Kreis Kusel
Wochenendkolumne: Über Neujahrsvorsätze und die Liebe zu Teebeutel-Sprüchen
Na, haben Sie die Feiertage gut überstanden? Alle Plätzchen verzehrt, den Weihnachtsbaum ausrangiert, alle Spuren der Weihnacht beseitigt? Den Jahresanfang finde ich zumeist immer etwas trostlos: Jeglicher Glanz der festlichen Vorwochen verschwindet, alles was glitzert, schimmert und blinkt, wird wieder in braune Schuhkartons auf den Dachboden verbannt. Die Stimme im Kopf erinnert mich morgens daran, dass ich mehr laufen gehen wollte, doch der Blick aus dem Fenster lässt Zweifel aufkommen. Dann folgt das schlechte Gewissen.
Umso mehr hab ich die Zeit am Jahresende genossen. So wie eigentlich jedes Jahr. Ein Höhepunkt folgt auf den anderen – Weihnachten mit der Familie, Wannerschdach und Schnapsbrennerfest mit Freunden, Silvester im engsten Kreis. Das Schöne an der Zeit zwischen den Jahren ist, dass alle wieder in der Heimat sind. Dass man alte Freunde und Bekannte, die längst weggezogen sind und zu Weihnachten ihre Familie besuchen, auf den Festen in Elzweiler, Welchweiler, Langenbach und Co. wiedertrifft.
Die Zeit des proppevollen Bahndamms
Meine Freunde aus anderen Regionen waren schon immer fasziniert, was bei uns im Kreis zwischen den Jahren alles geboten wird – und haben dies schon öfter als Anlass für einen Besuch genommen. Fast jedes Jahr kurz vor Weihnachten erhalte ich die Nachricht: „Du Michi, wann ist nochmal dieses Schnapsbrennerfest bei euch?“ Die Grumbeerwaffeln, die Gläschen zum Umhängen und selbstverständlich auch das, was hineinkommt, haben bis jetzt noch jeden überzeugt.
Zum Jahresende ist für gewöhnlich die Zeit, in der alle gut gelaunt sind, beseelt vom Weihnachtsfest lässt es sich jeder zum Jahresausklang nochmal gut gehen, bevor das Neue beginnt. In dem will sich erfahrungsgemäß jeder ein bisschen zurücknehmen. Es soll sich mehr bewegt, gesünder gegessen, mehr gespart werden. Zumindest nehmen sich das viele vor. Auf die Zeit der Feste, des vielen Essens, des „Sich-gut-gehen-lassens“ folgt die Zeit des proppevollen Bahndamms, der überfüllten Fitnessstudios, der guten Vorsätze.
Kleine Weisheiten im Alltag
Neujahrsvorsätze erinnern mich persönlich ja immer ein bisschen an Teebeutel-Sprüche. Und das ist keineswegs negativ gemeint, im Gegenteil. Ich selbst bin großer Fan von Teebeutel-Sprüchen. Es sind Weisheiten, die jeder von uns schon 100-mal gehört hat, an die wir aber im normalen Leben zumeist nicht denken. Im Alltag, beim Aufgießen des Tees, erinnern uns die kleinen Zettelchen an die ganz banalen Dinge, sie sind Gedankenstützen, geben uns kleine Aufgaben mit auf den Weg, weisen uns auf Grundlegendes hin. Vielleicht mögen sie dem einen oder anderen zu einfach vorkommen, aber eben auf die Einfachheit kommt es ja auch irgendwie an: Sie sollen verständlich, möglichst sofort umsetzbar sein – vielleicht sogar schon beim Teetrinken. Meiner ermahnte mich heute Morgen, die kleinen Dinge mehr zu genießen und wertzuschätzen.
Bei Vorsätzen ist es ähnlich. Alle Jahre wieder denken wir darüber nach, wie wir eigentlich leben wollen und sollen. Entmutigen lassen sollten wir uns nicht, wenn es mit den Neujahrsvorsätzen mal wieder nur bis Anfang-Mitte Januar klappt. Schließlich kann man ja auch den Start eines neuen Monats, einer neuen Woche, eines neuen Tages zum Anlass nehmen, Gewohnheiten umzukrempeln, Laster abzulegen. Es müssen ja nicht gleich alle drei, vier oder zehn Vorsätze gleichzeitig und auf Anhieb umgesetzt werden. Kleine, schrittweise Veränderungen tun’s auch und fallen uns oft leichter. Eben die kleinen Dinge genießen...