Bornheim RHEINPFALZ Plus Artikel Freizeitcenter bleibt länger bestehen als gedacht

Dirk Fibitz am Teich, der sich auf dem Miniholf-Platz des Freizeitcenters in Bornheim befindet.
Dirk Fibitz am Teich, der sich auf dem Miniholf-Platz des Freizeitcenters in Bornheim befindet.

Dirk Fibitz und sein Team vom Freizeitcenter hatten sich darauf eingestellt, im Laufe des Jahres das Feld zu räumen. Die Anlage soll für Wohn- und Geschäftshäuser weichen. Für den Pächter geht es aber in die Verlängerung – mit offenem Ende.

Little Chicago, übersetzt Klein-Chicago, heißt im Freizeitcenter Bornheim der Raum, in dem Besucher Billard spielen können. Als der Reporter eintrifft, ist Dirk Fibitz am Einsortieren des Kugelsets, das er neu angeschafft hat. Eine Kundin habe an den bisherigen Spielbällen etwas auszusetzen gehabt, weshalb er kurzerhand Ersatz organisiert habe. Obwohl er weiß, dass die Kugeln dort nur noch auf absehbarer Zeit versenkt werden. Der Abriss der Anlage am Hornbach-Zentrum ist beschlossene Sache, es soll für Wohn- und Geschäftshäuser Platz gemacht werden.

Damit sich die Gäste bis zum letzten Tag wohlfühlen, soll es ihnen aber an nichts fehlen, betont Dirk Fibitz. Deshalb werde er auch nicht gegenrechnen, ob sich diese oder jene Investition noch lohnt. Um ein weiteres Beispiel zu nennen: Der aus Mannheimer stammende Pächter hat für einen weiteren Springbrunnen knapp 70 Euro bezahlt. Für eine Fontäne im Teich, draußen auf dem Minigolf-Platz. Dort werden sich mehr Paare und Familien tummeln als gedacht. Denn die Zukunft des Freizeitcenters ist bis Jahresende gesichert. Bis dahin können Gäste munter Bowling, Minigolf und Co. spielen und im Restaurant schlemmen.

Vor zwei Jahren eingestiegen

Als Dirk Fibitz 2021 den Pachtvertrag unterschrieb, wusste er, dass es ein Gastspiel auf Zeit sein wird. „Ich feiere im Mai meinen 50. Geburtstag. So gesehen, hätte das baldige Ende einen neuen Lebensabschnitt bedeuten können“, sagt Dirk Fibitz, der losgelöst vom Geschehen in Bornheim Gespräche mit den Verantwortlichen eines Tennisclubs aus dem Landkreis SÜW führt, um deren Gaststätte zu übernehmen.

Das Freizeitcenter soll für Geschäfts- und Wohnhäuser weichen.
Das Freizeitcenter soll für Geschäfts- und Wohnhäuser weichen.

Hatte der Unternehmer anfangs noch mit den coronabedingten Einschränkungen zu kämpfen, herrsche seit einiger Zeit wieder richtig Leben in der Bude. Gerade viele Familien finden den Weg nach Bornheim. So hatte kürzlich eine Schulklasse auf der Außenanlage gezeltet und „in Piratenmanier“, so Fibitz, das Gebäude eingenommen. Die Pfälzer seien unternehmungslustig. Und sie seien dankbar, was er auch am Trinkgeld festmacht: „Eine Mitarbeiterin hat letztens doppelt so viel an Trinkgeld eingenommen als an Stundenlohn.“ Und der 49-Jährige, das merkt man ihm an, möchte weiter Gas geben: „Wir sind keine Lückenbüßer, sondern haben Bock auf das Ganze hier.“

Selbst wenn er auf dem Papier ein Einzelunternehmer ist, spricht der Mannheimer nur von „wir“ und „uns“. Hierarchien gebe es bei ihm nicht, auch nicht in seinen beiden Gaststätten im Landkreis Germersheim: das Schützenhaus in Steinweiler und die Tennisstube in Bellheim. „Ich bin überzeugt, dass diese Rollenverteilung im Gastgewerbe nicht mehr funktionieren wird“, sagt Dirk Fibitz. Es sei in der Branche schwer genug, an Personal zu kommen. Er selbst möchte seine Leute nicht herumkommandieren. Wenn ihm beispielsweise die Küche an einer Stelle nicht sauber genug erscheine oder vor der Eröffnung des Biergartens eine Verkabelung nötig ist, dann lege er eben selbst Hand an.

Was nach dem Abriss geplant ist

Für die ihm noch verbleibende Zeit in Bornheim hält Dirk Fibitz einige Sonderaktionen bereit – gerade für jene Sportangebote, die es auch an anderer Stelle gibt, Badminton beispielsweise. Umgekehrt tue er sich schwer, Menschen für etwas zu begeistern, was es bald nicht mehr in der Nähe geben dürfte. Insbesondere für Squash oder Kegeln mangele es an Spielplätzen. Dirk Fibitz drückt es anders aus: Mal angenommen, es kämen täglich 100 Menschen in die Freizeitanlage. „Diese Menschen müssen nach der Schließung auf einen anderen Ort ausweichen. Spannend ist die Frage, wohin sie gehen können.“ Wobei: So weit ist es noch nicht. Es ist sogar gut möglich, dass die Anlage über den Dezember hinaus geöffnet bleiben wird.

Die DB Wohnbau des Landauer Unternehmers Denis Baumann, die das Areal vor drei Jahren von den damaligen, langjährigen Betreibern gekauft hat, möchte durch den Abriss der Freizeitanlage Platz für Wohn- und Geschäftshäuser schaffen. Geplant sind 60 Wohneinheiten unterschiedlicher Größe, eine rund 5500 Quadratmeter große Fläche soll für gewerbliche Zwecke genutzt werden. Eine Investition, die mal auf 25 Millionen Euro beziffert wurde.

Wie Denis Baumann auf Anfrage der RHEINPFALZ berichtet, muss derzeit noch geklärt werden, ob die Einheiten verkauft oder im Bestand behalten und vermietet werden. Geschehen wird in dieser Angelegenheit allerdings nichts, bevor nicht die noch offenen Fragen hinsichtlich des Bauprojektes geklärt sind. Die Planungen liefen bereits seit drei Jahren. Wie lange sich das Projekt verzögert, hängt laut Baumann auch davon ab, wann der Landesbetrieb Mobilität ü über die neue Abbiegespur entscheidet, die auf dem rund 20.000 Quadratmeter großen Privatgelände entstehen soll. Je nachdem, wann die Zusage aus Speyer kommt, könne es sein, dass der Betrieb im Freizeitcenter noch bis Sommer oder Ende des Jahres 2024 fortgeführt wird.

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