Vorderweidenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Pfarrer Berthold: Der „Autoschrauber“ geht in den Ruhestand

Pfarrer Johannes Berthold will sich nach einer Pause dort einsetzen, wo er gebraucht wird.
Pfarrer Johannes Berthold will sich nach einer Pause dort einsetzen, wo er gebraucht wird.

Ende diesen Monats geht Pfarrer Johannes Berthold in den Ruhestand. Nach 37 Jahren in denen er viel bewegt hat. Und vieles hat ihn bewegt. Er ist und war Seelsorger, Feuerwehrmann, Geschäftsmann und Autoschrauber.

Mit welchem Gefühl er geht, das will er nicht plakativ beantworten. Aber er denkt lange nach. „Ich hoffe, ich habe meine Arbeit richtig gemacht und Glauben so gelebt, dass er Vorbild sein kann“, sagt Pfarrer Johannes Berthold vor der Friedenskirche in Vorderweidenthal, in der er 37 Jahre lang gepredigt hat. Mit der Kirchengemeinde hat er das angrenzende Gemeindehaus gebaut, das für viele Veranstaltungen genutzt wird.

Bertholds erste Pfarrstelle ist gleich die zweitgrößte in der Landeskirche. Angetreten hat er sie am 16. Oktober 1985 mit 28 Jahren. Mit damals rund 1600 Gemeindemitgliedern, heute noch 1100, in 12 Gemeinden. Das Pfarrhaus unweit der Kirche ist damals noch nicht fertig renoviert und in den ersten Wochen ist er allein. Seine Frau Rosemarie und die zwei kleinen Kinder Matthias und Daniel kommen nach, Tochter Annette wird später in Vorderweidenthal geboren.

An sein Anfangsgehalt kann sich Johannes Berthold noch erinnern, es waren 1700 Mark. Er tritt in große Fußstapfen, denn sein Vorgänger Karl Jockers, der die Pfarrstelle 25 Jahre innehatte, war sehr beliebt. „Ich wurde teils 20 Jahre später noch mit Herr Jockers angesprochen, für die Gemeinden war es schwierig, sich auf mich einzustellen“, erinnert sich Berthold. Er fühlt sich wohl und bewirbt sich nach zehn Jahren auch nicht auf eine neue Stelle, was er gekonnt hätte. „Man hinterlässt keine Baustelle“, ist sein Grundsatz. Ohne seine Frau Rosemarie, die ebenfalls Theologie studiert hat und unter anderem lange die Kindergottesdienste und den Frauenkreis geleitet hat, hätte er das ganze Pensum nicht geschafft. Denn eines kommt zum anderen. Zusätzlich zu den Tausenden von Predigten, den 395 Taufen, 64 Hochzeiten und 690 Beerdigungen, die er in 37 Jahren in 12 Gemeinden abgehalten hat.

Ausdrücklich möchte er die „tollen“ katholischen Kollegen loben, mit denen er zusammengearbeitet hat, Ökumene ist ihm wichtig. Als Pfarrer unterrichtet Berthold in der Schule in Bad Bergzabern, ist lange Vorsitzender des Bezirksdiakonieausschusses und zehn Jahre im Hauptausschuss des Diakonischen Werkes. Zehn Jahre lang ist er Vertreter des Dekans in Bad Bergzabern und mehr als eine Dekade Vorsitzender der Sozialstation Annweiler-Bad Bergzabern. Wo er sich als guter Geschäftsmann erweist. Nach dem Riesenkrach um die Schließung des einstigen Altenheims des Kreises am Schloss kauft die Sozialstation unter seinem Vorsitz 2015 das Anwesen. Zudem ist Berthold 30 Jahre lang zuständig für Lektoren und Prädikanten im Dekanat, sechs Jahre ist er Jugendpfarrer. „Eine 40-Stunden-Woche klappt nicht, es gibt Tage, da sind es schon mal vier Stunden, aber dann auch wieder 14 Stunden“, sagt Berthold. Und dass das alles ohne die Unterstützung seiner Frau nicht funktioniert hätte.

Seit 1998 ist Berthold Mitglied in der Vorderweidenthaler Feuerwehr und hat unter anderem den Lehrgang als Maschinist absolviert. „Was sonst“, sagt er, denn in seinem Kirchenbezirk ist er bekannt als „Autoschrauber“ mit einem Faible für Oldtimer. Der auch immer wieder an den Bussen der Gemeinde „geschraubt“ hat. „Da hat sich mein Hobby doch schon gelohnt“, findet der Pfarrer. Der auch immer Pragmatiker ist und mit anpackt.

Der 1957 in Chemnitz geborene Berthold will jetzt nach dem Umzug ins ehemalige Haus seines Vaters erst mal ein Jahr „nichts“ machen. Und sich dann da einsetzen, wo er gebraucht wird. „Ich habe meine Zeit auf der Erde, da habe ich meine Aufgaben, in der Ewigkeit ist alles gut.“

Heute Abend zeltet die Dekanatsjugend rund um die Kirche, am Sonntag um 14.30 Uhr ist der Gottesdienst zu seiner Verabschiedung. Die Pfarrstelle ist neu ausgeschrieben, wird aber vor 2024 nicht besetzt.

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