Bad bergzabern
Verschuldet, und nun?
Werner Ertel hilft im Rahmen seiner ehrenamtlichen Arbeit bei der Protestantischen Kirchengemeinde seit neun Jahren Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen in finanzielle Schieflage geraten sind. Bis 2010 hat er im gewerblichen Kreditgeschäft bei einer Bank gearbeitet. Er versteht es, Ordnung in Finanzen zu bringen und Lösungen für Geldprobleme zu finden. Schon oft habe er alleinstehende Menschen beraten, die mit der Bürokratie überfordert waren, sagt er. Ertel erinnert sich beispielsweise an eine alleinerziehende Mutter mit zwei kleinen Kindern. „Sie hatte eine ganze Kinderbadewanne voll ungeöffneter Post“, berichtet der Pfälzer. Der Frau habe der Mut gefehlt, die Briefe zu öffnen. Schließlich half er ihr dabei. Ertel unterstützte die Mutter außerdem, Ordnung in ihr Chaos zu bringen. „Wir konnten die Schulden dann mit einer Nachzahlung des Jobcenters bezahlen, von der die junge Frau gar nicht wusste, dass sie ihr zustand“, berichtet Ertel.
Hilfe für Jung und Alt
Weil er den Bedarf einer ehrenamtlichen Schuldenberatung in der Region sah, initiierte er zusammen mit anderen Gemeindemitgliedern das Büro Lichtblick. Nach einem Jahr Vorbereitungszeit kann es nun losgehen. Das Team bilden sechs Ehrenamtliche, die Menschen bei den unterschiedlichsten bürokratischen Problemen nachhaltig unterstützen wollen. Für das Angebot gibt es keine Altersbeschränkung. Das Büro Lichtblick hilft jungen Menschen, bei denen sich beispielsweise durch den unerfahrenen Umgang mit Geld Schulden aufgetürmt haben. Oder betagten Menschen, bei denen der Partner verstorben ist, der sich ausschließlich um die Finanzen gekümmert hat.
Alte Unterlagen sichten, ordnen, eingehende Post beantworten und nach Lösungen suchen, wenn es Probleme gibt – das alles haben sich die Ehrenamtlichen zur Aufgabe gemacht. „Bei nicht aufzulösenden Verschuldungssituationen arbeiten wir mit der zuständigen Schuldnerberatung der AWO in Landau zusammen“, informiert Ertel. Das Büro Lichtblick unterstützt Betroffene auch zu Themen wie Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung oder Notfallkarte.
Nachhaltige Unterstützung
Wichtig ist dem Team, dass die Unterstützung nachhaltig ist. Zusammen mit den Hilfesuchenden wollen die Ehrenamtlichen nach Ursachen der Misere forschen. Ihr Ziel sei es schließlich, diese zu beseitigen. Ein Beispiel: Ein gerade abgetragener Schuldenberg eines jungen Mannes, soll sich nicht wieder auftürmen, nur weil dieser nie gelernt hat, mit Geld umzugehen. „Die Unterstützung kann sich durchaus über einen längeren Zeitraum erstrecken“, erklären die Ehrenamtlichen. Auf etwas legen sie besonders großen Wert: „Der Klient muss unbedingt selbst mitwirken, das ist für eine Begleitung zwingend erforderlich, nur dann kann das Ziel einer umfangreichen Unterstützung erreicht werden“, betonen Werner Ertel, Seniorenreferent Rainer Brunck und Dekan Dietmar Zoller.
Weiterhin zum Team gehören: André Ammon, der bis zur Rente in der Finanzverwaltung tätig war, Ursula Hagenbusch, medizinisch-technische Assistentin, Hans- Jürgen Konschak, Jurist, sowie Gudrun Wagner-Scherer, ehemalige Unternehmerin und Fachfrau für Mietangelegenheiten.