Bechhofen
Bahnbrechende Pläne: Weicht das Dorfgemeinschaftshaus einem Pflegeheim?
Im November berichtete Paul Sefrin, Bürgermeister von Bechhofen, der RHEINPFALZ noch von Plänen für die Dachrenovierung des Dorfgemeinschaftshauses und den angrenzenden Neubau eines Kindergartens. Dabei arbeitete der Rat zu diesem Zeitpunkt längst an anderen Plänen: Am Standpunkt des Dorfgemeinschaftshauses könnte ein Pflegeheim für Senioren mit 100 Belegbetten auf 5000 Quadratmetern entstehen – mit umfangreichen Folgen für die Dorfgemeinschaft.
Das Schifferstadter Unternehmen Römerhaus ist auf Expansionskurs. Der Bedarf an Pflegeeinrichtungen für Senioren wächst stetig. Bisher ist bekannt, dass Römerhaus in Contwig bauen möchte. Unterlagen, die der RHEINPFALZ vorliegen, belegen nun, dass Römerhaus dasselbe in Bechhofen vorhat. Der Bechhofer Rat spricht derzeit mit Römerhaus über die mögliche Ansiedlung und berät sich in nichtöffentlichen Sitzungen.
Die Überlegungen wirken sich auf die Bechhofer Kindergarten-Problematik und auf das wohl nicht mehr sinnvoll zu sanierende DGH aus. Nach einer Machbarkeitsstudie des Büros S.I.G Schroll Saarbrücken hätten erhebliche Brandschutz-Mängel schon im Jahr 2017 die sofortige Schließung auslösen müssen. 2018 wurde der Weiterbetrieb aber von der Unteren Bauaufsicht geduldet; unter Auflagen. Laut eines Sitzungsprotokolls einer Gruppe, die sich Dorfspitze nennt und sich im September getroffen hat, sind diese Auflagen bis heute nicht erfüllt.
Hinzu kommen weitere Hiobsbotschaften: das zackenförmige Sheddach über dem großen Saal im DGH hat wohl nur noch eine maximale Restnutzungsdauer von zehn Jahren. Man machte sich in der September-Sitzung deshalb unter anderem Gedanken darüber, ob der Erweiterungsbau des Kindergartens und der Neubau eines DGH in Form eines Kombibaus machbar wäre. Der Kombi-Neubau von DGH und Kita erscheint aber als nicht finanzierbar. Im Januar 2021 wurden die Kosten hierfür noch mit 2,1 Millionen Euro kalkuliert. Diese Summe ist mit Ausbruch des Ukraine-Kriegs jedoch nicht mehr haltbar.
Die Römerhaus-Kette kam über Verbandsbürgermeister Björn Bernhard ins Spiel. Der teilte den Räten mit, dass Römerhaus vor allem daran interessiert sei, auf dem Areal des DGH zu bauen. Die Dorfspitze beschloss daraufhin, den Versuch zu starten, den Interessen von Kita, Römerhaus und Dorfgemeinschaft an einem DGH gerecht zu werden.
Michael Straub, Geschäftsführer von Römerhaus, stellte sich dem Rat im nichtöffentlichen Teil der Sitzung am 28. September vor, zum Gedankenaustausch, wie es heißt. Schon im Vorfeld vermittelte Straub, dass Römerhaus die drei Kern-Interessen von Bechhofen – den Bau der Kita, das Ersetzen des maroden DGH und die Ansiedlung eines Pflegeheims – berücksichtigen will. Das führte zu einer weiteren nichtöffentlichen Sitzung des Bechhofer Rats im November. Denn nun scheinen die bisherigen Beschlüsse zugunsten eines Ergänzungsbaus der Kita am DGH endgültig nicht mehr zielführend zu sein. Hinzu kommt, dass das Kita-Hauptgebäude nur noch eine ungefähre Nutzungsdauer von zehn Jahren hat. Womit sich Bechhofen wohl ab 2032 erneut der Standortfrage für einen Kindergartenneubau stellen müsste.
Kita-Bau am Ende der Mühlstraße?
Sollte man mit Römerhaus einig werden, zieht der Rat in Erwägung, den Kita-Erweiterungsbau an das Ende der Mühlstraße, Richtung Friedhof, zu verlegen. Dort könnte auch in zehn Jahren weitergebaut werden, wenn das Haupthaus außer Betrieb genommen werden muss. Da zuvor der Flächennutzungsplan geändert werden muss – das entsprechende Gelände an der Mühlstraße liegt im Außenbereich – würde sich die an der Schmittenflur für 2023 vorgesehene Erweiterung um drei weitere Jahre verzögern.
Die Zeit bis dahin plant der Rat wohl durch Container auf dem Gelände der Rollschuhbahn oder auf dem alten Friedhof zu überbrücken. Der alte Friedhof oder der Kinderspielplatz an der Schmittenflur könnten wiederum zum Standort einer kleinen Mehrzweckhalle werden, die das DGH ersetzen soll.
Damit stellen sich aber weitere Fragen. In den Planungen im Zusammenhang mit dem DGH ist von einem Haus mit Minimalanforderungen die Rede. Was zu Befürchtungen führt, dass beim Neubau eines solchen Minimal-DGH auf den Bau eines Saales für Veranstaltungen und Versammlungen verzichtet werden könnte.
Ersatz schaffen für Sport- und Freizeitgelände
Der Rat bewertet derzeit die Vor- und Nachteile, die sich aus dem Römerhaus-Neubau am Schulzentrum ergeben könnten. Vorteile sieht er in der Aufwertung der Infrastruktur und in einem kostenneutralen Abriss des alten DGH, in damit verbundenen Einsparungen, in der Schaffung von etwa 50 Arbeitsplätzen und einem erhöhten Gewerbesteueraufkommen. Nachteilig wäre der Verkauf des gemeindeeigenen Grundstücks an der Schmittenflur und der damit verbundene Verlust von Sport-, Freizeit- und Veranstaltungsflächen. Es sei deshalb unumgänglich, in unmittelbarer Nähe Ersatzflächen, auch für die Dorfjugend, zu finden. Der Rat scheint sich auch bewusst zu sein, dass er für die Römerhauspläne eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung finden muss.
Das sind Gedanken, die auch bei der wiederum nichtöffentlichen Ratssitzung am Montagabend, auf der Tagesordnung stehen dürften. Mit den Recherchen der RHEINPFALZ konfrontiert, räumt Paul Sefrin die mögliche Römerhaus-Ansiedlung ein. Zum aktuellen Stand will sich der Bürgermeister aber noch nicht äußern. „Uns allen ist bewusst, durch die Initiative für die Rollschuhbahn, dass es hier um mehr geht als deren Erhalt. Das hat der Gemeinderat damals erkannt.“ Die Ansiedlung von Römerhaus müsse wohl überlegt sein. Der Rat müsse noch ein bisschen Zeit finden und Fakten einholen. Sefrin: „Wir als Gemeinderat verstehen die mögliche Ansiedlung als Chance und müssen nun zukunftsweisende Entscheidungen treffen.“