Kusel
Volksbanken und Kreissparkasse: Unternehmer im Kreis Kusel mit großem Beratungsbedarf
„Für sehr viele Unternehmen geht es derzeit um die wirtschaftliche Existenz“, weiß Helmut Käfer, der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Kusel. Besondere Probleme haben demnach diejenigen, die „wenig Rücklagen haben und von ihren wöchentlichen Einnahmen leben“. Gerade in der Anfangszeit der Krise haben die Telefone bei Banken und Sparkassen kaum still gestanden.
Meist Hilfe mit Hausmitteln
Neben ungezählten Gesprächen, bei denen es zunächst um einen Austausch und das Abklopfen der Möglichkeiten gegangen sei, habe die KSK bereits „rund 450 Kunden konkret helfen“ können, sagt Käfer. Dabei hätten die Förderkredite nur einen geringen Teil ausgemacht: Für 58 Kunden habe die Sparkasse einen solchen beantragt, 45 seien bislang genehmigt. Meist gehe es um den Umgang mit bestehenden Krediten: Erweiterte Kreditlinien, zusätzliche Liquidität und Zins- und Tilgungsaussetzungen seien eine schnelle Hilfe. Allein das Volumen dieser Tilgungsaussetzungen betrage derzeit mehr als zwei Millionen Euro.
So sieht das auch Christian Dietrich, Vorstandsmitglied der Volksbank Glan-Münchweiler. Wenngleich die Förderkredite seinem Eindruck nach sehr gefragt seien, seien sie „in vielen Fällen gar nicht nötig“. In etlichen Szenarien seien eine Veränderung bei den bestehenden oder die Aufnahme eines neuen Bankendarlehens die bessere, weil flexiblere Lösung.
Schritt in die richtige Richtung
So wirklich revolutionär waren die Förderkredite – gerade in der Anfangszeit – ohnehin nicht. Den in der Zeit nach Ostern aufgelegten KfW-Schnellkredit bezeichnet Helmut Käfer da als „Schritt in die richtige Richtung“. Weil die KfW dabei 100 Prozent der Haftung bei Ausfällen übernimmt, stehe das Programm auch Unternehmen offen, „die unter den heutigen Corona-Bedingungen keine umfassende Fortführungsprognose abgeben können“. Zudem sei beim Schnellkredit keine umfassende Kreditrisikoprüfung mehr vorgesehen – das beschleunigt laut Käfer den Vergabeprozess und entlastet die Hausbanken, die diese Prüfung vornehmen.
Überhaupt sei beim immer mal wieder gehörten Vorwurf, die staatlichen Hilfen kämen nicht an oder dauerten viel zu lange, wohl doch ein bisschen Polemik dabei, befindet Christian Dietrich. Die Rückmeldungen der Volksbank-Kunden seien überwiegend positiv – auch in Bezug auf die Zuschüsse von 9000 beziehungsweise 15.000 Euro, die der Staat gewährt.
Auch zu dieser Soforthilfe, die bei der Investitions- und Strukturbank (ISB) in Mainz beantragt wird, gebe es natürlich jede Menge Fragen. Da sei die Hausbank, obwohl sie an dem Programm keine Aktie hält, eben schon eine verlässliche Quelle für die Gewerbetreibenden.
Unternehmen müssen mitarbeiten
Denen habe man bislang stets weiterhelfen können. Voraussetzung dafür, laut Dietrich: „Um einen gemeinsamen Weg zu finden, muss das Unternehmen mitarbeiten.“ Den kleinen Unternehmen rät er, die freie Zeit zu nutzen, um sich aufzustellen für die Zeit nach Corona, neue, angepasste Businesspläne zu erarbeiten. Dietrich glaubt, dass – nicht zuletzt dank der Hilfsprogramme – die meisten Firmen die Krise überstehen werden. Große Probleme sieht er allerdings auf jene zukommen, deren Geschäft schon vor der Krise nicht gelaufen ist: „Mit diesen Krediten den Vorjahresverlust ausgleichen, das funktioniert nicht.“
Schwierig werde es vor allem für solche Unternehmen, die keine Nachholeffekte bei ihren Umsätzen haben, sagt Joachim Wagner, Vorstandsmitglied der Lauterecker Volksbank. Gastronomie, Blumenläden und Mode-Einzelhandel nennt er als Paradebeispiele. Auch Wagner unterstreicht die Bedeutung der Hausbank bei den Hilfsprogrammen. Anträge würden bei der KfW dank des Verzichts auf eigene Risikoprüfungen tatsächlich deutlich schneller bearbeitet als früher. Die Hausbank könne aber nicht nur bei der Antragstellung helfen – „da liegen die Tücken wie so oft im Kleingedruckten“, sagt Wagner – , sondern auch mögliche finanzielle Engpässe bis zur Auszahlung der KfW-Mittel überbrücken.
Was passiert danach?
„Die Telefone haben nicht stillgestanden“, berichtet Wagner nun, da der erste große Ansturm vorbei sei. Das sei im Privatkundengeschäft ähnlich gewesen, schildern die drei Bankvorstände unisono, da habe es beispielsweise jede Menge Anfragen zur Möglichkeit der gesetzlichen Ratenstundung gegeben.
Zurück zu dem Firmenkunden: Kreissparkasse-Chef Käfer sieht die Finanzbranche nicht nur bei der Überbrückung der schwierigen Monate gefordert, in denen viele Geschäfte geschlossen bleiben. „Fast entscheidender“ sei es, die Frage zu beantworten: „Wie finanzieren wir den Anlauf, wenn es wieder los geht?“ Zumal ja niemand wisse, wann es denn soweit ist.