Kusel „Wohlstand gerechter verteilen“

Eigentlich war Alexander Ulrich gegen einen Familienhund. Eines Abends war Balu aber plötzlich da und eroberte das Herz des Link
Eigentlich war Alexander Ulrich gegen einen Familienhund. Eines Abends war Balu aber plötzlich da und eroberte das Herz des Linken-Abgeordneten »im Sturm«, wie er sagt.

„Auch aus der Opposition heraus kann man gut Politik machen.“ Alexander Ulrich vollendet gerade seine dritte Legislaturperiode im Bundestag in Berlin. Am 24. September tritt der 46-Jährige zum vierten Mal für die Linken an, hat auf Position eins der Landesliste Rheinland-Pfalz seiner Partei gute Chancen, eine vierte Periode dranzuhängen. Ulrich hofft, dass seine Partei drittstärkste Kraft wird und ein zweistelliges Ergebnis holt.

Ein Rascheln im Dickicht, dann springt das Reh hervor, schaut kurz herüber und macht sich mit langen Sätzen davon. „Das hat er nicht gesehen“, sagt Alexander Ulrich und blickt auf Balu. Den interessiert ein interessanter Duft im Gras gerade viel, viel mehr. Das Reh ist längst verschwunden, als der Mischlingshund aufblickt. „Wo erlebt man so was in Berlin?“, fragt Ulrich. Seit der zehn Monate alte Yorkshire-Terrier/Zwergspitz-Mischling vergangenen Dezember in die Familie aufgenommen wurde, dreht der Familienvater öfters eine Runde mit Hund um seinen Heimatort. „Ich brauche diese Ruhe als Gegenprogramm zur Hektik in Berlin“, erzählt Ulrich. Dabei war er anfangs gegen einen Hund. Eines Abends aber sei er nach Hause gekommen und habe Balu vorgefunden. „Er hat unsere Herzen im Sturm erobert. Meins auch.“ Eine knappe Stunde dauert die Hausrunde von Alexander Ulrich, die hinter dem Garten seines Hauses in Reichenbach-Steegen beginnt. Normalerweise nutzt er die Zeit in Feld und Flur zum Abschalten, zum „Erden und Entschleunigen“, wie er sagt. Heute aber ist er gleich im Thema, quasi im Wahlkampf-Modus. Rentenpolitik, Arbeitswelt, eine friedlichere Außenpolitik – drei Stichworte aus dem Programm der Linken. Zwei Millionen Kinder leben laut Ulrich in Deutschland in Armut, die Anzahl der Rentner, die nach ihrem Arbeitsleben von Armut bedroht sind, liege ebenfalls im Millionen-Bereich. Dagegen wollen Ulrich und seine Partei etwas tun. „Wir wollen den Wohlstand etwas gerechter verteilen.“ Ulrich kam 2005 zu den Linken, die damals noch WASG hieß, was für Wahlalternative Soziale Gerechtigkeit stand. „Das war die Zeit von Schröders Agenda 2010. Die konnte ich nicht mittragen“, blickt Ulrich zurück. So fand er für sich eine neue politische Heimat, bei einer Partei links von der SPD. Gerhard Schröder ist Ulrich im Vorfeld der Wahl erneut begegnet, und erneut sorgte das bei Ulrich für einen Aha-Effekt. Schröder trat beim SPD-Parteitag Ende Juni auf und griff Schulz unter die Arme. „Das war für mich ein Signal, dass Martin Schulz an der Agenda-Politik doch nicht so viel ändern wird, wie das zunächst den Anschein hatte“, urteilt Ulrich. Zwischen den beiden Kanzlerkandidaten Schulz und Merkel sieht Ulrich wenig Unterschiede. „Beide stehen für mich für ein ,Weiter so’. Gemäß dem Motto: ,Uns geht es doch gut, warum sollen wir groß was ändern.’ Das ist so mein Eindruck“, schildert Ulrich. Ulrich kandidiert auf der Landesliste auf Platz eins, was ihm sehr gute Chancen einräumt, wieder dem Bundestag anzugehören. „Wahlkampf ist für mich immer eine tolle Zeit. Da ist das Interesse an der Politik in der Bevölkerung besonders groß.“ Und ansonsten? Sind die Menschen heute politikverdrossener als vor einigen Jahren? „Ich glaube, dass Dinge wie die Wahl von Trump zum US-Präsidenten und die Brexit-Abstimmung wieder dazu beitragen, dass die Politisierung bei jungen Menschen zunimmt.“ Während Ulrich im Geiste bereits den nächsten Wahlkampftermin vorbereitet – als Spitzenkandidat ist er in ganz Rheinland-Pfalz unterwegs –, döst der kleine Hund auf Ulrichs Terrasse. Und träumt womöglich von Rehen, die plötzlich aus dem Dickicht brechen.

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