Klingenmünster
Mühle, Heilanstalt, Vereinssitz: Geschichte der Kaiserbachmühle
Als „Geiszsermulen“ wird die Kaiserbacher Mühle im Jahr 1238 erstmals erwähnt. Damals vermachten Heinrich von Krobsberg und seine Gemahlin alle ihre Besitztümer der Abtei in Klingenmünster. Zum Besitz gehörte auch die zwischen Eschbach und Klingenmünster gelegene Mühle mit vier Morgen Wiesen. In einer weiteren Urkunde von 1492 fand sie als „Geysersmuhlen“ erneut Erwähnung. Das Wasser für das Mühlrad lieferte der Geizenbach – der sich im Laufe der Zeit in „Kaiserbach“ umwandelte.
Geizen deshalb, weil auf den saftigen Wiesen, durch die sich der Bach schlängelte Geizen (Geißen, Ziegen) weideten. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten Besitzer, Mühlenbetreiber und Pächter, oftmals wegen Geldschwierigkeiten, teils durch die Abgaben von Getreide oder durch größere Umbaumaßnahmen. Mal war die Mühle in privatem – mal in kirchlichem Besitztum. Nachdem Herzog Ulrich von Württemberg 1511 die Herrschaft Madenburg, zu der auch die Mühle gehörte, erworben hatte, verkaufte er seinen Besitz zwei Jahre später an seinen Neffen Bischof Georg zu Speyer. So kehrte die Herrschaft mit Mühle erneut an das Hochstift zurück. 1732 stellte der Müllermeister Hans Georg Neuß aus Waldhambach bei der Kirchenverwaltung den Antrag eine neue „oberschlechtige“ Mahlmühle zu erbauen.
Von der Mühle zum Therapiezentrum
1758 wird als Müller Johann Georg Dumser urkundlich erwähnt, er verkaufte die Kaiserbacher Mahl- und Ohl-Mühl an Johannes Hafner. 1842 gehörten dann zum Grundbesitz von Georg Jakob Hafner das Wohnhaus, die Ölmühle mit zwei Mahl- und Schälgängen, Hanfreibe, Schuppen, Pferdestall und Scheune, Schweinestall, Hof und Pflanzgarten. Schon damals ein beachtliches Areal. Über Jahrzehnte verblieb der Besitz in der „Hafnerischen“ Familie.
Die Mühle mit seinen Gebäuden und dem Gelände überstand sowohl den Dreißigjährigen Krieg als auch die Wirren der Französischen Revolution. Was bis heute allerdings von dem ursprünglichen Mühlengebäude noch existiert, ist nicht mehr bekannt. Vom letzten Mühlenbesitzer Heinrich Oettinger kaufte 1892 die Heil- und Pflegeanstalt, die 1857 südlich der Kaiserbacher Mühle eröffnet wurde, das gesamte Areal. Zur Selbstversorgung der Patienten und als Arbeitstherapeutische Einrichtung wurde aus der ehemaligen Mühle ein Landwirtschaftlicher Betrieb mit großen Viehbestand und Ackerland – der Gutshof.
Bis heute ist dieser Name gerade bei älteren Bürgern noch in guter Erinnerung, arbeiteten doch viele Männer aus der Umgebung sowohl als Pfleger wie auch als landwirtschaftliche Kräfte oder als Melker „uffem Gutshof“ der wegen seiner Lage im Tal im Volksmund auch als „Dahlmühl“ bekannt war.
Wohnsitz und Vereinshaus
Bis 1974 gehörte die Kaiserbacher Mühle als Annex zur Gemeinde Waldhambach. Nach einem Ratsbeschluss wurde das gesamte Areal am 16. März 1974 zur Ortsgemeinde Klingenmünster eingemeindet. Nachdem der Gutshof in den 1970er-Jahren seine Bedeutung als Einrichtung der Arbeitstherapie verlor, übernahm Familie Kern als Pächter das gesamte Gebiet, ließ das Obergeschoss des Hauptgebäudes umbauen und eröffnete die „Gutsschänke Kaiserbacher Mühle“, eine über die Ortsgrenze beliebte Wirtschaft. 1996 verkaufte der Bezirksverband als Eigentümer den Gutshof zunächst an Erich Krafft aus Annweiler, bereits nach zwei Jahre ging der gesamte Besitz an eine „Erwerbergemeinschaft“ über.
Neun Familien wohnen derzeit auf dem Areal, das von Wald, Wiesen und Äckern, wie schon zu Urzeiten umgeben ist. Bekannt vor allem bei Familien mit Kindern ist „Lobby für Kinder“. 1996 in Zweibrücken gegründet verlegte der Verein seinen Sitz 1999 in die Kaiserbacher Mühle. Das Ziel des Vereins ist es Kindern und Jugendlichen durch vielfältige Projekte Umwelt und Natur näher zu bringen.
Zu den Hauseigentümern gehört seit 2000 auch Familie Gebauer. 2007 machten sich die beiden Brüder Philipp und Fabian Gebauer mit ihrem Großvater auf die Spurensuche zur Geschichte der Mühle. In alten Urkunden – vor allem in kirchlichen Unterlagen und im Archiv des Pfalzklinikums fanden sie Urkunden, viele Fotos und hielten alles in einer 70-seitigen Broschüre fest. Martin Gebauer, der Sohn des mittlerweile 90-jährigen Autors hat für die Recherchen zur RHEINPFALZ-Serie die gesammelten Unterlagen zur Verfügung gestellt.
Die Serie
Fließgewässer waren für das Müllerhandwerk früher unersetzlich. An Bächen aufgereiht wie an einer Perlenkette prägten Mühlen das Landschaftsbild. Viele sind dem Mühlensterben, um die vorletzte Jahrhundertwende, zum Opfer gefallen. Welche Geschichte steckt hinter den Bauwerken in der Südpfalz? Und wie werden die Anwesen heute genutzt? Diesen Fragen gehen wir in unserer Serie „Am rauschenden Bach“ nach.