Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Corona-Regeln: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Bonjour tristesse: Die Kneipen am Landauer Rathausplatz haben seit Wochen geschlossen. Und das wird wohl auch noch eine Weile so
Bonjour tristesse: Die Kneipen am Landauer Rathausplatz haben seit Wochen geschlossen. Und das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben.

Viele Menschen haben gehofft, der für November angeordnete Teil-Lockdown würde in der Adventszeit wieder gelockert. Vergeblich. Bund und Länder haben am Mittwoch eine Verlängerung beschlossen. Wie kommt das bei den Südpfälzern an?

Weil die Corona-Neuinfektionen nicht merklich zurückgegangen sind, wird der Lockdown bis mindestens 20. Dezember verlängert. Restaurants und Kneipen, Discos, Kinos und Fitnessclubs bleiben dicht. Treffen dürfen wir uns bis dahin mit maximal zwei Haushalten und nicht mehr als fünf Personen (Kinder bis 14 Jahre ausgenommen), die Maskenpflicht wird auch auf Parkplätze und den Bereich vor Läden ausgeweitet. Geschäfte sollen nur noch einen Kunden pro zehn Quadratmeter (bis 800 Quadratmeter Verkaufsfläche) einlassen, oder sogar nur einen pro 20 Quadratmeter (über 800 Quadratmeter Fläche). Schulen sollen zunächst möglichst im Präsenzunterricht weiterlaufen. Alles mit der Hoffnung, dass wir uns dann an Weihnachten und Silvester geringfügig mehr Freiheiten erlauben und uns im engsten Familien- oder Freundeskreis mit bis zu zehn Menschen treffen dürfen (Kinder bis 14 Jahre zählen nicht mit.)

Wie blicken Schulen auf ein mögliches Déjà-vu in Sachen Wechselunterricht, sollten die Infektionszahlen an der Südlichen Weinstraße über eine bestimmte Marke steigen? Zahlreiche Oberstufenschüler der elften und zwölften Klassenstufe hätten eine Online-Petition mit der Forderung nach einer Rückkehr zum Hybridmodell aus Präsenz- und Heimunterricht unterschrieben, sagt Katrin Lafaix, stellvertretende Schulleiterin des Gymnasiums am Pamina-Schulzentrum in Herxheim. „Diese Schüler sagen, sie seien groß genug, um daheim selbstständig zu lernen, das hätten sie bereits im Frühjahr bewiesen.“

Lehrerin: Schüler wollen Wechselunterricht

Sie selbst, sagt Lafaix, unterrichte in der achten und neuen Klassenstufe, und auch da sei die Tendenz ziemlich eindeutig. „Die Achtklässler sind eher ängstlich. Man merkt ihnen an, dass sie eine Entscheidung wollen, mit der sich etwas ändert.“ Ihre Neuntklässler seien da schon viel klarer. Die forderten ganz aktiv einen Wechselunterricht, weil sie in den Klassensälen nicht eng aufeinandersitzen wollten. „Die Schüler haben sogar selbstständig Gruppen gebildet und mir Vorschläge gemacht. Interessant fand ich, dass sich Mädchen und Jungen aufgeteilt haben.“

Lafaix sagt, inzwischen wären Schüler, Lehrer und auch Eltern besser auf einen digitalen Unterricht vorbereitet, als sie es noch im Frühjahr gewesen seien. Derzeit liefen für jedes Fach Probeläufe für einen Heimunterricht am Laptop. „Dennoch müssen wir da noch einige Schritte machen. Manchmal ist auch die technische Ausstattung das Problem, da bricht hier und da auch mal die Internetleitung zusammen. Deshalb könnten wir nicht einfach die Schulen wieder zusperren“, betont Lafaix.

Senioren: Durchhalten angesagt

Die Landauer Senioren-Union der CDU hat an die Menschen appelliert, Maskenpflicht und Abstandsgebot konsequent einzuhalten. „Wenn es gelingen soll, dass wir das Weihnachtsfest und auch Silvester im Kreise der Familien, mit Großeltern und Enkeln verbringen, dann kommt es in den nächsten Wochen darauf an, die Zahl von Infektionen und damit die Ansteckungsgefahr zu verringern“, sagt der Vorsitzende Manfred Thomas, „jetzt ist Durchhalten angesagt“.

Doch wie sieht das nun aus in den Familien an Weihnachten? Ist die Beschränkung auf zehn Personen ein Problem? „Bei uns nicht mehr, wir sind nur zu dritt“, sagt Andrea Zülsdorf, „früher, als meine Mutter noch lebte, war das anders.“ Ganz ähnlich äußert sich ein Passant, der seinen Namen nicht nennen mag. Für ihn und seine Frau sei die Beschränkung kein Problem. Etliche andere Passanten sind das Thema offenbar herzlich leid: Über Corona mag keiner mehr reden. Bis dann doch noch ein Mann schildert, dass es üblicherweise bei seiner 90-jährigen Mutter ein großes Familientreffen mit schätzungsweise etwa 25 Verwandten gegeben habe, sich dieses Jahr aber niemand traue, „zumindest nicht mit so vielen, und wenn, dann nur mit vorherigem negativen Schnelltest“.

Nur noch eine Minderheit reist

Wenn es nach Bundeskanzlerin Angela Merkel gegangen wäre, würde diesen Winter auch der Skiurlaub ausfallen, doch das scheitert am Widerstand ihres österreichischen Kollegen Kurz. Trotzdem spielt der Winterurlaub im Tui-Reisecenter am Weißquartierplatz in Landau keine Rolle. „Es ist ganz, ganz ruhig“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Jan Peter Hülsenbeck und spricht von vielleicht zehn Prozent des normalen Kundenaufkommens. „Es ist eine Minderheit, die noch reist“, sagt er. Und wenn, dann wollten die Leute nicht in den Schnee, sondern in die Sonne, beispielsweise nach Madeira oder auf die Kanarischen Inseln. Beide Ziele seien von Corona wenig betroffen, und dank Tests vor der Reise könne man sicher in den Urlaub fliegen. Die Rückmeldungen der wenigen Urlauber seien aber sehr positiv, nicht zuletzt auch deshalb, weil es an den Urlaubszielen sehr ruhig sei.

Die Gastronomen in der Region schauen vermutlich mit sehr gemischten Gefühlen auf die Weihnachtszeit im Zeichen des Virus, jedenfalls tut das Alexander Kurz. Er betreibt das Hotel Prinzregent in Edenkoben samt Restaurant und Cateringservice. „Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht daran, dass wir kurz vor Weihnachten aufmachen dürfen, auch wenn das jetzt die Runde macht“, sagt der Südpfälzer im Gespräch mit der RHEINPFALZ.

Gastronom: Wollen sofort loslegen

Die Hoffnung sterbe aber zuletzt. Deshalb habe er gleich nach dem Bekanntwerden der neuen Corona-Pläne seine Mitarbeiter informiert und sich mit ihnen besprochen. „Unsere 50 Leute sind alle in der Kurzarbeit. Die wollen einfach schaffen“, sagt Kurz. Deshalb wird das Prinzregent unabhängig davon, ob die Gastronomie am 20. Dezember wieder öffnen darf, ab 3. Dezember mit einem Lieferservice beginnen. „Wir wollen sofort loslegen können und jeden Tag mitnehmen, sollten Restaurants wieder öffnen dürfen“, betont Kurz.

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