Altenkirchen RHEINPFALZ Plus Artikel Neues Konzept: Aus dem Heimat- wird das Kirschenlandmuseum

Das Museum dokumentiert unter anderem altes Handwerk.
Das Museum dokumentiert unter anderem altes Handwerk.

Neuer Name, neues Konzept, moderne Präsentationsmethode. Als Kirschenlandmuseum soll im August das bisherige Heimatmuseum von Altenkirchen seine Pforten öffnen. Wer die Räumlichkeiten und Exponate kennt, wird einiger Veränderungen gewahr werden.

Gleich wird die Hausfrau kommen, den Herd mit Holz füttern und „Grombeerwaffele“ zubereiten. Auf dem Tisch liegt die Schiefertafel ihrer Kleinen, und an der Stuhllehne hängt ihr Schulranzen.

Die Waffelecke im Museum.
Die Waffelecke im Museum.
Rudi Hettrich hat einen mobilen Webstuhl nachgebaut.
Rudi Hettrich hat einen mobilen Webstuhl nachgebaut.
Dargestellt wird auch die Geschichte der protestantischen Kirche.
Dargestellt wird auch die Geschichte der protestantischen Kirche.
Funde aus der ehemaligen Kohlegrube.
Funde aus der ehemaligen Kohlegrube.
Bronzemünze aus der Römerzeit.
Bronzemünze aus der Römerzeit.
Weiteres Thema, das im Museum behandelt wird: Auswanerung.
Weiteres Thema, das im Museum behandelt wird: Auswanerung.
Eine Aufnahme alter Gerichtssiegel.
Eine Aufnahme alter Gerichtssiegel.

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Der Schrank ist bestückt mit Geschirr. Milchkannen stehen auf dem Sideboard, irdene Schüsseln auf dem Regal. Eine Waschgelegenheit darf nicht fehlen. In der Ecke – über dem Herd – trocknet Wäsche. Die Küche im Kirschenlandmuseum ist ordentlich – wohnlich und behaglich. „Das ist mein Lieblingsraum“, schwärmt Martin Fornoff und nimmt am Tisch Platz. Fornoff ist eines von knapp zehn Mitgliedern der Arbeitsgruppe, die sich um die Ausstellung kümmert. Dahinter steht der Heimat- und Wanderverein.

Das Museum wurde 1986 eröffnet. Die Exponate spendeten oder liehen Leute aus Altenkirchen oder Umgebung. „Im Laufe der Zeit kamen immer mehr. Sie wurden einfach dazugestellt“, erzählt Fornoff, Sprecher der Gruppe. Das Gesamte wurde unübersichtlich. An den Räumen nagte zudem der Zahn der Zeit. Zweifacher Wasserschaden hinterließ Spuren. Das Museum verlor an Attraktivität, die Besucherzahlen sanken. „Auf Anregung des Heimat- und Wandervereins haben wir uns vor etwa zwei Jahren zusammengesetzt und überlegt, was wir ändern könnten“, erinnert sich Fornoff. Ein neues Konzept musste her.

Das Alleinstellungsmerkmal

Es wurde viel diskutiert und reflektiert. Klar war, „dass wir der Übersichtlichkeit wegen aufräumen und Stücke rausnehmen müssen“, sagt Fornoff. Diese lagern nun ein, defekte wurden weggeworfen. In einem zweiten Schritt wurden alle Räume ausgeräumt und neu gestrichen, wo nötig renoviert. Die Arbeitsgruppe nahm Kontakt zum Museumsverband Rheinland-Pfalz auf, um sich beraten zu lassen. „Wir lernten, dass wir ein Alleinstellungsmerkmal brauchen und auf multimediale Präsentation setzen müssen“, erzählt Fornoff. „Unser Ruf als Kirschenland ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können.“

Der Begriff sollte dem Museum seinen Namen geben. Ein ganzer Raum ist nun dem Kirschenan- und -ausbau gewidmet. Auf einem der vier neuen Monitore laufen Filme zur Kirschenernte in den 1960er-Jahren und zum Leiterbau, finden sich Bilder von den ehemaligen Blütenfesten. Fotos der Blütenköniginnen von 1950 bis 1961 und ihr Kostüm ergänzen die Exponate, zu denen Kirschwein- und Kirschschnapsflaschen gehören.

Waffelecke eingerichtet

Im Raum, der Kirche, Schule und Vereine zum Schwerpunkt hat, können die Besucher unter Serien zu alten Häusern, Schuljahrgängen – teilweise mit Namen –, Kerwen oder Schlaglichter auf die Geschichte des Vereinswesens wählen. „Wir haben dafür ungezählte alte Fotos digitalisiert.“ Dass das eine Menge Arbeit war, verhehlt Martin Fornoff nicht.

Im selben Raum ist jetzt außerdem eine Waffelecke eingerichtet. Ein Rezept für „Grombeerwaffele“ hängt über dem Ritschofen. „Mit kurzen Erläuterungen wollen wir die Besucher informieren, ohne zu langatmig zu werden“, sagt Fornoff. Zurückgreifen konnten die Museumsfreunde auf Dokumentationen von Kreisarchivar Dieter Zenglein sowie Bücher von Liesel Höh und Helmut Koch.

Thema Auswanderung

Ein großes Thema ist die Auswanderung. Über 1000 Altenkircher wollen um und nach 1900 ihre Heimat verlassen. Hintergründe erfahren Interessierte via Monitor. Karten der Zielorte sowie Fotos, vornehmlich aus Ohio, Bilder aus der Zeit oder Namen von Familien, die fortgingen, zieren die Wände. Erklärungen wurden ergänzt.

Altes Handwerk, der Steinkohlebergbau und die Ortsgeschichte sind ebenfalls umfassend dokumentiert. Wie stellten die Altenkircher früher ihre Kleidung her? Sie bauten Flachs an und webten Leinen. Einen mobilen Webstuhl hat Rudi Hettrich nachgebaut. Das Spinnrad wird er bis zur Eröffnung noch etwas auf Vordermann bringen.

Kosten noch unklar

Die Plexiglasstellwände, die künftig vor allem für Wanderausstellungen – ebenfalls ein Novum – gedacht sind, stehen bereit. Die erste thematisiert die Motorisierung der Landwirtschaft. Sie muss – wie manche Vitrine – noch fertiggestellt werden.

Der Vereinsvorsitzende Peter Müller, der technische Leiter Kurt Böhnlein, Martin Fornoff und Rudi Hettrich sind mit dem Ergebnis zufrieden. Was die Modernisierung den Verein letztendlich kosten wird, vermögen sie noch nicht zu sagen. Gefreut haben sie sich über die Zuwendungen: von der Lokalen Aktionsgruppe Westrich-Glantal über 1500 Euro und vom Lionsclub Kusel über 1000 Euro. Ein Benefizkonzert 2019 brachte 1100 Euro. „Die Gemeinde stellt das Erdgeschoß des Rathauses kostenlos zur Verfügung und trägt die Nebenkosten“, betont Fornoff. Auch Farbe und Material habe sie bezahlt. Den Rest werde der Verein drauflegen müssen. „Für Spenden sind wir deshalb sehr dankbar.“

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