Abstandsgebot zusammen. Auf dieses legt ja mittlerweile sowieso keiner mehr wert. „Es ist schwer, alles zu koordinieren und gleichzeitig die Leute im Zaum zu halten“, gesteht die DRK-Mitarbeiterin.
„Ich kann nicht ständig Leute vorlassen“
Vor dem Bus steht mittlerweile auch ein Heizpilz. Wer sich ganz hinten anstellt, steht aber dennoch drei Stunden in der Kälte. Da kämen auch schon mal Beschwerden, wie die stellvertretende DRK-Teamleiterin von ihren vielen Einsätzen im Bus weiß: „Ich kann gerade die älteren Menschen verstehen. Ich kann aber auch nicht ständig Leute vorlassen. Das führt nur zu noch mehr Unmut bei den anderen.“
Eine 60-Jährige ist dran. Normalerweise arbeite sie in einer Schule mit behinderten Kindern. Deshalb wolle sie die Drittimpfung so schnell wie möglich. Auch bei ihr ging es schnell im Bus: „Ich wurde danach gefragt, ob es mir gut geht. Dann durfte ich gehen.“ Auch der 18-jährige Cedric Croissant und der 17-jährige Mohamed Dashan sind dem Ruf des roten Busses gefolgt. Sie hätten nicht warten wollen, bis ihre Hausärzte einen Termin zur zweiten Impfung frei hatten. „Wir sind seit drei Stunden hier und es ist sehr kalt. Aber es hat sich gelohnt“, resümiert Croissant.
Annahmeschluss: 15 Uhr
Um 15 Uhr ist die Schlange immer noch so lang wie zur Mittagszeit. Etwa 100 Personen warten. „Es sind die Letzten. Ab jetzt ist Annahmeschluss“, sagt die DRK-Mitarbeiterin. Das liege nicht am Impfstoff. Davon sei genügend da. „Der Busfahrer hat Ruhezeiten und muss weg, wir müssen unseren Impfstoff wegbringen und das Material für den nächsten Tag auffüllen. Wenn wir den Stopp nicht machen, impfen wir bis in die Nacht hinein. Und das alles im Ehrenamt. Es wäre sinnvoll, die Impfzentren wieder zu öffnen.“
In Landau wurden am Donnerstag über 500 Leute geimpft. In den drei Monaten der Impfbuskampagne haben in sechs Bussen rund 75.000 Personen die Coronaschutzimpfung erhalten. Die Kampagne wird laut dem rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerium um die doppelte Anzahl an Terminen zunächst bis Jahresende verstärkt, und es sollen weitere Impfbusse eingesetzt werden.
Info
Standorte und Zeiträume der Busse unter corona.rlp.de/de/impfbus/