Rohrbach RHEINPFALZ Plus Artikel Apotheken-Sterben auf dem Land: In Rohrbach tritt seltener Fall ein

Die Apotheke in Rohrbach ist derzeit geschlossen.
Die Apotheke in Rohrbach ist derzeit geschlossen.

Die Zahl der Apotheken auf dem Land geht kontinuierlich zurück. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Nun musste unlängst die Apotheke in Rohrbach schließen. Aber hier gibt es eine gute Nachricht: Sie bleibt nicht dauerhaft dicht.

Während die Apothekenanzahl in europäischen Nachbarländern wie Dänemark oder den Niederlanden stabil bleibt, setzt sich der Abwärtstrend in Deutschland fort. Apothekerverbände schlagen schon länger Alarm. Sie fürchten um die Sicherstellung der wohnortnahen Arzneimittelversorgung – vor allem auf dem Land.

Auch in Rheinland-Pfalz sinkt die Zahl der Apotheken immer weiter. Nur in den größten Innenstadtzentren gibt es noch ein dichtes Netz an Apotheken, in der Fläche hingegen ist die Lage mau. In Rheinland-Pfalz existieren nach Angaben der zuständigen Kammer inzwischen nur noch so wenige Apotheken wie in den 1970er-Jahren.

Verschiedene Probleme

Ein Problem, das neben Honorarkürzungen und überbordender Bürokratie in Form von umfassenden Dokumentationspflichten immer wieder auftaucht, ist, dass Apotheken, die schließen (müssen), keinen Nachfolger mehr finden. Denn das Thema Fachkräftemangel greift auch in dieser Branche um sich: „Viele junge Apothekerinnen und Apotheker wagen in diesen wirtschaftlich unsicheren Zeiten nicht mehr den Schritt in die Selbstständigkeit“, erklärt Stefan Friebis, Pressesprecher der Landesapothekerkammer.

Auch in der Klingbach-Apotheke in Rohrbach sind unlängst die Lichter ausgegangen. Aber nicht für immer, denn am Donnerstag, 2. Mai, macht sie wieder auf. Ein Nachfolger, der die Apotheke übernimmt, konnte in diesem Fall gefunden werden. Nach RHEINPFALZ-Informationen sollen finanzielle Gründe zu der Schließung geführt haben. Die bisherige Betreiberin der Apotheke war nicht zu erreichen. Die künftige Leitung übernimmt Stefan Spengler, der bereits seit rund 20 Jahren die Reben-Apotheke in Klingenmünster betreibt – er leitet dort ein zwölfköpfiges Team.

Neustart ab 2. Mai

In Rohrbach werde am 2. Mai ab 8.30 Uhr mit einem kleinen Umtrunk neu gestartet. Ab dann werden sich sechs Mitarbeiter vor Ort um die Kunden kümmern. „Wir legen Wert auf eine hohe Beratungskompetenz. Wir wollen vor Ort einen guten Service bieten“, kündigt Stefan Spengler an. Auch er selbst möchte zunächst hauptsächlich in Rohrbach arbeiten, um die Kunden persönlich kennenzulernen.

Stefan Spengler übernimmt die Apotheke in Rohrbach.
Stefan Spengler übernimmt die Apotheke in Rohrbach.

Warum übernimmt er die Apotheke in Rohrbach? Die ursprüngliche Betreiberin der Apotheke sei auf ihn zugekommen und habe ihn gefragt, ob er das Geschäft nach der Schließung übernehmen könne. Nach reiflicher Überlegung habe er sich zu diesem Schritt entschlossen. Bauliche Veränderungen werde er nicht vornehmen, „es bleibt alles beim Alten“. Ihm sei die persönliche Betreuung der Kunden wichtig. Wegen Lieferschwierigkeiten für die IT-Ausstattung, sowohl in Sachen Soft- als auch Hardware, könne er aber nicht vor dem 2. Mai öffnen. Der telefonische Service bestehe schon jetzt.

Umstellung auf E-Rezepte hakt

Unterdessen kann es auch bei der Erstellung von E-Rezepten immer wieder zu technischen Problemen kommen – dieses Problem spricht auch Stefan Spengler an. Bei einer technischen Umstellung diesen Ausmaßes sei das nicht verwunderlich, „es kostet in den Apotheken aber Zeit und Nerven“, meint Rechtsanwalt Peter Schreiber, Geschäftsführer des Apothekerverbands RLP.

Ein Problem sei, dass die in der Arztpraxis ausgestellten E-Rezepte teilweise noch nicht freigeschaltet sind, sodass die Patienten erst später versorgt werden können. Es gebe viele formale Fehler beim Ausstellen der E-Rezepte, zum Beispiel wenn in der Arztpraxis keine oder eine unvollständige Berufsbezeichnung angegeben werde oder wichtige Verordnungsdaten nur in die Freitext-Zeile geschrieben würden. Hier habe das Bundesgesundheitsministerium an die Krankenkassen appelliert, die Versorgung der Patienten aufgrund formaler Fehler nicht zu retaxieren, also der Apotheke die Erstattung der Kosten zu verweigern, sagt Schreiber. Dieses Risiko der Zahlungskürzung belaste die Apotheken.

Honorarkürzungen

Unabhängig davon befürchtet der Sprecher der Landesapothekerkammer, Stefan Friebis, dass der Trend der Apothekenschließungen weitergehen wird. Er führt mehrere Gründe an: „Seit einem Jahrzehnt wurden die gesetzlich festgelegten festen Honorare für Apotheken nicht erhöht. Zusätzlich sind die Lohn-, Energie- und Zinskosten stark angestiegen.“

Hinzu komme die von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach vorangetriebene Honorarkürzung, die nach Berechnungen der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände eine Honorarkürzung von netto 120 Millionen Euro pro Jahr für die Vor-Ort-Apotheken bedeutet. Ein Abschlag, den Apotheken der gesetzlichen Krankenversicherung für jedes rezeptpflichtige Medikament entrichten müssen, wurde von bisher 1,77 Euro auf 2 Euro für 2023 und 2024 erhöht.

Deutlich weniger Apotheken

Es ist um die Apotheken-Landschaft in Rheinland-Pfalz also nicht gut bestellt. Das wird auch an den Zahlen der Apothekerkammer deutlich. Danach gab es in der Stadt Landau im Jahr 2013 noch 18 Apotheken, Ende 2023 waren es 14. Ähnlich sieht die Entwicklung im Landkreis Südliche Weinstraße aus. Hier gab es vor zwölf Jahren noch 30 Apotheken, inzwischen ist die Zahl auf 23 (Ende 2023) geschrumpft.

Ähnlich sind auch die Zahlen für das gesamte Bundesland Rheinland-Pfalz gelagert. Im Jahr 2023 stehen 37 Schließungen lediglich drei Neueröffnungen gegenüber. Die Gesamtzahl der Apotheken ist von 889 (Ende 2022) auf 855 (Ende 2023) gefallen.

Info

Die Wiedereröffnung der Apotheke in Rohrbach ist am Donnerstag, 2. Mai. Bestellungen können bereits telefonisch unter der Nummer 06349 1677 beim neuen Betreiber des Geschäfts aufgegeben werden.

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