Hauenstein
Die leckere Erfindung des „Hääschdner“ Metzgermeisters
Dass unsere Vorfahren in den Wasgaudörfern die „Keschde“ nicht nur gesammelt haben, um sie als herbstliche Delikatesse zu genießen, sondern dass sie wichtiger Bestandteil der winterlichen Vorratshaltung war, ist in zahlreichen alten heimatlichen Reminiszenzen und Kalender-Erzählungen nachzulesen. Im Hauensteiner Schuhmuseum wurde kurz vor der Jahrtausendwende in einer eigenen Ausstellung dokumentiert, dass die Kastanie etwa in den Wäldern der französischen Ardèche eine der wichtigsten Ernährungsgrundlagen für den Winter waren und das Kastanienmehl für einige Monate den winterlichen Brotbedarf abdecken musste. Grund für die Renaissance „rund um die Kastanie“, war der „Hauensteiner Kastanienschuh“, ein kostbares Unikat von 1840 aus der legendären Ernst-Tillmann-Sammlung mit über 5000 Schuhen aus allen Zeiten und Kontinenten, die auch heute immer noch ein musealer Hingucker sind.
Dieser Tage wurde der Autor bei Recherchen auch an ein altes Fleischgericht mit Kastanien erinnert, das als Vorläufer des legendären „Keschdesaumagens“ gelten kann. Der aus Dernbach stammende Gründer der Hauensteiner Metzgerei-Dynastie Braun, Heinrich Braun (1875-1931) – sie wird heute in vierter Generation erfolgreich weitergeführt –, brachte im Jahr 1905, als er als junger Metzgermeister nach Hauenstein kam, ein Grundrezept mit, das über drei Jahrzehnte in der Familientradition immer wieder modifiziert wurde und im Millenniumsjahr 2000 zu einer glanzvollen Renaissance gelangte.
Erster Keschdemarkt der Pfalz
Was war im Jahr 2000 in Hauenstein geschehen? Weil 1999 der junge Hauensteiner Christof Feith und die Verantwortlichen der Gemeinde und des jungen Schuhmuseums an einem neuen Fest-Projekt „Erster Pfälzer Keschdemarkt“ herumbastelten, kam der „Keschdeschuh“ von 1840 aus der Tillmann-Sammlung als Pate gerade recht. Von der Idee zum Projekt ging es dann Schlag auf Schlag, Im Jahr 2000 hatten die Hauensteiner pfalzweit die Nase vorne, und der „Erste Pfälzer Keschdemarkt“ war ein ungeahnter Erfolg. Der historische Keschdeschuh war auf dem herbstlich toll gestalteten Rathausplatz der große Hingucker, und die pfiffigen Hauensteiner hatten ein tolles Fest kreiert.
Was die Veranstalter damals am meisten wunderte: In der ganzen Pfalz mit seinen Hunderten Wein- und Frühlingsfesten gab es bis zur Jahrtausendwende kein einziges Kastanienfest mit dem besonderen Flair, wie es die Hauensteiner in Frankreich und dem befreundeten Südtiroler Steinegg erlebt und gesehen hatten.
Keschdesaumagen als Premiumprodukt
Jetzt aber wieder schnell zurück zum ersten Pfälzer Keschde-Saumagen, der 2000 in Hauenstein kreiert wurde. Der vor wenigen Monaten im Alter von 84 Jahren verstorbene Metzgermeister Heinrich („Heini) Braun erinnerte sich an die alte Rezeptur des Großvaters und in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und Christof Feith – er ist heute verantwortlicher Mensa-Manager der Uni Kaiserslautern und Inhaber des Hauensteiner „Weinlädchens“ – machten auch die anderen Metzger in Hauenstein spontan mit. Der Hauensteiner Keschde-Saumagen des ersten Pfälzer Keschdemarktes überhaupt avancierte innerhalb eines Jahres zu einer Premium-Marke.
In unzähligen Nuancen erweitert und modifiziert trat das alte Rezept des Dernbacher Metzgermeisters Heinrich Braun – er war übrigens verheiratet mit der Müllers-Tochter Lina Braun, geborene Naab von der Fischwooger-Mühle bei Erfweiler – seinen Siegeszug in der ganzen Pfalz an. Bis Mitte November ist der original „Hääschdner Keschdesaumagen“ zu haben. In der Hauensteiner Gastronomie und Feinkostgeschäften gibt es heute rund 70 Rezepturen mit veredelten Keschde: ein Hauensteiner Verkaufsschlager mit Alleinstellungsmerkmal im überreifen Keschdeherbst 2023.
Und ganz am Anfang stand genau vor knapp 25 Jahren kurz vor der Jahrtausendwende die außerordentlich wertvolle Museums-Preziose des historischen Kastanienschuhs im Schuhmuseum und ein mehr als 120 Jahre altes Keschderezept, das „de Braune Metzjer“ 1905 von Dernbach nach Hauenstein mitgebracht hatte.
Keschdemarkt am Sonntag
Am Sonntag, 15. Oktober, feiert Hauenstein auf dem Johann-Naab-Platz den Keschdemarkt. Um 11 Uhr wird Ortsbürgermeister Michael Zimmermann den Markt eröffnen. Im Anschluss spielen die Hauensteiner Alphornbläser auf. Den ganzen Tag über bis um 18 Uhr werden an den Marktständen allerlei Produkte rund um die Esskastanie angeboten.