Edenkoben
Alla-Hopp-Anlage: Weitere Spielgeräte nach Beschwerden abgesperrt
Den Abbau der großen Rutsche auf der Edenkobener Alla-Hopp-Anlage konnte Janina Mondello nicht verhindern. Die zweifache Mutter aus Maikammer hatte vergangenes Jahr eine Unterschriften-Aktion initiiert. Mit dem Ziel, die Hauptattraktion der abwechslungsreich gestalteten Spielstätte zu erhalten. Sie gewann zwar Hunderte Mitstreiter für ihre Petition, die am Ende aber nur Symbolwirkung hatte. Der Stadtrat sah sich gezwungen, die Rutsche zu demontieren, um den Zivilstreit vor dem Neustadter Verwaltungsgericht beilegen zu können. Anwohner hatten sich wegen Ruhestörung beschwert.
Mondello weiß nicht, wie sie ihren Kindern erklären soll, warum nun das nächste Spielgerät nicht mehr genutzt werden darf. Zumal auch das benachbarte Baum-Plateau seit Kurzem abgesperrt ist, auf dem Kinder gewöhnlich Platz nehmen, Verstecken spielen oder zu Kletteraktionen starten.
Schallschutzwände geplant
Das Karussell am östlichen Rand der Begegnungsstätte war schon mal gesperrt. Anwohner betrachten es als Lärmquelle und konnten mithilfe eines Anwalts die Stadt zum Handeln bewegen. Nach einer Interessensabwägung öffneten es die Verantwortlichen später wieder. Schließlich ist das Karussell eines der wenigen Spielgeräte auf der Anlage, wenn gar in Edenkoben und Umgebung, das Inklusion ermöglicht.
Davon abgesehen sieht die Stadt bereits den Bau von Schallschutzwänden in dem betreffenden, an der Wohnbebauung angrenzenden Bereich vor. Da es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die Bauwerke errichtet werden, hatte sie gehofft, bis dahin auf weitere Einschränkungen verzichten zu können. In den kommenden Tagen soll das Ergebnis der Lärmmessungen vorliegen, berichtet Stadtbürgermeister Ludwig Lintz (CDU) auf Anfrage. „Dann wissen wir auch, wo die Lärmschutzwände stehen und wie hoch sie sein müssen.“
Lieferengpässe erwartet
Da nun die Reaktion des Juristen folgte, musste die Stadt wieder zu Absperrbändern greifen. Aus Sicht von Lintz wählt die Kommune das kleinere Übel. Schließlich soll eine Sperrung der kompletten Anlage am Triefenbach möglichst vermieden werden. Zumal dort in dieser Jahreszeit und im Winter ohnehin weniger los sein dürfte und damit auch die derzeitige Sperrung des Karussells zu verschmerzen sei.
„Wenn es nach mir ginge, würden die Lärmschutzwände heute aufgebaut werden“, sagt Lintz. Aber Verwaltungsangelegenheiten dauerten nun mal länger als Anliegen in der freien Wirtschaft, in der er sich berufsbedingt auskennt. Zumal auch mit Lieferengpässen gerechnet wird, weshalb sich die Verbandsgemeinde-Verwaltung in Edenkoben schon Angebote für den Auftrag einhole.
Eltern schließen sich zusammen
Viele Familien regen sich darüber auf, dass Anwohner die Sperrung von Spielgeräten veranlassen, weil sie sich in ihrer Ruhe gestört fühlen. Bislang war dies vor allem in Beiträgen in den sozialen Netzwerken zu lesen. Inzwischen haben sich Eltern zusammengeschlossen, die eine Initiative gründen möchten. Julian Wagner, zweifacher Vater aus Edenkoben, wirkt in der Gruppe mit. Die Initiative habe unter anderem das Ziel, Besucher über die Gründe der Maßnahmen zu informieren. „Als die Rutsche gesperrt war, dachten manche, dass es an Corona liegen würde. Andere vermuteten, sie sei beschädigt“, erklärt Wagner. Dieses Mal hänge an den Absperrbändern immerhin ein Zettel mit der Angabe „Wegen Klage gesperrt“.
Die Gruppe setzt sich zudem für die Belange der Kinder ein, weshalb sie mit der Stadt, ebenso mit Einrichtungen wie dem Jugendzentrum, im Gespräch bleiben möchte. „Auch Kitas und Schulen halten sich auf der Alla-Hopp-Anlage auf“, betont Wagner. Es wäre bedauerlich, wenn die Anlage nach und nach Attraktionen verlieren würde. „Zumal uns niemand sagen kann, ob sich die Situation nach dem Bau der Schallschutzwände auch verbessern wird.“ Die Gruppe und die Hintergründe ihres Engagements sollen bald in Flyern bekanntgemacht werden.
Die Dietmar-Hopp-Stiftung hatte den Bau der Anlage in Edenkoben vor sechs Jahren finanziert. Auch jene gleichnamigen und -wertigen Spielstätten, die in der näheren Umgebung zu finden sind. Es sollte ein Geschenk an die Kommunen sein. Doch während gerade auf den Alla-Hopp-Anlagen in Rülzheim und Ilbesheim gespielt werden kann, ohne dass sich Anwohner belästigt fühlen, erweist sich die Spielstätte in Edenkoben auch als Fluch. Seit ihrer Eröffnung steht die Kommune mit Anwohnern im Clinch. Wäre es nicht besser, sie würde geschlossen und an anderer Stelle aufgebaut? „Um Gottes willen“, sagt Lintz. „Nein.“
