Erlenbach
Radwandern vom Felsenland zur Weinstraße
Wandern und Radfahren sind touristische Pfunde, mit denen die Südwestpfalz wuchern kann. Sommer und Herbst 2020 haben gezeigt, dass die Region zu einem begehrten Ziel geworden ist. Die Beliebtheit ist allerdings auch das Ergebnis kontinuierlicher Entwicklungen des Wegenetzes. Derzeit wird im Dahner Felsenland wieder am Ausbau der Radwege gearbeitet, diesmal in Richtung Weinstraße.
Nachholbedarf in östlicher Richtung
Verbandsbürgermeister Michael Zwick erläutert das Vorhaben. „Unsere Bestrebungen sind seit Jahren, die Rad- und Wanderwege in Richtung Südliche Weinstraße auszubauen“, betont er. Bisher gebe es zwar mit dem Pamina-Radweg eine Verbindung nach Schweigen, in Richtung Bad Bergzabern und Klingenmünster jedoch noch keine Anbindung. Das wollten sie nun ändern. „Wenn man bedenkt, dass unsere VG mittlerweile fünf Radwegeverbindungen ins Elsass besitzt, mit der Bremmendell/Ludwigswinkel sind es sogar sechs, besteht in östlicher Richtung Nachholbedarf“, stellt Zwick fest.
Bis Lauterschwan ist der Radweg ausgebaut bis ans östliche Ortsende kurz vor der Landkreisgrenze, von Osten aus Bad Bergzabern bis Birkenhördt. Hier fehlt noch die Verbindung über das „alte Landlöchel“. Ähnlich sieht es in Erlenbach aus, wo der Radweg vom Wieslauterweg kommend nach Erlenbach führt und am Ende der Grünheckstraße vor der Kreisgrenze nach links in Richtung Drachenfels (Raubritter-Tour) abbiegt.
Wasserleitung mit Radtrasse verbinden
An dieser Stelle komme ihnen nun zugute, dass die VG Bad Bergzabern in Vorderweidenthal zeitweilig Probleme mit der Wasserversorgung habe, erläutert Zwick. Die VG Dahner Felsenland habe sich bereiterklärt zu helfen und wolle das Problem gemeinsam mit einer Verbundleitung beheben. „In diesem Zusammenhang bietet sich an, auch die Trasse für den Radweg herzustellen“, so Zwick. In beiden Verbandsgemeinden seien mittlerweile die Planungsbeschlüsse gefasst worden. Demnächst gehe es in die Genehmigungsplanung. In die Wirtschaftspläne habe man bereits die Mittel eingestellt. Der Planfeststellungsbeschuss stehe ebenfalls.
Auflagen durch Naturschutz
Ein Aspekt, welcher dem Bürgermeister weniger behagt, sind die Naturschutzauflagen. Der Weg streift nämlich im Bereich der Sägmühle ein Vogelschutzgebiet. Von der Oberen Naturschutzbehörde werde deshalb verlangt, Maßnahmen des Naturschutzes vorgezogen herzustellen und dauerhaft zu unterhalten. Deren Wirksamkeit muss dann vom Bauträger in einem dreijährigen Monitoring für die Vogelarten Neuntöter, Schwarzkehlchen, Sumpf- und Teichrohrsänger untersucht und dokumentiert werden. Dabei handelt es sich vorwiegend um die Pflanzung heimischer Vogelbruthecken. „Naturschutz ist wichtig und liegt auch mir am Herzen“, betont Zwick. Aber vielleicht könne man in einem Abwägungsprozess von zwei Verbandsgemeinden und der touristischen Erschließung der Südpfalz einmal von der Dreijahresfrist absehen oder diese verkürzen. Für den Ausbau stehe die VG jedenfalls „Gewehr bei Fuß“. „Wir helfen gerne mit, das zu regeln. Unbefriedigend wäre es, wenn das Projekt deshalb verschoben würde.“
Baubeginn an der Grünheckstraße
Träger und damit zuständig für den Bau ist der Landesbetrieb Mobilität LBM Speyer, wie Klaus Burkhart von der Bauabteilung der VG Dahner Felsenland erläutert. Der geplante Radweg, rund 1800 Meter lang, soll in drei Bauabschnitten umgesetzt werden. Der erste Abschnitt beginnt am nördlichen Ende der Grünheckstraße in Erlenbach. Von dort führt er über die Eckwiesen und mit einer Steigung von sechs Prozent über die Kreuzäcker hinauf zur B 427. Bei der rund 400 Meter langen Strecke geht es nur 55 Meter über Erlenbacher Bann, streift etwa 20 Meter Busenberger Gemarkung, während der Rest bereits zu Vorderweidenthal gehört. Der durchgängig 2,50 Meter breite Weg soll an dieser Stelle mit wassergebundener Decke hergestellt werden, womit Burkhart etwas unzufrieden ist. „Ein poriger Beton wäre an der Steilstrecke bestimmt auch möglich gewesen.“
Überquerungshilfe an B 427
Ein Hauptproblem der Streckenführung war sicherlich die Querung der viel befahrenen B 427. Hierzu soll nun in Höhe des Parkplatzes eine Verkehrsinsel als Überquerungshilfe eingebaut werden. Von dort führt der Radweg im zweiten Bauabschnitt über die alte Landstraße und den Mitfahrerparkplatz zur L 490. An der Sägmühle vorbei führt der dort asphaltierte Radweg neben der Landstraße bis zum Ortseingang Vorderweidenthal, um dann durch den Ort zu gehen. Ein dritter Bauabschnitt beginnt bei der Vorderweidenthaler Mühle am nördlichen Ortsende, führt entlang der L 490 und bindet dort den vorhandenen Radweg nach Darstein an. Laut Burkhart ist die Ausführungsplanung fertig gestellt und geprüft. Derzeit laufe die Ausschreibung für die Naturschutz-Maßnahme.
Nach Angaben von Frank Leist vom LBM werden noch Verhandlungen über Grundstückserwerb geführt, da für die Trasse und landespflegerische Ausgleichsflächen eine Vielzahl von Privatgrundstücken erworben werden müssten. Als Baubeginn nennt Burkhart 2022/23.
Dahner Wasser für Vorderweidenthal, Oberschlettenbach und Lindelbrunn
Die Leitungsverlegung startet früher. Wie Fachbereichsleiter Klaus Hüther von den Werken der VG Dahn berichtet, soll eine 2150 Meter lange Trinkwasserleitung auf der Radwegetrasse von Erlenbach bis Vorderweidenthal verlegt werden – und damit die Gemeinden Vorderweidenthal, Oberschlettenbach und Annexe Lindelbrunn aus dem Dahner Netz versorgt werden. Gleichzeitig soll von der Kläranlage Vorderweidenthal eine Abwasserleitung plus Steuerleitung im Radweg nach Erlenbach verlegt werden. Die Abwässer der Gemeinden werden in die Kläranlage Unteres Wieslautertal bei Niederschlettenbach geführt, wo noch Kapazitäten frei sind. Die Kläranlage Vorderweidenthal wird zurückgebaut und dient dann der Regenrückhaltung. Hüther rechnet damit, dass die Genehmigungen bis Mitte 2021 vorliegen werden.
Zukunft Radwander-Tourismus
Durch die Erweiterung des Radwegenetzes ergeben sich für Touristen ganz neue Möglichkeiten. Der neue Weg verbindet den Wieslauter-Radweg Hinterweidenthal, Rheinfähre Neuburg von Niederschlettenbach aus über Erlenbach und Vorderweidenthal mit dem Klingbach-Radweg, welcher über Lindelbrunn, Silz, Klingenmünster und Herxheim bei Sondernheim ebenfalls in den Rhein-Radweg mündet. Weiter wird der Raubritter-Radweg eingebunden. Über Bühlhof und „Dicke Eiche“ bietet sich die Möglichkeit, nach Hauenstein zu gelangen. „Das Jahr 2020 hat gezeigt, dass Radwandern voll im Trend liegt“, so Zwick. „Mit unserem Wegenetz sind wir gut aufgestellt. Für E-Bikes sind Hügel sowieso kein Hindernis mehr.“ Er sei zuversichtlich, dass auch der Lückenschluss zwischen Lauterschwan und Bad Bergzabern noch zum Zuge komme. „Im Radwander-Tourismus wird die Zukunft liegen.“