Thaleischweiler-Wallhalben RHEINPFALZ Plus Artikel Patrick Sema im Gespräch: Bürgermeister nur bei einem Wunschanliegen ausgebremst

War zum Gespräch in der RHEINPFALZ-Redaktion in Pirmasens zu Gast: Patrick Sema, Bürgermeister der VG Thaleischweiler-Wallhalben
War zum Gespräch in der RHEINPFALZ-Redaktion in Pirmasens zu Gast: Patrick Sema, Bürgermeister der VG Thaleischweiler-Wallhalben.

Besser kommunizieren, das sei eine Lehre, die man in der Politik auch auf kommunaler Ebene ziehen könne, stellt Patrick Sema (SPD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben, fest. Er tut das mit Blick auf vielfältige Aufgaben, die er verwirklichen will – darunter ein Herzensprojekt.

Zehn Jahre alt wird die Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben in diesem Jahr. Das soll gefeiert werden, zusammen mit der Einweihung des Rathauses. 2024, sagt Patrick Sema schmunzelnd auf die Nachfrage der RHEINPFALZ-Redakteure, in welchem August das Rathaus bezogen werde. Dann wird er das zweite Jahr seiner Amtszeit hinter sich haben und das neue Domizil für die kommenden sechs Jahre beziehen können. Derzeit seien alle Firmen, die noch etwas zu erledigen haben, im Haus zugange.

Mehr als elf Millionen Euro wird das Haus kosten, das zum Zentrum der Verbandsgemeinde wird.

Patrick Sema plädiert für den Bürgerbus.
Patrick Sema plädiert für den Bürgerbus.

Mit Millionen-Investitionen darf, ja muss weiter geplant werden in der Verbandsgemeinde. Manchmal auch unverhofft, wie der Schaden an der Schulturnhalle in Thaleischweiler-Fröschen zeigt. Oder der Wasserschaden am benachbarten Pavillon. Sema, vom Typ her eher ein gelassener Mensch, sieht das pragmatisch. Wenn Probleme auftauchen, auch unverhofft, „müssen wir sie angehen und abarbeiten“. Das koste natürlich immer Geld, müsse aber gelöst werden. Er versucht auch immer, die positiven Seiten nicht zu vergessen. Zum Glück sei zum Beispiel der Schaden an der Schulturnhalle entdeckt worden, bevor dort etwas Schlimmeres passiert sei, sagt er. Diese Einstellung ist wohl mit ein Grund dafür, dass ihm das Amt bei allen Herausforderungen ungebrochen Freude bereite.

Hohe Standard bereiten Kopfzerbrechen

Wie alles finanziert werden kann, was gemacht werden muss – „das ist eine große Herausforderung“, sagt Sema. Das Thema hohe Standards, die die Kosten beim Bau, im Feuerwehrbereich, in den Schulen und Kindergärten enorm nach oben treiben, müsse ernsthaft überdacht und hinterfragt werden, sagt er. Es müsse manches auch flexibler gehandhabt werden, stärker in die Zukunft betrachtet werden. Für ihn ein Beispiel ist die Grundschule in Thaleischweiler-Fröschen. 2019 erst erweitert, „müssen wir jetzt wieder erweitern“, sagt Sema. Mit flexibleren Raumkonzepten arbeiten sei nicht nur bei den Schulen ein künftiger Maßstab.

Das gelte aber auch für die Grundschule in Wallhalben. Die wird, wenn der Mietvertrag für das Sickingen-Gymnasium Landstuhl ausgelaufen ist, saniert und neuer Standort der Grundschule. „Der Beschluss steht“, sagt Sema. Auch wenn nicht alle Räume benötigt würden, „wir reißen nichts ab. Wir sehen ja, wie schnell man etwas braucht“, sagt er. Er kann sich auch vorstellen, dass die Gemeinde Wallhalben – die sich zum Thema Umzug des Kindergartens ins bisherige Grundschulgebäude noch nicht klar positioniert hat – im Schulhaus barrierefrei erreichbare Räume für ihre Repräsentationszwecke nutzt.

Bürgerbus startet Jungfernfahrt frühestens 2025

Ein bisschen ausgebremst wurde Semas Herzensthema Bürgerbus. Er hätte sich gewünscht, parallel den Zuschussantrag ans Land zu stellen und das Votum der Ortsgemeinden einzuholen. Ein positives Votum vorausgesetzt, „hätten im Idealfall, wenn sich genügend Ehrenamtliche finden, schon zum Jahresende zwei Bürgerbusse fahren können“, sagt Sema. Mit Blick auf das aktuelle Wahljahr, neue Räte, die sich konstituieren müssen, sei klar, dass das in diesem Jahr nicht mehr funktionieren wird. Im März wird das Thema in den ersten Ortsgemeinden auf der Tagesordnung stehen. Sema hat schriftlich die Räte noch mal informiert. Im Verbandsgemeinderat habe das ja nicht so gut funktioniert, bedauert Sema, dass die Vorab-Kommunikation nicht die erhoffte Wirkung hatte. Von der Idee, der Notwendigkeit dieses Mobilitäts- und Teilhabeangebotes ist er überzeugt.

Bei den erneuerbaren Energien verschwimmen Gemarkungsgrenzen ohnehin zunehmend. Sema ist ein Befürworter von Freiflächen-Photovoltaikanlagen. Er bedauert, dass man in Deutschland immer noch ausgebremst werde. Sein Beispiel ist Herschberg. Die Gemeinde wolle die Anlagen, der Grundstückseigentümer sei dafür, vonseiten der Landwirtschaft gibt es keinen Widerspruch. Und doch lässt sich das Projekt nicht umsetzen, weil der Boden wertvolle Ackerfläche ist. Ob genutzt oder nicht, spielt keine Rolle.

Das neue Rathaus in Thaleischweiler-Fröschen soll im August eingeweiht werden.
Das neue Rathaus in Thaleischweiler-Fröschen soll im August eingeweiht werden.

Planungen gibt es bezüglich dieser Energiegewinnungsform einige in der Verbandsgemeinde. Bewusst habe er schon früh einen Kreisvertreter der Landwirte in eine Bürgermeisterdienstbesprechung zu diesem Thema eingeladen, sagt Sema. Den Flaschenhals, wo Solarstrom eingespeist werden kann, was die Netze ermöglichen, sieht auch der Verbandsbürgermeister. Zumal die durch Windkraft gewonnene Energie in der Verbandsgemeinde steigen wird. Die Pläne zum Re-Powering der Windkraftanlagen in Weselberg sind weit gediehen.

Ein Erfolg sei die „early-bird“-Aktion der Verbandsgemeinde in puncto Ausbildung gewesen, sagt Sema. Mit Flyern, Anzeigen, im Netz hatte die Verbandsgemeinde geworben, die Nachholbedarf hat. Drei Auszubildende für den öffentlichen Dienst und eine Nachwuchskraft für die Beamtenlaufbahn starten demnächst ihren Berufsweg bei der Verwaltung. Voraussichtlich im neuen Rathaus.

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