Contwig / Kleinsteinhausen
Ohne Rast von Ast zu Ast: Eichhörnchen in der Region
Geschickt balanciert es zu seinen Winterfrüchten, um sie als Notvorrat zu deponieren. Bevor die ersten Nüsse vom Baum auf den Wiesenboden fielen, konnte Finn Burgard aus Contwig schon das Eichhörnchen auf dem Nachbargrundstück beobachten. Das Kerlchen tanzte durch den alten Nussbaum und prüfte schon mal, welche Nuss es mitnehmen möchte.
Das Eichhörnchen erkennt, welche Nuss für die Wintereinlagerung taugt. Eichhörnchen sind die geschicktesten Kletterer, Stammrenner und Asthüpfer unter den Säugetieren unserer Wälder, berichten Norbert Fakundiny und Horst Macke aus Kleinsteinhausen vom Naturschutzbund (Nabu) im Zweibrücker Land.
Die Geschicklichkeit, von Ast zu Ast zu springen und häufiger auch förmlich zu fliegen, schützt das Eichhörnchen vor natürlichen Feinden. Durch das zusätzliche kreisförmige Rasen um die Baumstämme, kann es ständig seine Position so verändern, dass Greifvögel, Marder, Katzen, Wiesel und Uhu kaum eine Chance haben, den unruhigen Baumbewohner zu erwischen. Menschen töten allerdings im Straßenverkehr zu jeder Jahreszeit zahlreiche Eichhörnchen. Aus dem einstigen Waldbewohner ist längst ein Zuwanderer in Gärten, Parks, Friedhöfen, Obstwiesen mit Nussbäumen und menschlichen Siedlungen geworden, da er hier ausreichend Nahrung findet.
Neben dem buschigen Schwanz bestimmen das rotbraune Fell, das helle Brust- und Bauchfell, die Knopfaugen und die Pinselohren das Aussehen des Nagers. Der Schwanz des Eichhörnchens, der in etwa seiner Körperlänge entspricht, ist nicht nur Zierde, sondern im Winter eine wahre Kuscheldecke. Das Hörnchen kann sich damit komplett zudecken. Bei seinen gewagten Sprüngen dient der Schwanz als Fallschirm und Steuer, auf dünnem Geäst als unverzichtbare Balancierstange.
Außergewöhnliche Beweglichkeit
Seine Geschicklichkeit verdankt der rund 40 Zentimeter große Baumkletterer einigen körperlichen Besonderheiten. Der biegsame Körper und das extrem leichte Skelett von etwa 400 Gramm ermöglichen die außergewöhnliche Beweglichkeit. Durch seine vielen Sinneshaare kann das Hörnchen genau die Abstände zu Ästen und Nachbarbäumen abschätzen. Sprünge bis zu fünf Metern sind möglich. Die scharfen Krallen an den sehr beweglichen Zehen geben selbst an glatten Baumstämmen sicheren Halt. Die starken Krallen lassen den kastanienroten Kletterer sogar problemlos am Baumstamm runter laufen. Die auffälligen Pinsel an den Ohren haben die Hörnchen nur im Winter. Im Sommer sind die Haarbüschel sehr klein oder gar nicht vorhanden.
Nur daumengroß sind Eichhörnchen, wenn sie nackt geboren werden. Sie können zu diesem Zeitpunkt weder sehen noch hören. Im weichen und warmen Wurf-Kobel, dem gut versteckten Nest, bringt die Eichhörnchenmama den Nachwuchs zur Welt. Das kugelförmige Nest hat immer mindestens zwei Eingänge: einen von unten, der regelmäßig als Eingang benutzt wird, und einen weiteren, leicht verschlossenen, wenn man vor einem Eindringling flüchten muss. Eichhörnchen sind Säugetiere. Es dauert mindestens zwei Wochen, bis sich Augen und Ohren öffnen. Nach sechs Wochen machen die Kleinen dann schon erste Ausflüge, aber unter Aufsicht der Mama. Nach über acht Wochen beginnen die kleinen Kletterer bereits selbst nach Nahrung zu suchen.
Nicht alle Futterdepots finden sie wieder
Der Speiseplan der Eichhörnchen ist vielseitig, da sie Allesfresser sind. Sie futtern Kirschen, Äpfel, Beeren, Knospen, sogar einige für uns giftige Pilze, Bucheckern, Nüsse und Eicheln. Die Samen der Tannenzapfen sind auch sehr begehrt. Selbst Insekten und Schnecken werden gefressen. Für das benötigte Eiweiß werden immer wieder auch Vogelnester ausgeraubt. Im Winter sind die Tiere zwar weniger aktiv, machen aber keinen Winterschlaf.
Eichhörnchen haben ein feines Gehör, einen extrem ausgeprägten Geruchssinn und ein gutes Gedächtnis. Dies ist für sie von größtem Wert, denn nur so können sie ihre versteckten Vorräte im Winter wieder aufspüren. Durch den Geruchssinn können sie sogar unter einer Schneedecke von 30 Zentimetern versteckte Nüsse riechen. Nüsse sind zweifellos die bekannteste Nahrung der Eichhörnchen, Haselnüsse und Walnüsse gleichermaßen. Nicht alle ihre Futterdepots mit häufig über 2000 Samen und Nüssen finden die Eichhörnchen wieder. Viele werden vergessen, sodass die Eichhörnchen unverzichtbar für die natürliche Aufforstung sind, da ihre verbuddelten und vergessenen Früchte keimen und zu neuen Büschen und Bäumen werden.
Im Dezember beginnt die Paarungszeit mit wilden Verfolgungsjagden nach dem Weibchen. Die Tragezeit der Weibchen beträgt etwa fünf Wochen. Oft gibt es zwei Würfe im Jahr, einen im Frühjahr, wenn es noch winterlich ist, und einen weiteren bis August. Nur jedes fünfte junge Eichhörnchen überlebt das erste Lebensjahr. Nesträuber verkleinern stets die Familie. Die Eichhörnchenweibchen sind alleinerziehend, da sie schon vor der Geburt das Männchen vertreiben. Die Tierchen werden zwischen drei bis – selten – zehn Jahre alt.
Der Name kommt nicht vom Eichenbaum
Viele vermuten, dass der Name des Eichhörnchens mit dem Eichenbaum zusammenhängt, dessen Früchte es so gerne mag. Doch der Baum stand nicht Pate. Namensforscher und Tierfreunde haben herausgefunden, dass das altdeutsche Wort „aig“ für schnell, flink und geschwind für die Namensgebung maßgeblich ist. Für den zweiten Teil des Namens, Hörnchen, sind die spitzen Ohren zuständig, die von Weitem wie kleine Hörner aussehen.