Thallichtenberg / Pfeffelbach RHEINPFALZ Plus Artikel Zeugen der Steinzeit – 125 Jahre Steinbruch Decker Söhne

Arbeiter im Steinbruch Pfeffelbach in den 20er Jahren.
Arbeiter im Steinbruch Pfeffelbach in den 20er Jahren.

Zuerst haben wirtschaftliche Ungewissheiten die Feier zum 100-jährigen Bestehen von Decker Söhne ausfallen lassen, nun macht zum 125. Geburtstag Corona einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen hat Wolfgang Sofsky eine Chronik fertigen lassen. Ein vor allem fotografisch eindrucksvolles Zeugnis von Steinbruch-Geschichte im Kreis Kusel.

Den Gedanken an eine Chronik des Familienunternehmens – Firmengründer Heinrich Decker war Sofskys Urgroßvater – hatte der 69-Jährige schon lange. Tatsächlich schon seit 1996. Damals war Sofsky bereits Mitgeschäftsführer des Unternehmens, das damals noch sein gleichnamiger Vater leitete. Weil nicht klar war, ob und wie es mit dem Steinbruchbetrieb weitergehend würde, fiel die Feier zum 100. Geburtstag aus.

Nun gibt es erneut keine Feier: Die Corona-Krise und das Fehlen eines Pächters für das Burg-Restaurant („Das wäre auch wegen der Nähe zu den früheren Steinbrüchen in Thallichtenberg der richtige Ort gewesen“) haben die Pläne durchkreuzt, in angemessenem Rahmen die 125 Jahre von Decker Söhne Hartsteinwerke zu begehen.

Mehr als zwei Jahre Arbeit

Dabei ist der genaue Gründungstag gar nicht bekannt: „Wir haben nur das Jahr 1896 – und das haben wir von Briefbögen und von einer Anzeige“, erzählt Sofsky, der zwar immer noch Geschäftsführer von Decker Söhne und der mit ihr verbundenen Wena ist, aber in Zweibrücken wohnt. Dort ist seine Familie schon lange Mitgesellschafter der Baufirma Wolf & Sofsky. Doch noch immer kommt Sofsky regelmäßig in das alleinstehende Bürogebäude in der Bahnhofstraße im Stammort seiner Familie.

An dem Buch, so erzählt er, habe er seit März 2019 gearbeitet; also schon lange vor Corona. „Mehr als ein Jahr lang hieß es: sammeln, was es gibt.“ Er selbst habe zwar diverse Familienbilder aus den 125 Jahren gehabt – aber kaum etwas über die Firma und die Steinbrüche, die sie vor allem in Thallichtenberg und Pfeffelbach, aber auch in Ruthweiler und Reichweiler betrieben hatte. Der Grund: „Wir hatten in den 50er Jahren in der Firma ein Hochwasser. Da ist alles verloren gegangen.“

Viele Helfer bei Materialsuche

Sofsky hatte Glück: Denn in Paul Greßer in Pfeffelbach und Ernst Geis in Thallichtenberg fanden sich zwei Männer, die das Sammeln zu ihrer Leidenschaft gemacht hatten. Und sie verfügten über jede Menge Bildmaterial. Dazu Hartmut Stepp, der ganz viel zur Geschichte der Steinbrüche und der Orte habe beitragen können. Und schlussendlich hat Sofsky einen Freund aus Studienzeiten, der als Journalist tätig war: Bernhard Müller Wirthmann. Der Murnauer half nicht nur beim Konzipieren der Chronik, er hat sie auch geschrieben.

Herausgekommen sind 120 Seiten über die 125 Jahre Decker Söhne Hartsteinwerke. Über die schwierige Gründungsphase zu Zeiten von Heinrich Decker, der Landwirt, Inhaber einer Gastwirtschaft und Ortsvorsteher in Thallichtenberg war und 1896 begann, Stein abbauen zu lassen. Über die Zeit zwischen den Kriegen, als die Firma Decker zunächst durch wegbrechende Märkte in Schwierigkeiten geriet und dann, nicht zuletzt durch den eigenen Bahnanschluss, dank steigender Nachfrage nach Stein für Brücken- und Straßenbau wuchs und wuchs.

Eindrucksvolle Bilddokumente

Über Entlohnung und Leben der Arbeiter im Steinbruch, aber auch, so weit es überhaupt noch Unterlagen dazu gibt, über Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs. Und über die zunehmende Technisierung und Automatisierung seit den 50er Jahren, die die Anzahl der Arbeiter auf nunmehr noch 25 hat sinken lassen, wo doch einst ganze Dörfer von der Lohnarbeit in den Steinbrüchen abhängig waren.

Vor allem aber ist es ein Buch geworden, das durch die darin abgebildeten Fotografien aus 125 Jahren glänzt. Fotos aus den Steinbrüchen, Fotos der Arbeiter, aber auch Fotos aus der Familiengeschichte von Decker/Sofsky.

(Noch) nicht für den Verkauf

Einziger Wermutstropfen: Sofsky hat nur 275 Exemplare herstellen lassen, die nicht einmal verkauft werden. „Ich habe das Buch machen lassen, um es in der Familie, bei Freunden und Kunden zu verteilen. Ich konnte und kann mir nicht vorstellen, dass viele Leute an einem solchen Buch Interesse haben“, begründet Sofsky seine Zurückhaltung.

Dass er mit dieser Bescheidenheit womöglich falsch liegen könnte, hat er jüngst gemerkt. Denn im Ort sprachen ihn gleich mehrere Leute an, er soll die Chronik doch zumindest in Thallichtenberg im Geschäft auslegen und verkaufen. Immerhin fasse es 125 Jahre eines Gewerbes zusammen, das für die umliegenden Orte über Jahre prägend war und damit eine Art Dorfgeschichte bildet – erst recht dank der vielen Fotomotive. Einstweilen will er aber noch abwarten.

Kontakt

  • wolfgang.sofsky@t-online.de
Wolfgang Sofsky und die Chronik.
Wolfgang Sofsky und die Chronik.
Der Bahn-Privatanschluss der Firma Decker am Pfeffelbacher Steinbruch.
Der Bahn-Privatanschluss der Firma Decker am Pfeffelbacher Steinbruch.
x