Offenbach
Brennende Pfannen und verwirrte Enten: Welche Tipps die Feuerwehr für das Leben da draußen hat
Vermutlich kennt das jeder: Man brät sich gerade ein leckeres Spiegelei in der Pfanne, da klingelt das Telefon. Der Chef ist dran. Das Gespräch dauert länger als gedacht, und das Ei wird zur Nebensache. Zack, schon stinkt es in der Wohnung, wweil das Frühstück angebrannt ist. Die Pfanne qualmt. Panik macht sich breit und im Affekt wird die Pfanne ins Spülbecken unter den laufenden Hahn gehalten. Warum man genau das nicht tun sollte, zeigt die Freiwillige Feuerwehr aus Offenbach in einem Youtube-Video. Denn die geht jetzt wegen Corona ganz neue Wege.
Richtig ist es auf jeden Fall, die Feuerwehr zu rufen, wenn die Pfanne brennt. Aber es gibt natürlich auch skurrile Gründe, warum die Männer und Frauen in Uniform ausrücken müssen. Grundsätzlich gelte aber: „Lieber einmal zu viel anrufen, als zu wenig“, sagt Heiko Gensheimer, der bei der Offenbacher Wehr für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Doch manchmal ist der Griff zum Hörer eben wirklich nicht nötig. Wer zum Beispiel im Sommer gerne badet und literweise Wasser für sein Planschbecken braucht, der ruft umsonst an. Zum Füllen des Pools rückt die Feuerwehr nämlich nicht extra aus, das erledigten übrigens auf Anfrage die Wasserwerke, sagt Gensheimer, obwohl solche Bitten schon häufig an die Wehr herangetragen worden seien.
Ältere Damen werden auch mal getragen
Löschen, Retten, Helfen – die ehrenamtlichen Feuerwehrleute sind immer auf Abruf, sei es bei der Arbeit, der eigenen Hochzeit oder dem Kindergeburtstag. Wenn der Piepser sich meldet, müssen sie alles stehen und liegen lassen. Und das tun die Offenbacher auch, wenn sich beispielsweise eine achtköpfige Entenfamilie verlaufen hat, die Straße überquert und den weiten Rückweg zum Fischweiher nicht mehr findet, wie es kürzlich zugetragen hat. Doch nicht nur die Tierrettung zählt zum Alltag der Wehr.
Selbst für ungewöhnliche Bitten sind sich die Offenbacher nicht zu schade. So bat vor einiger Zeit eine besorgte Tochter, die ihre Mutter dringend zum Arzt bringen musste, die Feuerwehr um Hilfe. Sie bringe die ältere Dame nicht alleine die Treppe hinunter. Die Leitstelle trommelte schnellstmöglich fünf Männer zusammen, die die Frau sicher ins Erdgeschoss trugen. Aber nicht nur in der Südpfalz gibt es skurrile Einsätze. Laut „Feuerwehr Magazin“ musste beispielsweise in Erfurt schon ein betrunkener Waschbär eingefangen werden, der über Straßenbahnschienen torkelte und vor einem Restaurant ein Nickerchen machte.
Wie funktioniert eine Drehleiter?
Um Laien Einblicke in die Abläufe eines Einsatzes zu ermöglichen, gibt es normalerweise jedes Jahr einen Tag der offenen Tür in Offenbach. Doch die Corona-Pandemie macht auch den Lebensrettern einen Strich durch die Rechnung. Lange gab es wegen des Lockdowns keine Übungseinsätze. Außerdem dürfen wegen der Abstandsregeln nicht alle Sitzplätze im Löschfahrzeug besetzt werden. Das Team muss sich bei jedem Einsatz auf mehrere Fahrzeuge aufteilen. Wegen der hohen Hygieneauflagen entschied sich die Wehr auch gegen eine Schauübung.
Stattdessen wurde der erste virtuelle Tag der offenen Tür ins Leben gerufen. Ein zehnköpfiges Team arbeitete Tag und Nacht über als zwei Monate hinweg an dem Projekt. Videos wurden gefilmt vom Umgang mit Feuerwehrschläuchen, von einer simulierten Einsatzfahrt, vom Steuern einer Drehleiter. Das Ergebnis können sich Interessierte seit Anfang September online anschauen. Laut Gensheimer kommt das gut an. Das Team habe fast nur positive Rückmeldungen bekommen. Besonders Kindern gefalle die digitale Entdeckungsreise durch die Leitstelle der Offenbacher Wehr. Knapp 3000 Besucher hätten sich in der ersten Woche durch die virtuelle Feuerwehr-Welt geklickt. Die meisten davon waren aus Offenbach und dem restlichen Landkreis, wie Gensheimer berichtet.
Tipps und Tricks für daheim
Unter anderem die Videos, von denen Teile mit einer Drohne aufgenommen wurden, soll im Netz verfügbar bleiben. Wer sich also selbst mal durch die spannende Welt eines Feuerwehrmanns durchklicken möchte, kann das tun. Über den Link www.feuerwehroffenbach.de/tdot lässt sich die Webseite aufrufen. Die Plattform mit weiteren hilfreichen Tipps und Tricks für den Alltag zu erweitern, darüber habe sich die Wehr noch keine Gedanken gemacht, sagt Gensheimer. Das Know-how, die Plattform und die Ideen seien jedenfalls da. Ob es zeitlich hinhaue, weitere Videos zu produzieren, stehe noch in den Sternen. Aber eines steht fest: Potenzial ist da – und Feuerwehr-Wissen für daheim kann ja schließlich nicht schaden.