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Kein Kandidat für Amt des Ortsbürgermeisters in Sicht
Der Job als Ortsbürgermeister sei abwechslungsreich und könne viel Freude bereiten. Schön an diesem Ehrenamt sei zudem, dass mit eigenen Ideen Einfluss auf das Dorfleben genommen, dabei auch bei Bürgern die Begeisterung entfacht werden könnte. Das sagt Michael Diehl, der seit September vorübergehend die Amtsgeschäfte in Großfischlingen führt. Der erste Beigeordnete ist nach dem vorzeitigen Rückzug des Amtsvorgängers Daniel Köbler in die Rolle des Ortsbürgermeisters eingesprungen. Doch diesen Platz möchte Diehl nicht dauerhaft besetzen.
Er könne das Amt nicht so ausüben, wie er es sich wünscht, verrät Diehl: „Es ist nicht meine Art, solch eine Sache nur halbherzig anzugehen.“ Für ihn als verheirateten Familienvater mit einem Vollzeitjob würde die Zeit nicht reichen, um das Ehrenamt mit dem Berufs- und Privatleben zu vereinbaren. Deshalb werde er in der ersten Jahreshälfte 2022 die Amtsgeschäfte abgeben. Idealerweise an jemanden, der diese mindestens bis zur nächsten Kommunalwahl 2024 übernimmt. Bis vor Kurzem konnten Interessierte ihren Hut in den Ring werfen, die Wahl ist für den 16. Januar 2022 angesetzt worden. Das Problem: Es hat sich niemand beworben.
Zum dritten Mal eine Vakanz
Besonders Großfischlingen tut sich seit einiger Zeit schwer, nach einem Wechsel einen neuen Verantwortlichen zu finden. Dieses Problem zieht sich seit 2009 wie ein roter Faden durch. Damals fand sich nach der 20-jährigen Amtszeit des Ortsbürgermeisters Franz Seiller kein Nachfolger – bis sich Ratsmitglied Bernhard Spiegel von Juni 2010 bis Frühjahr 2014 in die Pflicht nehmen ließ. Für eine längere Amtszeit war er aus beruflichen und privaten Gründen nicht zu haben.
Wieder dauerte es Monate, bis eine neue Person das Ruder übernahm. Das war dann Manuel Spiegel. Er lenkte von November 2014 bis Februar 2018 die Geschicke der Gemeinde – bis auch ihn Beruf und Familie so sehr forderten, dass er vor Ende der Legislaturperiode sich zurückzog. Köbler konnte sich im Februar 2018 für das Amt begeistern, im Herbst dieses Jahres trat er aus privaten Gründen davon zurück.
„Interimszeiten nichts Ungewöhnliches“
Da es für die rund 600-Einwohner-Gemeinde trotz der wiederholten Vakanzen bislang immer gut ausging, hofft Diehl, dass sich auch dieses Mal ein Kandidat findet, der die Gemeinde vertreten möchte. „Das Thema werden wir vor Weihnachten noch einmal im Gemeinderat besprechen.“ Verbandsbürgermeister Olaf Gouasé (CDU) ist jedenfalls zuversichtlich. Interimszeiten seien nichts Ungewöhnliches. Das sei bei Unternehmen und Vereinen nicht anders, und habe es auf kommunaler Ebene schon häufiger gegeben – gerade in der Verbandsgemeinde Edenkoben.
„Aufgaben im Gemeindevorstand verteilen“
In Venningen blieb die Stelle des Dorfchefs für einige Jahr unbesetzt. Bei der Kommunalwahl 2014 hatte niemand für dieses Amt kandidiert. So kam es, dass der damalige erste Beigeordnete Jürgen Leibfried die Amtsgeschäfte führte. „Wir haben dann einen dritten Beigeordneten gewählt. Dadurch, dass jeder seine Geschäftsbereiche hatte, wurde die Aufgabe für den Einzelnen einfacher.“
Eine Aufgabenteilung habe es einst gar nicht gegeben. So, wie es heute in den Gemeinden Standard ist – ein Ortschef und zwei Beigeordnete mit jeweils eigenen Geschäftsbereichen – sei jedoch besser. „Dann sind die Aufgaben klar verteilt, die Termine können vom jeweils Zuständigen wahrgenommen werden und man muss als Ortsbürgermeister nicht immer im Vordergrund stehen“, sagt Leibfried, der sich 2017 als Ortschef wählen ließ. „Das war für mich naheliegend, da sich durch meine Wahl nicht viel verändern sollte.“
Was für ein Schicksal droht Großfischlingen?
Aktuell hat auch Roschbach keinen Ortsbürgermeister. Dort hatte Albert Birkmeyer im Sommer vergangenen Jahres die Brocken hingeworfen, zum einen aus gesundheitlichen Gründen. Zum anderen, weil die Zusammenarbeit im Gremium sich als zu schwierig erwiesen habe. VG-Chef Gouasé zufolge ist es aber ein Glücksfall, dass sich nach dem Rückzug von Birkmeyer in den ersten Beigeordneten Marco Brutscher und den im November 2020 zum zweiten Beigeordneten ernannten Achim Argus zwei Menschen fanden, die seitdem interimsweise den Karren ziehen. Ihre Arbeit, generell die Leistungen der Mandatsträger, verdienten die höchste Anerkennung.
Aber: Was droht Großfischlingen, wenn am Ende doch keiner in die Bresche springt? Nach Angaben der Kreisverwaltung Südliche Weinstraße könnte die Aufsichtsbehörde einen Vertretungsberechtigten bestellen. „Zum Beauftragten sollen nur Beamte bestellt werden, die die notwendige fachliche Eignung besitzen. Bei Ortsgemeinden kommt hierfür in erster Linie der Bürgermeister der Verbandsgemeinde oder ein anderer Beamter der VG-Verwaltung in Betracht“, teilt Kreissprecherin Marina Mandery auf Anfrage mit. Dieser Fall ist in der Südpfalz schon einmal eingetreten, und zwar nicht vor allzulanger Zeit.
Gleisweiler wurde bereits fremd verwaltet
Im Jahr 2014 hatten der damalige Ortschef Jörg Keller nach seinem Umzug nach Walsheim und dessen beiden Beigeordneten die Ämter niedergelegt. Die Gemeinde hatte das Glück, dass die Amtsgeschäfte an den damaligen stellvertretenden Kämmerer der VG, Mathias Hertel, übergeben wurden. Als waschechter Gleisweilerer kannte der Familienvater Dorf und Leute, um mehr als nur ein Verwalter im Ort zu wirken. „Das wäre in Großfischlingen für mich weitaus schwieriger gewesen“, sagt er der RHEINPFALZ.
Ausgerechnet in dieser Zeit steht Großfischlingen vor einem Großereignis: die 1250-Jahr-Feier. Um die Festivitäten muss sich laut Beigeordneten Diehl aber keine Sorgen gemacht werden. „Wir haben dazu einen Ausschuss, der sich darum kümmert.“ Und was den Posten des Ortsbürgermeisters angeht, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Sollte sich ein Kandidat noch melden, kann er bis acht Wochen nach dem Wahltermin, also bis März 2022, noch ins Amt gewählt werden – dann allerdings vom Gemeinderat und nicht mehr vom Volk.