Reifenberg RHEINPFALZ Plus Artikel „Ich bin geheilt, was weitere Filialen angeht“

Jacqueline und Michael Grunder in ihrer Bäckerei in der Bahnhofstraße in Rieschweiler.
Jacqueline und Michael Grunder in ihrer Bäckerei in der Bahnhofstraße in Rieschweiler.

Die Bäckerei in Reifenberg hat zu. Ein Aushang an der Tür verkündet seit Anfang Juli, dass die Filiale aus wirtschaftlichen Gründen dauerhaft schließt. Erst im Februar hatten Michael Grunder und seine Frau Jacqueline, die in Rieschweiler eine Bäckerei in der Bahnhofstraße führen, ihre Filiale in Reifenberg eröffnet.

Zwei Container auf dem Dorfplatz beherbergten diese Außenstelle. Denn das Haus, in dem der frühere Reifenberger Bäckerladen untergebracht war, wird aktuell renoviert. Das Gebäude hat der Landstuhler Bauunternehmer Alfred Schwarz ebenso erworben, wie die beiden voll ausgestatteten Container, die als Übergangslösung dienen. Nach der Umbauphase soll die künftige Bäckerei in das Haus zurückkehren.

„Mit der Corona-Pandemie hat die Schließung wenig zu tun, die Zahlen haben einfach nicht gestimmt“, erklärt Michael Grunder in einem Telefongespräch am Donnerstag. Neben den Backwaren boten die Grunders ein kleines Sortiment an Grundnahrungsmitteln an. „Wir wussten von Anfang an, dass es eine Bäckerei in einem kleinen Dorf mit etwa 220 Haushalten schwer hat“, betont der 32-Jährige. Die ersten Wochen seien gut angelaufen und hätten das Ehepaar positiv gestimmt. Nach der Anfangseuphorie kam jedoch der Umsatzeinbruch. „Wir sind jedem dankbar, der gekommen ist, aber es muss sich auch rechnen, und leider waren die Ausgaben höher als die Einnahmen“, beschreibt Grunder die Situation, die zu diesem Entschluss geführt hat.

Warum ist er nicht auf den Vermieter zugegangen?

In der letzten Ratssitzung ging Ortsbürgermeister Pirmin Zimmer auf die Schließung ein. Denn eigentlich sind die Container und das Wohnhaus eng mit der Gestaltung des Reifenberger Dorfplatzes verbunden. Am ursprünglichen Vorhaben wolle Alfred Schwarz weiter festhalten, teilte Pirmin Zimmer in der Sitzung mit. Auch wenn Schwarz von seinen Mietern noch nichts gehört habe, wie sich die Sachlage für sie darstellt und wie es weitergehen soll.

„Das Gespräch mit Herrn Schwarz werden wir zeitnah angehen“, versichert Michael Grunder auf Nachfrage, nun den persönlichen Austausch zu suchen. Warum hat er nicht vor der Schließung das Gespräch mit Vermieter oder Bürgermeister gesucht? Darauf antwortet der Bäcker mit einer Gegenfrage: „Was soll ein Vermieter oder Bürgermeister schon tun, wenn der Umsatz nicht stimmt?“

Zimmer: Werbung geschaltet und auf Plakaten geworben

Mit der Aussage konfrontiert, erklärt Ortsbürgermeister Pirmin Zimmer: „Ich bin für die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens nicht zuständig, das muss der Besitzer schon selbst in die Hand nehmen.“ Er könne sich in einem zum Wohle der Ortsgemeinde verantwortbaren Maß aus dem Fenster lehnen, um mitzuhelfen, dass es läuft. In diesem Verfügungsrahmen habe er Werbung geschaltet und auf Plakaten geworben. „Irgendwo sind meine Mittel begrenzt, da ich mit dem Konstrukt Bäckerladen als Bürgermeister eigentlich nichts zu tun habe.“ Für die Attraktivität des Ortes sei er natürlich froh, wenn es eine Bäckerei gibt, und traurig, wenn sie geschlossen ist. Zimmer mutmaßt, dass die Bäckersleute vielleicht überzogene Vorstellungen hatten, was in Reifenberg verdient werden kann, oder eine Portion verletzter Stolz, in Reifenberg gescheitert zu sein, weil sie sich nun abschotten.

Schwarz: Das Kind sitzt noch vor dem Brunnen

Alfred Schwarz hat seine Idee von dem Bäckerladen in Reifenberg nicht aufgegeben. Er ist nur enttäuscht, dass ihn die Grunders ohne Vorankündigung vor vollendete Tatsachen gestellt haben. An Möglichkeiten, das Ganze doch noch positiv umzusetzen, daran arbeitet er derzeit. „Das Kind ist nicht in den Brunnen gefallen, es sitzt noch davor“, veranschaulicht Schwarz. Er hänge derzeit aber in der Luft. Denn so lange der gültige Mietvertrag (24 Monate) Bestand hat, gebe es für ihn keine Handlungsmöglichkeiten.

Grunder selbst sieht sich nicht mehr in Reifenberg. Für ihn gibt es kein Zurück. „Das Thema ist erledigt, ich bin geheilt, was weitere Filialen angeht“, beteuert er. Sein Hauptgeschäft in Rieschweiler, das er vor anderthalb Jahren eröffnet hat, laufe sehr gut und werde wie gewohnt weitergehen.

Am Dorfplatz in Reifenberg stehen die beiden nicht mehr genutzten Container. Rechts davon das Wohnhaus, das umgebaut wird und in
Am Dorfplatz in Reifenberg stehen die beiden nicht mehr genutzten Container. Rechts davon das Wohnhaus, das umgebaut wird und in das mal eine Bäckerei einziehen soll.
Dieser Aushang verweist seit Wochen darauf, dass die Reifenberger nicht mehr mit Bäckereiwaren beliefert werden.
Dieser Aushang verweist seit Wochen darauf, dass die Reifenberger nicht mehr mit Bäckereiwaren beliefert werden.
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