Venningen
Sarah Anton kämpft für Erhalt ihrer Pension für Tiere in Not
Die „Rezeption“ des Tierhotels in Venningen ist rund um die Uhr besetzt. Wenn Sarah Anton mal wieder eine Rettungsfahrt für Vierbeiner unternimmt, kümmert sich ihr Mann um die Tiere. Er ist ansonsten nahe München beruflich tätig, wo die Antons auch seit Jahren wohnen.
Auf die Idee, das Haus der Familie in eine Tierpension zu verwandeln, kam Sarah Anton vor etwa einem Jahr, nachdem zunächst ihre Schwiegermutter und dann ihr Schwiegervater, den sie zuvor noch gepflegt hatte, gestorben waren. „Schon als ich das erste Mal hierher kam, habe ich mich in dieses Haus verliebt. Es ist ideal, um Hunde und Katzen betreuen zu können“, sagt die Tierschützerin.
Schon über 100 Tiere gerettet
Anton kümmert sich um verletzte und ausgesetzte Tiere sowie um solche, die herrenlos sind oder herumstreunen. Bei Letzteren lassen sich die Besitzer, ebenso wie bei ausgesetzten Tieren, oft nicht feststellen, da die Vierbeiner nicht gechipt sind und keine Hundemarke tragen. Auch holt sie Tiere mit ihrem Transporter aus dem östlichen Ausland, beispielsweise aus Serbien oder Rumänien, um sie dort aus schlimmsten Haltungsbedingungen zu befreien. In Bosnien habe sie bereits 100 Tiere gerettet, erzählt Anton. Sie päppelt diese dann wieder auf und vermittelt sie an tierliebe Menschen.
Das Ganze wird vom Tierschutzverein „SOS Tiere in Not“ organisiert, den sie selbst vor gut zehn Jahren gegründet hat. Sie und ihr Mann stecken viel Geld in ihren Verein und freuen sich deshalb über jede Spende. Denn Zuschüsse von öffentlicher Hand gibt es nicht. Und die Betreuung pro Tier verschlingt mitunter mehrere Hundert Euro, wie Anton erzählt. Denn manchmal sind die Tiere so verletzt, dass ein Tierarzt zur Behandlung hinzugezogen wird.
Tierschutz ist heute ein Ganztagsjob für sie
Ihr Faible für Tiere wurde Sarah Anton in die Wiege gelegt, wuchs sie doch auf einem Bauernhof in Bosnien auf. Dort sah sie auch, wie Tiere geschlachtet wurden. Das seien für sie einprägsame Erlebnisse gewesen, erinnert sie sich. Als sie noch ein kleines Kind war, zog die Familie nach Bad Tölz in Bayern um. Später war sie als Chemie-Technikerin tätig, führte sechs Jahre eine Diskothek und arbeitete viele Jahre in einem Büro. Dann engagierte sie sich mehr und mehr als Tierpflegerin und -schützerin, was heute für sie ein Ganztagsjob ist.
Mittlerweile hat sie ein Gespür für das Verhalten der Vierbeiner: „Je mehr Hunde zusammen sind, desto ruhiger bleibt es, da sich die Tiere gegenseitig beruhigen.“ Sollte es dennoch mal zu vermehrtem Bellen kommen, hat sie dies im Griff. Ein kurzes, bestimmt gerufenes „Ruhe!“ – und schon ist nichts mehr zu hören. Sie hat festgestellt, dass Tiere, die in einem Haus leben, viel leichter zu vermitteln sind als Tiere aus Zwinger- oder Käfighaltung. Dass ihre Tiere praktisch aufs Wort gehorchen, dürfte auch der Grund dafür sein, dass es bislang keine Beschwerden von Nachbarn gab. Zumindest hat Sarah Anton davon noch nichts mitbekommen, wie sie sagt.
Gemeinde hat Tierpension abgelehnt
Für den Gemeinderat von Venningen ist aber genau dieser mögliche Geräuschpegel aus Rücksicht auf die Nachbarn der Grund, Antons Antrag auf Umnutzung des Wohnhauses in eine tierheimähnliche Einrichtung abzulehnen. Anton mag diese Bezeichnung überhaupt nicht, weshalb sie lieber von einer Tierpension spricht.
Offiziell weiß sie noch gar nichts von der Ablehnung, berichtet Anton im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Sie hatte den Antrag gestellt, um das Ganze auf sicherere Füße zu stellen. Sie will das Gespräch mit Ortsbürgermeister Jürgen Leibfried suchen, um anzufragen, wie sie weiter vorgehen muss, damit ihr „Heim für Tiere“ erhalten bleibt. Die Initiative, die Tierpension offiziell genehmigen zu lassen, ging von ihr aus. Sie stellte einen Antrag bei der Verbandsgemeinde-Verwaltung, die diesen an die Ortsgemeinde weitergab. Wie Leibfried auf Anfrage der RHEINPFALZ erklärt, hat der Gemeinderat das Vorhaben zwar abgelehnt, die endgültige Entscheidung liege aber bei der Kreisverwaltung Südliche Weinstraße. Die Behörde muss prüfen, ob die Einrichtung der Anlage in einem allgemeinen Wohngebiet überhaupt zulässig ist.
Vierbeiner werden an tierliebe Menschen weitervermittelt
In Venningen stehen alle Räume im Haus sowie die Nebengebäude und der große Garten für die Tierhaltung zur Verfügung. Die Tiere können ungehindert durch das Haus streunen. Auch weiterer Auslauf ist garantiert, grenzt der Garten doch an das offenliegende Feld. Bis zu viermal ist Anton schon in den frühen Morgenstunden unterwegs, um die Hunde in Gruppen auszuführen.
Viel Zeit nimmt sie sich für die Zubereitung des Futters. So kauft sie unter anderem Fleisch und Gemüse ein, bereitet dies selbst zu, damit ihre oft geschwächten Gäste schnell wieder zu Kräften kommen. Da ihr dies offensichtlich gut gelingt, bleiben die Tiere meist nur zehn bis zwölf Tage in der Pension und können dann weitervermittelt werden. Viele Bekannte kennen Antons Verein und geben ihre Adresse gerne an Menschen weiter, die sich für ein Tier interessieren. Sollte das neue Frauchen oder Herrchen dann aber doch mit der Betreuung überfordert sein, kann sie oder er das Tier zurückbringen. Eine Weitergabe der Tiere an Dritte ist aber nicht erlaubt, das ist vertraglich festgelegt.
Info
Sarah Anton ist telefonisch zu erreichen unter 0171 1514532 oder 06323 8032151.