Herxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wohnen im Alter: Förderprojekt soll Gemeinde unterstützen

Das Projekt Wohnpunkt RLP soll Gemeinden helfen, attraktive Wohnformen für Senioren zu entwickeln.
Das Projekt Wohnpunkt RLP soll Gemeinden helfen, attraktive Wohnformen für Senioren zu entwickeln.

Die Gemeinde Herxheim erhält vom Land Rheinland-Pfalz den Zuschlag für ein Förderprogramm. Ein Jahr lang wird der Ort professionell unterstützt, um für Senioren lebenswert zu bleiben. Was soll sich in den nächsten Jahren verändern?

Waltraud Czorny ist 85 Jahre alt und lebt in einem Seniorenwohnhaus in Herxheim. „Ich fühle mich hier sehr wohl drin“, sagt die Witwe. Sie zog 2011 nach Herxheim, da ihre Tochter hier lebt. Czorny wohnt zur Miete in einer Zweizimmerwohnung im ersten Stock. „Das schöne ist, dass es einen Fahrstuhl gibt!“

Die Senioren laufen sich auf den Gängen über den Weg oder man trifft sich auf der Bank im Eingangsbereich. „Man kennt sich. Fast jede Wohnung hat einen anderen Besitzer. Das ist aber schön!“ Etwa 35 Wohnungen mit einem, zwei oder zweieinhalb Zimmer gibt es in dem Gebäude. Leistungen wie Essen auf Rädern oder Pflegedienst können separat hinzugebucht werden. Eine Person, die jederzeit ansprechbar ist, wie eine Pflegeperson oder einen Arzt, gibt es allerdings nicht. Eine Reinemachefrau kommt regelmäßig ins Haus. Und es gibt einen Raum zum Feiern. Czorny kocht sich noch selbst. Seit vorigem Jahr hat sie im Knie und im Rücken Beschwerden. Eigentlich hat sie regelmäßig an Vorträgen im Haus der Begegnung teilgenommen, aber seit Corona macht sie das nicht mehr. „Je älter man wird, desto mehr Angst hat man, was so auf einen zukommen kann.“ Einer der letzten Vorträge, die sie gehört hat, wurde von einem Arzt gehalten. Es ging um Demenz. Das Programm bekommen die Bewohner des Hauses regelmäßig von der Seniorenbeauftragten vorbeigebracht. Deren Büro ist im Haus der Begegnung, das sich direkt neben dem Wohnhaus befindet.

Projekt Wohnpunkt

Die Seniorenbeauftragte von Herxheim, Caroline Schachtschabel, ist „eine der wenigen hauptberuflichen Seniorenbeauftragten landesweit und seit 2020 in Teilzeit im Amt“, sagt sie. Schachtschabel koordiniert außerdem die Ehrenamtsbörse Altern A(k)tiv. „Hierbei geht es um Nachbarschaftshilfe, die nicht in Konkurrenz zu Firmen steht. Mal eine Lampe anbringen. Oder Besuchsdienste zweimal die Woche, wenn die Kinder in Urlaub gehen“, erklärt sie. Während des Lockdowns führte Schachtschabel oft Fenstergespräche mit den Bewohnern, die vorbeikamen. Sie führt auch viele Telefonate. Ihr Büro hat sie im Haus der Begegnung, direkt neben dem seniorengerecht erbauten Gebäude, in dem Menschen ab 55 Jahren leben. „Entlang der Hauptstraße sollte es mehr solcher Wohngelegenheiten geben“, meint sie.

Damit es bald mehr seniorengerechte Wohnungen in Herxheim gibt, hatte sich der Ort für das Projekt Wohnpunkt beworben und bekam für dieses Jahr den Zuschlag. „Wohnpunkt ist ein Förderprogramm vonseiten des Landes. Man bekommt ein Jahr lang professionelle Beratung, damit sich die Gemeinde weiterentwickeln kann und für Senioren lebenswert bleibt“, so umschreibt die Herxheimer Ortsbürgermeisterin Hedi Braun das Projekt „Wohnpunkt RLP – Wohnen mit Teilhabe“, das gerade hier in Herxheim startet. Für die Koordination des Projektes ist die Landesberatungsstelle Neues Wohnen beim Landesamt für Jugend, Soziales und Versorgung Rheinland-Pfalz zuständig.

Wie muss Wohnraum in Zukunft aussehen?

Weitere sechs rheinland-pfälzische Kommunen erhalten ebenfalls in diesem Jahr die Landesförderung durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung. Hierfür können sich jährlich Ortsgemeinden und Kleinstädte bis etwa 10.000 Einwohner bewerben, die barrierefreien, bezahlbaren Wohnraum mit Pflegemöglichkeiten für Senioren schaffen wollen. In der Südpfalz werden 2022 neben Herxheim die Orte Steinweiler und Leimersheim beratend begleitet und in der Planung unterstützt.

„Wir brauchen Wohnformen, die zwischen alleine zu Hause wohnen und dem Altenheim liegen“, sagt die Bürgermeisterin. Da Herxheim eine große Gemeinde ist, sei es wichtig, „dass man das mit professioneller Hilfe angeht“. Die Unterstützung kommt von der Beratungsfirma Plankultur in Landau. Braun sagt, Herxheim brauche künftig nicht nur mehr Wohneinheiten für Ältere, sondern generell für alleinstehende Personen. „Dies bedeutet wesentlich kleinere Wohnungen.“

Die Prognosen zur Demografie der Gemeinde Herxheim besagen, dass der Anteil der über 65-jährigen bis zum Jahre 2040 um fast 30 Prozent steigen wird – gemessen ab dem jetzigen Zeitpunkt, erklärt Braun. „Herxheim wird um etwa 4,8 Prozent wachsen.“ Aktuell sind etwa 1900 Menschen über 65 Jahre alt. 2040 werde diese Zahl auf etwa 3000 steigen, so die Prognosen. Braun gründete eine Arbeitsgruppe, die mit der Beratungsfirma zusammenarbeitet. Einige der Themen sind: Wie muss Wohnraum in Zukunft aussehen? Welche Dienstleistungen gibt es, damit Senioren selbstbestimmt zu Hause leben können? Außerdem versucht die Gemeinde, einen Investor im Bereich Pflege und Unterstützung zu finden. Weitere Punkte sind barrieregerechter Wohnraum und „was muss der Ort schaffen, um attraktiv zu bleiben?“ Hierbei ist die Versorgung mit Basisdienstleistungen wie Lebensmittelgeschäften, Ärzten und Apotheken gemeint. „Damit die Senioren eine gute Lebensqualität haben.“

Viele Bürgerbefragungen

Die Seniorenbeauftragte Schachtschabel ist Teil der Arbeitsgruppe, die am Projekt mitwirkt. Bei Wohnpunkt gehe es darum, „welche Wohnformen haben wir schon in Herxheim, welche brauchen wir, und wie kommen wir dahin“, sagt sie. Senioren-Wohngemeinschaften könne sie sich gut vorstellen. Bei der ersten Besprechung zwischen der Beratungsfirma und der Arbeitsgruppe am 29. März wurde festgelegt, eine Bürgerbefragung für alle Einwohner ab 50 Jahren zu starten. Dazu wird ein Fragebogen im Amtsblatt veröffentlicht, an dem sich Interessierte beteiligen können.

Zurück zum Projekt Wohnpunkt. Was konnten Gemeinden, die bisher am Projekt teilnahmen, konkret umsetzen? Klingenmünster bekam letztes Jahr den Zuschlag für das Projekt Wohnpunkt RLP. Ortsbürgermeisterin Kathrin Flory: „Ein Jahr lang fanden Bürgerbefragungen und Treffen des Projektteams statt. Wir bekamen einen sehr guten Rücklauf. Viele Daten wurden erfasst.“ Erwünscht sei unter anderem ein Dorftreff. Hierfür wird das ehemalige Tourismusbüro in Betracht gezogen. Ein größeres Projekt sind seniorengerechte Wohneinheiten. Diese sollen in dem Gebäude des jetzigen Einkaufsmarkts entstehen, der demnächst umzieht. „In das Gebäude sollen barrierefreie Wohnungen, Servicewohnungen und eine Wohnpflegegemeinschaft kommen, in der bis zu zwölf Personen leben.“ Klingenmünster wurde auch für die zweite Phase bei Wohnpunkt RLP, die Umsetzungsphase, ausgewählt und wird nun bis zu zwei Jahre weiterhin unterstützt.

Caroline Schachtschabel
Caroline Schachtschabel
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