Südpfalz
Impfzentrum am Neuen Messegelände?
Die Kritik am Standort des einzigen Impfzentrums für Südpfälzer war deutlich: Dezentral, teilweise sehr lange Fahrtstrecken und die Frage, wie Senioren der Generation 80 plus die Strecke schaffen sollen: Stadt und Kreis reagieren: In Landau kommt wohl ein Impfzentrum. Das haben die Kommunen am Samstagabend mitgeteilt. Noch ist vieles unklar: Wann kann das Impfen in Landau starten? Das hänge unter anderem davon ab, wann eine passende Immobilie gefunden wird, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Man befinde sich bereits in Gesprächen. Nach RHEINPFALZ-Informationen handelt es sich bei der Immobilie um ein derzeit ungenutztes Gebäude in der Albert-Einstein-Straße im Gewerbegebiet am Neuen Messegelände. Genutzt wurde es von Trost Auto-Service.
Der Ärger der Bürger, aber auch die Unsicherheit und die Hilfebedürftigkeit sind groß: Nicht nur beim Sorgentelefon der RHEINPFALZ gehen seit Donnerstag ganztägig Anrufe ein – auch Verwaltungen und Landtagsabgeordnete berichten von vielen Hilfesuchenden. Die Senioren oder deren Angehörige beklagen sich über die Regelungen des Landes oder der Kommunen. Ein weiterer Hauptkritikpunkt, neben dem Standort in Wörth, ist die kaum erreichbare Hotline des Landes. Auf dem sozialen Netzwerk Facebook werden Screenshots geteilt, die 70 und mehr vergebliche Anrufsversuche bei der Hotline anzeigen.
Sobald ein Standort für das Zentrum gefunden wurde, kann es recht schnell gehen: Das Impfzentrum in Wörth mit fünf Impfstraßen aufzubauen, habe knapp zwei Wochen gedauert, teilt die Germersheimer Kreisverwaltung mit. Aber: Die vorhandenen Strukturen des Hilfskrankenhauses konnten in Teilen genutzt werden. Sollten Landau und der Kreis SÜW auf die Erfahrungen der Germersheimer zurückgreifen wollen, sei das kein Problem, sagt Pressesprecherin Astrid Seefeldt. „Wir arbeiten ohnehin auf Südpfalzebene sehr eng zusammen.“ Ob dem Kreis Germersheim durch das zweite Impfzentrum womöglich ein finanzieller Schaden entsteht, könne sie noch nicht beantworten. „Grundsätzlich finanziert das Land die Landesimpfzentren. Ob Kosten am Landkreis hängenbleiben, ist nicht absehbar.“
Ob das Landesimpfzentrum in Landau kommt oder nicht entscheidet letztendlich das Land. Bereits am Sonntag haben Landaus Oberbürgermeister Thomas Hirsch (CDU) und der Chef der SPD-Landtagsfraktion, Alexander Schweitzer, unabhängig voneinander mit dem zuständigen Staatssekretär im Mainzer Gesundheitsministerium, Alexander Wilhelm, telefoniert. Beide sagen, sie hätten positive Signale empfangen. Das Gesundheitsministerium hat sich noch nicht öffentlich geäußert: Die Pressestelle hat am Montag die Antwort auf eine RHEINPFALZ-Anfrage für Dienstag angekündigt.
Unterdessen haben der Landrat des Kreises Südliche Weinstraße, Dietmar Seefeldt, und der Oberbürgermeister der Stadt Neustadt, Marc Weigel, bereits vereinbart, dass sich Einwohner der Verbandsgemeinde Maikammer künftig in Neustadt impfen lassen können sollen. Sicher ist auch das noch nicht: Das Land muss noch zustimmen, teilt der Kreis SÜW mit. Die meiste Arbeit bei dieser Umstellung muss in Mainz geleistet werden. Das Land müsse Impfdosen entsprechend umverteilen und die zugewiesenen Postleitzahlen im Terminvergabe-System ändern, heißt es aus dem Kreishaus. Erst dann könnte mit den Impfungen in Neustadt begonnen werden. „Ich bin zuversichtlich, dass wir das alles gemeinsam in absehbarer Zeit realisieren können“, sagt Seefeldt.
Einen Präzedenzfall gibt es bereits: Im Koblenzer Impfzentrum wird auch überkommunal geimpft. Dort können sich Menschen aus einem Teil des Landkreises Mayen-Koblenz impfen lassen, teilt die Stadt Koblenz mit. Für diese Menschen sei der Weg nach Koblenz kürzer als der Weg das Impfzentrum des Landkreises.
Die drei südpfälzischen CDU-Landtagsabgeordneten Martin Brandl, Thomas Weiner und Peter Lerch sowie der Kandidat für den Wahlkreis Germersheim, Tobias Baumgärtner, begrüßen das geplante Impfzentrum in Landau. Die Entscheidung für ein gemeinsames Impfzentrum sei logistisch richtig, aber es sei essenziell, die Impfbereitschaft hochzuhalten. „Die tatsächlichen und gefühlten Umsetzungshemmnisse“ müssten beseitigt werden. Dazu gehörten lange Anfahrtswege und auch das Gefühl der Bevölkerung, dass der Ablauf nicht reibungslos funktioniere.
SPD-Landtagskandidat Florian Maier teilt mit, dass er dem Büro des Parteikollegen Alexander Schweitzer zur Hand gehe. Schweitzer hatte Hilfe bei der Online-Terminvereinbarung angeboten und der RHEINPFALZ am Wochenende von rund 50 Hilfesuchenden seit seinem Angebot am Donnerstag berichtet. Schweitzers Büro ist unter der Nummer 06341 345626 täglich zwischen 9 und 16 Uhr zu erreichen.
Für sein Hilfsangebot war Schweitzer vom CDU-Landtagskandidaten Thomas Weiner und dessen Ersatzkandidaten Sven Koch hart kritisiert worden. Sie warfen dem Bad Bergzaberner Sozialdemokraten unter anderem „politisches Marketing“ vor. Dagegen wehrt sich Schweitzer. „Wir leben in einer Pandemie. Dies prägt auch meine Arbeit als direkt gewählter Abgeordneter für die Südpfalz.“ Seit Monaten unterstütze er Bürger – von der Beratung für Vereine und Gewerbetreibende bis hin zur Einkaufshilfe für Alleinstehende.
Die allermeisten Menschen bewege derzeit „wie sie von der Südlichen Weinstraße oder von Landau in das leider bisher einzige südpfälzische Impfzentrum in Wörth kommen sollen“. Viele könnten nicht auf die Hilfe von Angehörigen zurückgreifen. Es liege noch immer kein greifbares Angebot für Fahrdienste nach Wörth vor. „Wo ich kann, helfe ich.“ Schweitzer fordert die CDU-Funktionäre auf: „Stellen Sie Ihre unsachlichen Vorwürfe ein und packen Sie lieber mit an! Sicherlich finden auch Sie einen Weg, sich konkret und praktisch einzubringen.“ Corona habe kein Parteibuch.
