Lauterecken
Glan legt Teil der Hauptwasserleitung frei – „Not-OP“ erforderlich
Damit hat vor 50 oder 60 Jahren wohl niemand gerechnet. Damals, als die Hauptwasserleitung der Stadt verlegt wurde, packten die Arbeiter diese kurzerhand in den Glan. Sparte wohl Zeit, sparte wohl Kraft. Allerdings hat die Kraft der Natur langsam, aber stetig einen Teil der Leitung freigelegt. Diese Leitung versorgt den nördlichen Teil der Stadt sowie den Hochbehälter in Medard. Da diese ungeschützt im Glan verlief, mussten die Werke handeln. Mittels speziellem Verfahren wurde am Donnerstag ein Leerrohr für die neue Leitung unter dem Fluss verlegt.
Die Wasserversorgung hätte großflächig ausfallen können, wäre die Wasserleitung bei einem Hochwasser von einem im Glan mitbeförderten Baum getroffen worden – eine Situation, die gar nicht erst eintreten soll, wie Fred Wolf betont. Dem Leiter der Verbandsgemeindewerke zufolge wäre dann die Notversorgung von Teilen Lautereckens und Medard nur „mit viel Aufwand und Theater“ gelungen. Vielleicht wären die höher gelegenen Häuser sogar gar nicht zu versorgen gewesen. Und auch größere Wasserabnehmer hätten dann den Werke-Mitarbeitern Sorgenfalten in die Stirn getrieben – mehr als ein paar Tage hätte im Falle einer beschädigten Leitung wohl nicht Abhilfe geschaffen werden können.
Blauer Wurm verschwindet in der Erde
Nun ist bisher ja nichts passiert, dennoch sollte die Leitung nicht ungeschützt im Glan liegen. Deshalb sind vor kurzem Arbeiten gestartet, um eine neue Leitung unter dem Glan zu verlegen. Auf große Maschinen am Gewässer wird dabei allerdings verzichtet, denn das Rohr wird ohne großen Graben verlegt. Die sogenannte grabenlose Rohrverlegung sei mit einer minimalinvasiven Operation vergleichbar.
Statt mit einem Bagger auf der gesamten Länge – durch den Glan mit Spezialbagger – einen Graben zu ziehen, wurden rechts und links des Glans zwei Löcher ausgehoben. Dadurch war kein immens großer Eingriff in die Natur nötig, die Birken links des Glans konnten stehen bleiben, und auch der zeitliche Aufwand der Maßnahme sei nicht so groß, schildert Wolf. Rechts des Glans, am Radweg in Richtung Wiesweiler, wurde mit Hilfe einer speziellen Anlage eine Spülbohrung horizontal unterhalb des Glans durchgeführt. Mit einer Tiefe von neun bis elf Metern.
Mit Spezialwerkzeugen, Erfahrung und Geschick wurde der Bohrkanal auf den gewünschten Durchmesser gebracht. Dazu wurde ein spezielles Bohrgestänge mit je drei Meter langen Stangen verwendet. Beim langsamen Herausziehen des Gestänges wurde zugleich das bereits links des Glans, nahe des früheren Wasserhauses, liegende Rohr eingezogen. Das sah aus, als verschwinde ein gigantischer blauer Wurm nach und nach in der Erde. Bis das 144 Meter lange Leerrohr eingezogen war, verging mehr als eine Stunde, die Bohrung nahm Wolf zufolge deutlich mehr Zeit in Anspruch. Es habe mehrfach gebohrt werden müssen, teilweise durch Felsen.
Die Kosten für die Arbeiten belaufen sich auf rund 250.000 Euro. Die neue Leitung müsse nun noch durchgespült, desinfiziert und an die Bestehende angeschlossen werden. Sobald dies geschehen ist, sei die Gefahr einer Unterbrechung der Wasserversorgung an dieser Stelle für die nächsten Jahrzehnte gebannt.