Contwig
Interview: Saarpfalz-Fliegenfischer im Luxemburger Nationalteam
Herr Wagner, was ist Fliegenfischen überhaupt – und wo liegt der Unterschied zum Angeln?
Das normale Angeln ist eine ausschließlich sitzende Tätigkeit. Man sitzt den ganzen Tag herum, hat einen Bissanzeiger, wirft aus und wartet darauf, dass der Fisch anbeißt. Beim Fliegenfischen ist es genau das Gegenteil: Ich suche den Fisch aktiv und versuche ihn mit einer künstlichen Fliege zu überlisten, die ich eventuell sogar noch selbst hergestellt habe. Das haben schon die alten Ägypter früher so gemacht.
Welche Arten von Ködern gibt es?
Da kommt es auf die Fliegen an und was die imitieren. Manche Köder sollen eine lebende Fliege auf dem Wasser darstellen. Dann gibt es aufsteigende Köder – also die Larven, die aufsteigen und an der Oberfläche darauf warten, dass ihre Puppenhöhle aufplatzt und sie schlüpfen können. Das ist für die Larven die gefährlichste Zeit, weil sie dann ganz ruhig auf dem Wasser liegt. Forellen, Äschen oder andere Fische können sie ganz einfach schnappen. Und eben diese Tiere müssen wir durch das sogenannte Fliegenbinden imitieren.
Hier habe ich lauter Fliegen, die schwimmen. Es gibt auch Köcherfliegen – für die Larven, die im Herbst kommen und nur bis zu vier Millimeter weit schwimmen. Diese Köder sind für Juni.
Wie lange dauert es, einen Fliegenköder zu binden?
Zwischen einer Minute und einer Stunde. Das ist ganz unterschiedlich.
Und aus welchem Material sind die Fliegen hergestellt?
Aus Federn, Fell, Styropor und und und.
Es geht also grob darum, die Fische zu täuschen, damit sie anbeißen?
Genau. Ich muss den Fischen vormachen, dass es sich um eine echte Fliege handelt. Die Forelle hat ihren Stammplatz im Wasser, dort bleibt sie die ganze Zeit stehen und geht nur an die Oberfläche, wenn es dort etwas zu holen gibt. Und diesen Wellenring, den sie dabei auf der Wasseroberfläche erzeugt, den muss ich mir merken. Dort werfe ich dann meine Angel aus, und die Forelle beißt an.
Das klingt nach jeder Menge Arbeit, sich dann jeden Ring zu merken.
Dafür muss das Wasser spiegelglatt sein. Es gibt aber auch fließendes Wasser. Als Fliegenfischer muss ich die Stellen erkennen, an denen die Fische sich aufhalten könnten. Ich muss erst einmal wissen, welche Fliegen derzeit vorkommen und entsprechend den Köder wählen.
Wie sind Sie überhaupt zum Fliegenfischen gekommen?
Ich hatte nach dem Tod meines Vaters eine Angelrute in der Hand, mit der ich erst mal nichts anfangen konnte. Das war eine Fliegenrute aus sechs Teilen Bambus. Für mich war das Neuland. Dann hab’ ich das mal ausprobiert, und es hat mich ganz beeindruckt, weil eben alles anders war. Später hab ich dann meine Frau kennengelernt und ihr zuerst das normale Angeln beigebracht. Und dann haben wir beschlossen, zusammen das Fliegenfischen zu lernen.
Sie haben sich das Fliegenfischen also selbst beigebracht?
Ja. Und das war erst mal eine reine Katastrophe. Das geht gar nicht, das würde ich auch nie jemandem empfehlen. (lacht)
Wie sind Sie in die Luxemburger Nationalmannschaft gekommen?
Angefangen hatte es in Hermeskeil, dort war ich im Angelverein. Als ich dort meine Arbeit verloren hatte, bin ich nach Luxemburg. Dort habe ich mich schlau gemacht, wo ich angeln kann und ein paar Leute kennengelernt. Die haben mir damals gesagt, dass der Jahresbeitrag 400 Luxemburger Francs kostet. Das wären heute etwa 20 Euro. Ich hatte aber nicht gewusst, dass eben dieser Verein die Landes-Föderation der Fliegenfischer ist. Das hat mir sofort imponiert und Spaß gemacht. Im Januar bin ich dann zu einer Versammlung, und auf einmal stand die Siegerehrung für die Landesmeisterschaft an. Ich wurde hellhörig, weil die fünf Besten automatisch bei Europa- und Weltmeisterschaft vertreten sind. Und dann ging es ans Qualifizieren: Ich musste unter die besten Fünf kommen.
Wie läuft so ein Wettbewerb ab?
Es gibt eine Sektion morgens und mittags, je drei Stunden. Die gefangenen Fische werden addiert, das ist dann meine Punktzahl. Ich fische an dem Gewässer, habe dort 200 Meter und bekomme einen Kontrolleur zugewiesen, dem ich einen festen Platz zuweise. Es kann aber sein, dass man seine Fische 200 Meter weiter weg fischt. Dann muss man für jeden Fang bis zum Kontrolleur durchs Wasser laufen. Nach drei Stunden ist Schluss, dann ist Mittagspause. Mittags fährt man an einen anderen Fluss, und wieder geht das gleiche Spiel los. Danach geht es zum Hotel, und die Punkte werden verglichen. Am Ende werden noch mal Fliegen gebunden bis abends um 23 Uhr. Und der nächste Tag startet um vier Uhr früh.
Das klingt sehr anstrengend.
Das ist auch sehr anstrengend. Nach dieser einen Woche brauchst du zwei Wochen Urlaub (lacht). Und deshalb bin ich auch froh, dass ich das alles heute nicht mehr mache.
Wo hat Ihnen das Fliegenfischen am meisten Spaß gemacht?
Definitiv in Schottland. Die Natur war traumhaft, das kann man nicht beschreiben.
Wie viele Fliegenköder haben Sie zu Hause?
Über 25.000 Stück. Ich habe dort auch mein eigenes Räumchen zum Binden.