Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Sportschießen: Keine Spur von Nachwuchssorgen beim SC Rammelsbach

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Sie treffen und treffen: Die Jugendschützen des SC Rammelsbach. Im Vordergrund Romeo Feilhaber, Christina Winschu, die auch stellvertretende Jugendleiterin ist, und Amelie Windsch. Foto: Sayer

Kaum ein Verein, der nicht über Nachwuchssorgen klagt. Selbst bei den Jugendfußballern wird es immerschwieriger, Mannschaften an den Start zu bringen. Noch schwieriger müsste es da doch sein bei den Sportarten, die nicht so sehr im Fokus stehen, oder? Nein, zumindest bei den erfolgreichen Jungschützen in Rammelsbach und Lauterecken läuft es bestens.

Jungs spielen Fußball oder Handball, Mädchen gehen reiten, manch einer spielt vielleicht noch Tennis. Zugegeben, das ist eine recht plumpe Einteilung, aber tatsächlich ähneln sich die Auskünfte doch oft, wenn man Jugendliche fragt, welchen Sport sie in ihrer Freizeit ausüben. Doch selbst die Platzhirsche unter den Sportarten haben es mittlerweile nicht mehr einfach, genügend engagierte Nachwuchssportler zu finden.

Viele Titel zu feiern

Dass das aber nun nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass bei den Randsportarten gar nichts mehr geht, das zeigt sich beim SC Rammelsbach und beim Schützenverein Veldenz Lauterecken – zwei Vereine, die einen Sport betreiben, den man nun wirklich nicht unbedingt auf dem Zettel hat, wenn man an Lieblingsfreizeitbeschäftigung Jugendlicher denk. Die beiden zählen zu den erfolgreichsten rheinland-pfälzischen Vereinen im Nachwuchs-Schießport. Konsequenterweise gibt es stets Titel zu feiern, in diesem Jahr etwa bei den Landesjugendmeisterschaften in Bingen.

Dort gab es gleich drei Meistertitel für die Lauterecker Schützen um Jugendleiterin Eva Naudsch. Lara-Sophie Best ließ mit dem Luftgewehr in der Schülerklasse weiblich die Konkurrenz hinter sich, gleiches gelang Anton Kreischer in der Schülerklasse männlich. Im Luftgewehr-Dreistellungskampf setzte sich die Veldenz-Mannschaft mit Best, Kreischer und Aaron Steuer durch. Außerdem holte das Team Silber mit dem Luftgewehr – hinter Nia Hoppstädter, Moritz Windsch und Romeo Feilhaber vom SC Rammelsbach. Auch der SCR konnte weitere Medaillen feiern: Carla Hoffmann wurde Landesmeisterin in der Jugendklasse, Amelie Windsch Dritte. Gemeinsam mit Marius Kauf gewannen sie die Mannschaftswertung der Jugendklasse.

Alles ausblenden – der totale Fokus zählt

Mit dem Schießsport setzen sich die meisten Menschen allenfalls alle vier Jahre bei den olympischen Sommerspielen auseinander. Dort sind jede Menge Disziplinen vertreten, nicht alle spielen im alltäglichen Wettkampfsport eine Rolle. Die Jugend in Rammelsbach konzentriert sich aufs Luftgewehr – freihand und ohne Auflage. Die Scheiben sind in sogenannte Ringe unterteilt, die von außen nach innen in ihrer Wertigkeit von eins bis zehn steigen. Die Zielscheibe ist vom Schützen zehn Meter entfernt, wobei das Zentrum, der 10er-Ring, nur 0,5 Millimeter Durchmesser hat. 40 Schuss gehen in die Wertung ein, bis zu 400 Ringe können demnach erzielt werden.

„Das Wichtigste ist, alles um dich herum auszublenden. Die Hand muss komplett ruhig gehalten werden, darf nicht zittern. Das verlangt ein Höchstmaß an Konzentration. Der absolute Fokus ist entscheidend“, sagt Bastian Brauchler, Jugendleiter beim SC Rammelsbach. Um das zu erreichen hat der Verein mittlerweile einen eigenen Mentaltrainer, der mit den Jugendlichen übt, zur Ruhe zu kommen. Auch Atmung und Muskulatur müssen beherrscht werden, um die „absolute Ruhe“, wie Brauchler es nennt, zu erreichen.

16 Nachwuchsschützen beim SC Rammelsbach

Einmal pro Woche geht es für die Jugendschützen zum Training. Für Schule und andere Hobbys bleibt also trotzdem noch genug Zeit. „Eigentlich bestehen unsere gesamten Mannschaften nur noch aus Nachwuchskräften“, berichtet Brauchler stolz. Im Verein schießen 16 Jugendliche im Alter von zwölf bis 20 Jahre.

„Es war unglaublich spannend und ein aufregendes Erlebnis“, beschreibt Nia Hoppstädter ihre Eindrücke von der Meisterschaft, die auch Monate später noch nachwirken. Das Sommerfest des SC Rammelsbach im Jahr 2018 habe bei ihr das Interesse geweckt, und seitdem sei sie dabei geblieben, beschreibt die Rammelsbacherin, wie sie zu dem außergewöhnlichen Hobby gekommen ist.

Ähnliches berichtet Amelie Windsch. „Auch wenn ich nur mit durchschnittlichen Erwartungen nach Bingen gefahren bin, hat es mich am Ende schon geärgert, dass ich so knapp an der Qualifikation vorbeigeschrammt bin“, zeigt sie sich ehrgeizig. Gerde mal zwei Ringe haben ihr gefehlt, um an der deutschen Meisterschaft teilnehmen zu dürfen – und das, obwohl auch sie erst seit etwa einem Jahr den Schießsport ausübt. Beim Ostereierschießen 2018 war es, als sie und ihr Bruder Moritz, der erfolgreich in der Schülerklasse schießt, den Gefallen am Sport gefunden haben. Ihre Ziele hat Amelie Windsch weiter fest im Blick: „Ich möchte so schnell es geht höherklassig schießen und dann natürlich auch zur deutschen Meisterschaft fahren.“

Unter den führenden Vereinen im Land

Auch der Vorsitzende des SC Rammelsbach, Thilo Neitsch, ist voll des Lobes über seine Jugendabteilung. „Was unsere Jungs und Mädels erreicht haben, ist richtig klasse. Sie zeigen Ehrgeiz ohne Ende.“ Neitsch geht davon aus, einige seiner Jungschützen im Rheinland-Pfalz-Kader zu sehen. „Insgesamt sind rund 270 Vereine im Verband. Wir sind dabei unter den absolut führenden“, weiß der SCR-Vorsitzende, der auch im Vorstand der Pfalzliga ist und einen guten Überblick über die Schützenvereine im Land hat.

Offenkundig ist es auch der Zusammenhalt, der Energie freisetzt. „Wie eine große Familie“ beschreiben die SCR-Verantwortlichen den Verein, jeder packe mit an. Und das, obwohl es bei anderen Vereinen immer schwieriger zu werden scheint, das Vereinsleben aufrecht zu erhalten. „Immer weniger Menschen wollen sich ehrenamtlich engagieren. Wir müssen hier gar keine Leute anwerben, wir haben eher ein Überangebot“, sagt Vorsitzender Neitsch.

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