Gleisweiler
Glasfaser für Trifelsblickhütte?
Weil sich der Breitbandausbau in Randgebieten von Kommunen für Unternehmen wegen der zu geringen Erlöse nur selten wirtschaftlich lohnt, fördern Bund und Land diese Projekte. Damit Firmen aus der Telekommunikationsbranche auch abgelegene Haushalte und Gebäude mit schnellerem Internet versorgen. In betreffenden Gebieten der Südpfalz verlegt die saarländische Firma Inexio die Leitungen. Sie sollte die Trifelsblickhütte bei Gleisweiler auf den neuen Stand bringen – sollte.
Kaum hatte der Ausbau begonnen, hat die Gemeinde die Arbeiten stoppen lassen. Ortschef Thorsten Rothgerber berichtet: „Das hätte einfach keinen Sinn gemacht.“ Das Haus habe weder Ver- noch Entsorgungsleitungen, soll dann aber über schnelles Internet verfügen? Er schüttelt den Kopf.
Hütte sollte eine Stromleitung erhalten
Eigentümerin der Hütte ist die Gemeinde. Sie hat das Gebäude der Ortsgruppe des Pfälzerwald-Vereins (PWV) in Erbpacht zur Verfügung gestellt. Deren Mitglieder bewirtschaften es an Wochenenden und Feiertagen. Die Gemeinde wurde vor etwa anderthalb Jahren darüber informiert, dass die Hütte ans Glasfasernetz angeschlossen werden könne. Der betreffende Abschnitt sei etwa fünf Kilometer lang. Der Gemeinderat habe zwischenzeitlich gehofft, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.
So hatte sie geprüft, ob im Zuge der für die Glasfaser nötigen Tiefbauarbeiten auch Versorgungsleitungen verlegt werden können. Aus Kostengründen wurde diese Idee verworfen. „Wir hätten keine Kosten eingespart, weil dann ein tieferer Graben hätte gebuddelt werden müssen“, so Rothgerber. Allein für Wasser und Abwasser hätten 200.000 Euro aufgewendet werden müssen, weshalb sich nach einer Ortsbegehung mit den Pfalzwerken und Verantwortlichen der VG-Verwaltung dagegen entschieden wurde. Somit geriet auch der Glasfaserausbau in Vergessenheit – bis nun kurzfristig reagiert werden musste. Die Kommune wurde jedoch von den Arbeiten überrascht. Revierförster Jörg Sigmund wusste ebenso wenig vom Baustart. „Sie hätten dabei den frisch sanierten Weg aufreißen müssen, das wäre schon ärgerlich gewesen.“
Welche Vorteile die VG-Verwaltung sieht
Nach Angaben von Inexio, das mittlerweile unter dem Dach der Firma Deutsche Glasfaser GmbH lebt, sei sich „sehr spät“ mit der Kreisverwaltung auf einen Baustopp verständigt worden. Zu dem Zeitpunkt war die Baustelle bereits eingerichtet. Die Initiative, die Trifelsblickhütte mit Glasfaser auszustatten, ging allerdings nicht von Inexio aus. Nach Angaben der Kreisverwaltung wurden für den geförderten Ausbau vorab Gebiete festgelegt.
Ermittelt wurden dabei „weiße Flecken“, also Adressen, wo eine zu geringe Internetverbindung besteht. Abgestimmt wurden die Flächen mit den Verbandsgemeinden. Die Verwaltung in Edenkoben argumentiert: Da viele Hütten schon seit Jahrzehnten über einen Telefonanschluss verfügen, sei der Glasfaseranschluss der nächste Schritt. „Die Gesellschaft wird immer mehr digital. Wenn an einer Hütte Glasfaser liegt und die Betreiber smarte Geräte einsetzen können, bringt dies für diese auch Vorteile.“
Coronabedingt neue Geräte angeschafft
PWV-Vorsitzender Harry Kühlmeyer jedenfalls kann das Ganze nicht nachvollziehen. Gerade, weil es sich in Gleisweiler um eine autarke Hütte handele. Der Strom werde durch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und ein mit Gas betriebenes Aggregat gewonnen. Kühlmeyer berichtet: „Wir haben schon mehrmals die Hütte mit Ver- und Entsorgungsleitungen ausstatten wollen.“ Doch das Vorhaben sei aus finanziellen Gründen gescheitert. Kalkuliert wurde anfangs mit 70.000 Euro. Am Ende war von 250.000 Euro die Rede. Solche Kosten könne der Verein unmöglich stemmen. Zumal der PWV in den vergangenen zehn Jahren für diverse Modernisierungsprojekte einen sechsstelligen Betrag habe aufwenden müssen.
Die Gemeinde Gleisweiler hat die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben, die Trifelsblickhütte an das Versorgungsnetz anzuschließen. Gerechnet wird mit einem Betrag von 250.000 Euro. Also nicht viel weniger, als mit dem Glasfaserausbau nötig gewesen wäre. Aber dafür könne das Projekt nun in den Doppelhaushalt 2022/23 eingestellt und mit der Verwaltung und der Kommunalaufsicht abgestimmt werden. Klar sei aber: „Die Summe können wir aber nur mit Hilfe des Vereins stemmen“, sagt Rothgerber. Ob die PWV-Gruppe dazu imstande sein wird, ist laut Kühlmeyer fraglich.
Es gibt aber auch kreative Ideen, das Problem zu lösen. Der Wanderclub Nello sammelt Spenden für eine neue Versorgungstrasse vom Hüttenbrunnen zur Nello-Hütte auf dem Kesselberg. Auf 1616 Meter werden Trinkwasser, Abwasser, Strom und Glasfaser verlegt. Die Kosten belaufen sich auf rund 130.000 Euro. Der Bezirksverband Pfalz hat dem Club einen Zuschuss von 35.000 Euro zugesagt.