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Samstag, 03. Februar 2018 Drucken

Kreis Germersheim

Lustadt: Personalnotstand in der Kita Lebensbaum

Von Evelyn Schnitzer

25 Prozent der Mitarbeiterstunden haben im vergangenen Jahr gefehlt im „Lebensbaum“. Die Kita-Leitung hat Verständnis für die Probleme der Eltern. Man brauche „ständig einen Plan B“, familiäre Unterstützung und einen sehr verständnisvollen Arbeitgeber, um die Ausfallzeiten zu kompensieren, sagt eine betroffene Mutter.

25 Prozent der Mitarbeiterstunden haben im vergangenen Jahr gefehlt im „Lebensbaum“. Die Kita-Leitung hat Verständnis für die Probleme der Eltern. Man brauche „ständig einen Plan B“, familiäre Unterstützung und einen sehr verständnisvollen Arbeitgeber, um die Ausfallzeiten zu kompensieren, sagt eine betroffene Mutter. ( Foto: Iversen)

Was Bürger ärgert: Wegen Personalnotstands fallen in der Kita Lebensbaum in Lustadt Betreuungszeiten aus und es herrscht Aufnahmestopp – trotz Platzbedarfs. Erzieherinnen und Erzieher fehlen an allen Ecken und Enden – nicht nur in Lustadt. Den Ärger haben berufstätige Eltern.

Die Protestantische Kindertagesstätte Lebensbaum in Lustadt ist in einer für alle Beteiligten schwierigen Situation – bedingt durch Personalnotstand. Dieser soll jedoch ab März durch die Neubesetzung einer Vollzeitstelle etwas gemildert sein. Wie die Situation in der Kita dauerhaft entspannt werden kann, wird im Februar auch Thema einer erneuten Gesprächsrunde mit Vertretern des Landesjugendamtes, der Kreisverwaltung, des Diakonischen Werks, Elternausschusses und Kita-Leitung sein.

"Situation nicht tragbar"

 

„Die aktuelle Situation in unserer Einrichtung ist so definitiv nicht tragbar“, schreibt Katja Bur, deren zwei Kinder in der Kita Lebensbaum betreut werden, an die RHEINPFALZ. Es finde in der Kita kaum noch Normalbetrieb statt. „Es reicht gerade noch für die Aufsicht über die Kinder.“

 

Berufstätige Eltern müssen sich ständig darüber Gedanken machen, wie sie die Betreuung sicherstellen können, wenn die Kita mal wieder früher schließt, schildert Bur ihre Situation und nennt Zahlen aus dem letzten Quartal 2017: Zehn Mal mussten Ganztagskinder früher abgeholt werden. An 19 Tagen hätten Teilzeitkinder die Einrichtung nicht besuchen dürfen.

Viele Alternativen nötig

 

Man brauche „ständig einen Plan B“, viele Alternativen, große familiäre Unterstützung und einen sehr verständnisvollen Arbeitgeber, um die Ausfallzeiten in der Kita zu kompensieren. Die Mutter hat „das Gefühl, dass die Probleme der Eltern nicht gesehen, nicht verstanden werden“.

 

Katja Bur zeigt Verständnis für Erzieher und Träger, dass bei „fehlendem Personal ein Notfallplan eingesetzt werden muss und es dann auch zu Schließungen kommen kann. Aber es sollte auch seitens der Erzieher (und Träger) ein gewisses Maß an Motivation, Engagement und Einsatzbereitschaft abverlangt werden dürfen, damit die Arbeit am Kind auch entsprechend ausgeübt werden kann.“ Bur hinterfragt auch den „viel zu geringen Betreuerschlüssel. Aufgrund der ständig fehlenden Fachkräfte leiden der Kindergartenbetrieb und somit die pädagogische Arbeit am Kind.“

Damm: Inhaltliche Arbeit leidet nicht

 

Besuch in der Kita: Im „Lebensbaum“ geht es lebendig zu: Die Erzieherinnen haben mit den Kindern an diesem Tag eine „Bewegungsbaustelle“ eingerichtet. Den Vorwurf, dass die inhaltliche Arbeit mit den Kindern leiden würde, weist Andrea Damm zurück. Ein Großteil der pädagogischen Arbeit finde im Kita-Alltag statt, betont sie und nennt Sprachförderung, Wertevermittlung, soziales Verhalten, gemeinsames Mittagessen, Rituale als Beispiele.

 

„Rund 25 Prozent der Mitarbeiterstunden haben uns in 2017 gefehlt“ – hauptsächlich bedingt durch Langzeiterkrankungen, berichten Pfarrer Wilhelm Kwade und Damm. Damm und Kwade äußern großes Verständnis für die Situation der Eltern, sehen deren Schwierigkeiten, die Kinderbetreuung kurzfristig zu organisieren.

Überstunden und Aushilfen

 

„Wenn morgens um sieben sich eine Kollegin krank meldet, wird’s dramatisch“, sagt die Kita-Leiterin. „Wir versuchen, die Stabilität zumindest am ersten Tag aufrecht zu erhalten.“ Es werden Überstunden gemacht, Aushilfen eingesetzt, doch müsse der Anteil an Fachkräften immer gewährleistet sein.

 

Seit langem werde versucht, die offenen Stellen zu besetzen, doch sei dies – insbesondere bei befristeten Stellen – kaum möglich. An die interkulturelle Fachkraft würden besondere Anforderungen gestellt, hier mangele es an entsprechenden Ausbildungsplätzen, beklagt Kwade.

"Strukturelles Problem"

 

Eine der aktuell vier ausgeschriebenen Stellen ist die einer „Springerkraft“. „Es ist ein strukturelles Problem“, sagt der Pfarrer und hofft, dass alle Stellen möglichst bald besetzt werden können. Dies sei auch im Interesse der „Eltern in der Warteschleife“, deren Kinder wegen des aktuell verhängten Aufnahmestopps im „Lebensbaum“ noch nicht betreut werden können.

 

„Ich kann den Träger nur in Schutz nehmen“, sagt Hildegard Stoertz vom Landesjugendamt. Dieser müsse in der Situation so handeln. Auch wenn die Situation für manche Eltern nicht einfach sei, sei das Kita-Gesetz eindeutig. „Das Wohl der Kinder hat Vorrang.“

 

 

Kontakt

Kita.lustadt@evkirchepfalz.de

 

 

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