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Dienstag, 28. Juni 2016 Drucken

Kreis Germersheim

Pointe vorbereiten, Pause, abfeuern

Lustadt: Um dem Vereinsnachwuchs die Scheu vor der Bühne und das Lampenfieber vor dem Auftritt zu nehmen, hat der Karnevalverein Lustavia einen Profi-Rhetoriktrainer verpflichtet und am Wochenende ein zweitägiges Seminar veranstaltet. Neun junge Aktive steigen in die Bütt.

Von Stephanie Mohr

 

„Wir wollen unser Publikum zum Lachen bringen“, sagt Lustavia-Vorsitzender Michael Ott. Der jungen Büttenrednerin scheint das gelungen und das Fasnachtrhetorikseminar somit ein Erfolg gewesen zu sein. ( Foto: van)

Wertvolle Tipps vom Profi-Rhetoriktrainer Marco Ringel aus Trier holten sich am vergangenen Wochenende neun aktive Mitglieder des Lustadter Karnevalvereins Lustavia. Hierzu wurde das Vereinsheim des Fußballclubs für zwei Tage zur Bühne umfunktioniert. Ringels Karnevalsrhetorik-Seminar bot den Teilnehmern ein Kommunikationstraining der Spitzenklasse. Unter Verwendung von zahlreichen Videoanalysen, Praxisübungen und Feedbackgesprächen erlernten sie Techniken zum Vortrag von Büttenreden, zum Aufbau einer karnevalistischen Moderation oder zum Abbau von Lampenfieber.

„Nun sehen wir den Tanz der Minigarde. Jung, süß und wunderbar. Bühne frei“, kündigt Nachwuchs-Büttenredner und Elferatsmitglied Adrian Abraham an, und Marco Ringel kommt ans Mikrofon. Es folgt großes Gelächter. Er muss zur abschließenden Partnerübung mehrfach als Gesprächspartner herhalten. So verkörpert Ringel mal eine Tänzerin, die Trainerin Jutta Maier oder die 86-jährige Sarah. Aber das macht er gerne. „Ein Rhetorikseminar mit Karnevalisten macht mir immer am meisten Spaß. Es sind lustige und äußerst sympathische Menschen“, schwärmt Ringel. Begeistert sei er vom ganzen Seminarverlauf gewesen. Jeder Einzelne habe sich binnen zwei Tagen deutlich in Körperhaltung und -sprache verbessert. „Das beweist, dass Rhetorik erlernbar ist. Den Teilnehmern gelang es, in ihren Büttenreden nicht nur eine Geschichte zu erzählen, sondern ganz in die Rolle zu schlüpfen.“

Markus Sinn, zweiter Vorsitzender und seit neun Jahren in der Bütt, begrüßt die vielen hilfreichen Tipps des Rhetorik-Profis und fasst für sich zusammen: „Es ist für jeden Büttenredner wichtig zu wissen, dass der Erfolg einer Büttenrede mit der Vortragsart zusammenhängt und nur sieben Prozent mit dem Inhalt. Auch erfuhren wir wie man Pointen richtig abschießt: Pointen vorbereiten, Pause machen, ins Publikum schauen und wenn die Spannung am höchsten ist, dann feuert man sie ab.“ Ringel ergänzt: „Der Text muss gut sein, aber mittelmäßige Passagen gehören heraus gestrichen. Lieber zehn tolle Minuten als 20 Höhen und Tiefen.“

Annika Abraham ist eigentlich Gardetänzerin. Das Karnevalsrhetorik-Seminar wollte sie aber unbedingt besuchen. „Ich habe viel Neues gelernt, zum Beispiel wie man Lampenfieber in den Griff bekommt. Bei einer Übung machten wir uns groß und stellten uns vor, wie wir in die Breite wachsen. Auf diese Weise bekommt man dann den Kopf frei.“

„Das Seminar war echt spannend. Wir haben so viele tolle Übungen gemacht wie die Affentrommel. Dabei klopft man den Körper von oben bis unten ab. Dabei spürt man den ganzen Körper, und das lenkt den Geist ab“, erklärt Charlotte Rahn.

Garde- und Jugend-Büttentrainerin Renate Mittag zeigt sich überrascht, wie schnell sich alle Seminarteilnehmer nach dem ersten Feedback durch die Gruppe verändert haben. „Allein vom Auftreten und vom Erscheinungsbild her, hat man sofort den Unterschied bemerkt. Das war faszinierend“, so Mittag.

Die Idee, einen Rhetorikprofi zu engagieren, hatten der Vorsitzende Michael Ott und sein Stellvertreter Markus Sinn. „Unser großes Ziel ist es, unser Publikum zum Lachen zu bringen. Wir haben zwar immer volles Haus bei unseren Prunksitzungen, wir wollen uns aber dennoch immer weiter entwickeln. So profitieren wir von dem Seminar, aber auch das Publikum“, sagt Ott. Es sei eine Möglichkeit für den Nachwuchs, die Scheu vor der Bühne zu verlieren und sehr schnell auf der Bühne sicherer zu werden. „Die Tipps vom Profis nützen aber auch uns alten Hasen, um noch besser zu werden“, bestätigt Sinn.

 

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