Landau
Flammen vernichten Gebäude und Fahrzeuge im Autohaus Horn
Am Sonntagmittag künden nur noch der intensive Brandgeruch und die Dauerberieselung in der Ruine von dem Desaster in der Nacht auf Samstag. Vereinzelt bleiben Passanten stehen. Zaungäste machen einen Rundgang um das Grundstück, das die Feuerwehr mit einem Zaun abgesperrt hat. Die August-Croissant-Straße ist in diesem Teilstück noch gesperrt. „Der Herrgott dut das alles strofe“, schimpft eine Frau, die am Zaun steht und auf die Verwüstungen blickt. Die Autos im Gebäude und auf der Südseite davor sind verbrannt und demoliert. Das Dach ist eingestürzt, Streben sind verzogen. Verkohlte Balken liegen kreuz und quer. Die Lieferwagen und Transporter, die auf der West-, der Nord- und der Ostseite stehen, hauptsächlich der Marken Peugeot und Renault, scheinen unbeschädigt. Sie könnten kontaminiert sein. Was ist in der Nacht passiert?
Während Besucher des Landauer Sommers auf dem Heimweg waren und Mühe hatten, sich auf den Beinen zu halten, kämpften die Rettungskräfte in der Neustadter Straße, Ecke August-Croissant-Straße, mit ganz anderen Problemen. Um 1.34 Uhr war die Freiwillige Feuerwehr von der Integrierten Leitstelle alarmiert worden. Als Dirk Hargesheimer, Brand- und Katastrophenschutzinspekteur der Stadt Landau, vor Ort eintraf, war die Lage unklar: „Die Straße war verraucht, man konnte gar nichts sehen. Nur einen Flammenschein auf dem Dach.“ Doch dann sei alles rasend schnell gegangen und Flammen aus dem Gebäude geschlagen. Gelöscht werden konnte also nur von außen.
Hupkonzert brennender Autos
Mehr als 130 Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW, DRK und Polizei waren vor Ort. Die Landauer Wehr wurde von Feuerwehrkräften aus Herxheim und Offenbach unterstützt. Die einen hatten den Gerätewagen Atemschutz mitgebracht, die anderen einen Schlauchwagen, der für die Wasserversorgung der Löscharbeiten besonders wichtig war, wie Hargesheimer berichtet. Auch Atemschutzträger aus dem Kreis hätten unterstützt. Der Landauer Oberbürgermeister Dominik Geißler und Hauptamtsleiter Michael Götz, selbst bei der Wehr aktiv, waren an der Einsatzstelle.
Augenzeugen berichten von drei brennenden Fahrzeugen, die hupend auf die August-Croissant-Straße fuhren, von der Feuerwehr gestoppt und später von einem Abschleppunternehmen abgeholt wurden. Laut Hargesheimer lösen sich bei den hohen Temperaturen der Feuersbrunst die Bremsen, und die Hupen gehen los. Als surreal bezeichnete eine Augenzeugin die Situation. Immer wieder sei es auch zu lauten Knallgeräuschen gekommen. „Wenn die Reifen platzen, dann gibt es einen kräftigen Bums. Das knallt ordentlich“, erläutert Hargesheimer im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
Asbest ist Sondermüll
Als größere Herausforderung entpuppte sich recht schnell die Frage, ob Asbest zur Gefahr werden könnte. Auf dem Dach seien Eternitplatten verbaut gewesen, berichtet der Feuerwehrinspekteur. Solche Faserzementplatten wurden bis 1989 mit Asbest produziert. Asbestplatten gelten als Sondermüll und müssen auf Deponien entsorgt werden. An den Bruchstellen des eingestürzten Dachs bei Horn könnten Asbestfasern freigesetzt worden sein. Um sie feucht zu halten und zu binden, damit sie nicht aufsteigen können, hat die Feuerwehr eine Dauerberieselung eingerichtet. In der Nacht mussten sich alle, die nicht ohnehin Atemschutzmasken trugen, mit FFP2-Masken schützen, erzählt Hargesheimer.
Hargesheimer hat sich am Samstagmorgen mit dem Brandsachverständigen vor Ort getroffen, der auch beim verheerenden Brand der Firma Holz-Wickert in der Lotschstraße im August 2016 im Einsatz war. Dort hatte Asbest angrenzende Grundstücke und Gebäude verseucht, die sehr aufwendig gereinigt werden mussten. Mit dem Ergebnis der Untersuchung rechnet die Stadt am Montag.
Anwohner evakuiert
Zur Sicherheit evakuierten Wehr und Rettungsdienst in der Nacht die rund 40 Anwohner der südlich gelegenen drei Mehrfamilienhäuser. Bis 5 Uhr harrten sie in der Feuerwache aus, konnten dann aber wieder in ihre Wohnungen. Zuvor hatte die Feuerwehr die Fassade abgespritzt, damit Asbestfasern, die sich dort niedergeschlagen haben könnten, abgespült werden. „Wir wissen von dem Wickert-Brand, das damals kleine Waben der Fotovoltaikanlage bis nach Westheim getragen wurden“, sagt Hargesheimer. Am frühen Samstag sei der Rauch gen Süden gezogen. Der Brandrauch an sich sei schon nicht gesund, sei er doch mit Dioxin belastet. Er wolle keine Panik machen, aber man dürfe das auch nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Die Stadt Landau bittet alle, die nahe der Brandstelle wohnen, vor allem in südlicher Richtung, Gartenmöbel oder andere im Freien befindliche Gegenstände gründlich zu reinigen oder mit Wasser abzuspritzen. Den direkten Nachbarn wurde empfohlen, die Schuhe auszuziehen, bevor sie in die Wohnungen gehen. Die Stadt hat die Leute mit Handzetteln informiert, auch über die sozialen Netzwerke und die Medien wurden die Hinweise verbreitet. Viermal hat die Feuerwehr die Straße und das Umfeld abgespritzt, weil Eternitteile auch auf der Straße lagen.
Mit Schaum geflutet
Die Feuerwehr hatte den Brand gegen 4 Uhr unter Kontrolle. Nachdem das Technische Hilfswerk mit Schaltafeln eine Art Wanne errichtet hatte, wurde das Gebäude mit Schaum geflutet, und die Flammen wurden auf diese Weise erstickt. Bei der Brandbekämpfung bekamen die Wehrleute unverhofft Hilfe der technischen Einsatzleitung der Feuerwehr Trier-Saarburg. Wie Hargesheimer erzählt, sind die Kameraden zu einem Freundschaftsbesuch in Landau und hatten ihre Drohne mit Wärmebildkamera dabei. Die half in der Brandnacht, sich ein Bild aus der Vogelperspektive zu machen. Die Freundschaft ist das Ergebnis gemeinsamer Einsätze bei der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal. Die wollen die Wehrleute beim Feuerwehrfest in Godramstein weiter vertiefen.
Sollte sich herausstellen, dass die Eternitplatten tatsächlich Asbest enthalten, dann müssen Experten die Reste entsorgen, meint Hargesheimer. Bilder vom Wickert-Brand kommen in Erinnerung, wo Spezialisten in Ganzkörperschutzanzügen und Staubsaugern zugange waren, um zwei komplette Straßenzüge im 17-Hektar-Sperrgebiet zu reinigen oder Restfaserbindemittel zu verkleben. Dort hatte ein Defekt in der Fotovoltaikanlage einen Großbrand ausgelöst.